Sanierung scheitert trotz neuem Investor

Deutscher Waschmittelhersteller steht vor dem Aus

Thurn Germany stellt unter anderem für Aldi das Waschmittel Tandil her.
Thurn Germany stellt unter anderem für Aldi das Waschmittel Tandil her.
© dpa, Christin Klose, nku toh wst

23. September 2021 - 9:10 Uhr

Thurn-Standorten droht das Aus

Ein Investor stand schon bereit, wollte Millionen investieren. Doch die Sanierung des deutschen Reinigungsmittelproduzenten Thurn Germany scheint trotzdem zu scheitern: Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, gab es keine Einigung mit den Kommunen als Vermieter der Gewerbeflächen von Thurn in Neunkirchen-Seelscheid. Damit droht auch den weiteren Thurn-Standorten das Aus.

150 Mitarbeitern droht bereits nächste Woche die Kündigung

Betroffen ist die Produktion an den Thurn-Standorten in Neunkirchen-Seelscheid sowie im niederländischen Kerkrade. Auch der Standort in Genthin steht auf der Kippe.

"Schon in der nächsten Woche ist der Insolvenzverwalter gezwungen, den Mitarbeitern zu kündigen und die Betriebsstilllegung einzuleiten", teilte das Unternehmen laut Lebensmittel Zeitung mit. Trotz "unterschriftsreifer Einigung mit einem nahmhaften internationalen Investor" sei die Übernahme und damit der Erhalt der Thurn Germany Gruppe im letzten Moment gescheitert.

Wie der WDR berichtet, konnten sich der Eigentümer des Grundstücks, die Kommunen Neunkirchen-Seelscheid und Much und der neue Investor nicht auf einen langfristigen Mietvertrag einigen. Der Investor bestand auf einer Laufzeit von 15 Jahren, um langfristig planen zu können. Die Kommunen wollten den Mietvertrag über maximal drei Jahre laufen lassen – und waren offenbar nicht zu Kompromissen bereit. "Für den Investor, der in Neunkirchen-Seelscheid Millionenbeträge investieren wollte, war das völlig inakzeptabel", teilt Insolvenzverwalter Jens M. Schmidt laut Lebensmittel Zeitung mit.

Thurn Germany produziert Aldi-Marken Tandil und Alio

Wenn der Reinigungsmittelproduzent Thurn Germany bereits nächste Woche schließen muss, könnte das auch Auswirkungen für Discounter haben: Die Aldi-Marken Tandil (Waschmittel) und Alio (Geschirrspülreiniger) werden von Thurn Germany mitproduziert.

Denn Aldi Süd und auch Aldi Nord produzieren ihre Eigenmarken nicht selbst, sondern lassen sie im Auftrag herstellen. Betroffen von der Firmenpleite ist vor allem Aldi Süd: "Wir können Ihnen bestätigen, dass wir Artikel aus dem Putz-, Waschmittel- und Maschinengeschirrspülmittelbereich von den genannten Produzenten beziehen", erklärte ein Sprecher von Aldi Süd gegenüber RTL.

"Grundsätzlich verfolgen wir eine Mehrlieferantenstrategie, um eventuelle Lieferausfälle in einem gewissen Rahmen abdecken zu können", so der Aldi-Sprecher weiter. Die Warenversorgung habe bei Aldi immer oberste Priorität.

Konkret bedeutet die Mehrlieferantenstrategie: Thurn Germany ist nicht das einzige Unternehmen, das Wasch- und Reinigungsmittel produziert. So stellen auch die viel größeren Dalli-Werke (2000 Mitarbeiter) mit Sitz in Stolberg Handelsmarken für Aldi (Tandil), Lidl (Cien) oder dm her (Balea) her. Trotzdem könnte es zu Lieferprobleme bei Waschmittel-Tabs kommen. Laut Lebensmittel Zeitung gehen Branchenkenner davon aus, dass der Handel jetzt auch verstärkt in Osteuropa einkauft, um die Warenversorgung zu sichern. (aze)