Aldi und Lidl betroffen

Deutscher Waschmittelhersteller muss Insolvenz anmelden

Thurn Germany stellt vor allem Reinigungs- und Waschmittel in Pulverform her.
Thurn Germany stellt vor allem Reinigungs- und Waschmittel in Pulverform her.
© picture alliance, Christin Klose

05. Juli 2021 - 8:50 Uhr

Thurn Germany ist zahlungsunfähig

Der harte Wettbewerb im Waschmittel-Markt, explodierende Rohstoffpreise und schließlich auch Corona haben den deutschen Reinigungsmittelproduzenten Thurn Germany in die Knie gezwungen: Das Unternehmen mit Sitz in Neunkirchen-Seelscheid musste Insolvenz anmelden.

Corona gibt den Todesstoß

Die Produktion an den Thurn-Standorten in Neunkirchen-Seelscheid, Genthin sowie im niederländischen Kerkrade laufe weiter, sagte Peter Schoof, geschäftsführender Gesellschafter bei Thurn Germany, der Lebensmittel Zeitung.

Coronabedingt sei insbesondere das Geschäft in den Bereichen Freizeitsport, Gastronomie und körpernahe Dienstleistungen weggebrochen, so Schoof weiter. Das seien 20 bis 30 Prozent der Umsätze. Der Rhein Sieg Rundschau teilte Schof mit, dass der Staat nicht mit finanziellen Mitteln geholfen habe, weil "wir nicht ins Raster gepasst haben". Corona-Hilfen bekämen nur Betriebe, die direkt durch den staatlichen Eingriff betroffen seien, wie Hotels, denen durch die Schließung der Umsatz eingebrochen sei.

Thurn Germany sucht jetzt nach Investoren, um die Geschäfte fortzuführen. Mit Lieferausfällen sei nicht zu rechnen. Bei Thurn Germany arbeiten insgesamt rund 200 Angestellte.

Insolvente Waschmittelhersteller beliefern Deutschlands größte Discounter

Mit Thurn Germany musste innerhalb von zwei Wochen gleich der zweite Waschmittelhersteller Insolvenz anmelden. Bereits vorher gab der Hersteller Sopronem seine Zahlungsunfähigkeit bekannt.

Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, beliefern beide Unternehmen unter anderem den Discounter Lidl mit Reinigungs- und Waschmittel. Sopronem produziert für Lidl vor allem flüssige Waschmittel, Thurn Germany Putz- und Reinigungsmittel in Pulverform sowie Spülmaschinen Tabs. Beide Unternehmen produzieren offenbar die Lidl-Eigenmarken Formil, Maxitrat und W5 mit. Auch die Aldi-Marken Tandil (Waschmittel) und Alio (Geschirrspülreiniger) werden von Thurn Germany mitproduziert.

Die steigenden Rohstoffpreise machen auch den ganz großen Konzernen zu schaffen. So konnte zwar Henkel im ersten Quartal das Geschäft mit Persil & Co deutlich ausbauen und verzeichnete bei seinen Haushalts-Klassikern zweistellige Zuwachsraten. Allerdings kündigte Henkel-Chef Carsten Knobel bereits an, wegen der Rohstoffpreise, "die so stark gestiegen sind wie in den vergangenen 15 Jahren nicht", die Preise erhöhen zu müssen. (aze)