Trotz Verurteilung immer noch nicht im Knast

Frau klagt an: Mein Nachbar hat mich vergewaltigt und ist immer noch frei

22. Februar 2021 - 9:45 Uhr

Täter lebt in der Nachbarschaft

Katrin Schneider geht kaum noch aus dem Haus. Seit Monaten lebt sie in einem Albtraum, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Nach einer Vergewaltigung läuft sie ihrem Peiniger nahezu täglich über den Weg, weil er im Haus gegenüber wohnt. Der Täter wurde bereits verurteilt, doch zieht alle Register, um nicht ins Gefängnis zu müssen.

Katrin Schneider: "Er gibt mir das Gefühl, dass ich das verdient habe"

"Er steigt bewusst aus dem Auto aus, gibt mir immer noch das Gefühl, dass ich das verdient habe, was er mir und meiner Familie angetan hat und von Reue ist da überhaupt keine Spur", sagt Schneider im RTL-Interview. An einem Samstag im September 2019 ändert sich ihr Leben schlagartig. Sie ist nach einer Firmenfeier in einer Pflegeeinrichtung auf dem Weg nach Hause. Ihr Arbeitskollege Mohammed B. begleitet sie. Schneider scheint es sicherer, mit jemandem zusammen zu gehen. Doch der Mann, von dem sie sich Schutz erhofft, fällt plötzlich über sie her. Hinter einem Supermarkt vergewaltigt er sie. Aus Angst vor ihm schreit sie nicht um Hilfe, erzählt sie.

Urteil: Drei Jahre und zehn Monate Haft

Katrin Schneider ruft die Polizei. Ihr Nachbar wird noch in derselben Nacht in seiner Wohnung festgenommen. Mehr als ein Jahr nach der Tat verurteilt ihn das Landgericht Bonn im Oktober 2020 zu drei Jahren und zehn Monaten Haft wegen besonders schwerer Vergewaltigung. Doch Mohammed B. ist bis heute frei – sein Verteidiger hat Revision eingelegt. Es soll geprüft werden, ob der Prozess formal in Ordnung war. Am Urteil dürfte dies kaum etwas ändern, doch durch die Revision kann es über ein Jahr dauern, bis es rechtskräftig wird.

Für Kathrin Schneider eine unerträgliche Situation. "Es bricht bei einem selbst alles zusammen und ich muss ihm zugucken, wie er sein Leben weiterführt", sagt sie. Zudem gehen ihre Kinder mit den Kindern des Täters in dieselbe Kindergartengruppe.

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Warum zieht Mohammed B. nicht weg?

Auf Anfrage, warum Mohammed B. nicht wegzieht, antwortet sein Anwalt: "Der Angeklagte hat sich sowohl eigeninitiativ als auch mit Hilfe von sozialen Organisationen nachhaltig bemüht, dort wegzuziehen. Das hat aber überhaupt keinen Erfolg gehabt." B. habe durch das Urteil seinen Job verloren, es sei schwierig, etwas anderes zu finden. Auf RTL-Anfrage teilt die Stadt Hennef dagegen mit, sie habe dem Mann eine geeignete Wohnung vermittelt, die er aber nicht angenommen habe. Rechtlich dazu verpflichtet ist er nicht. Auch für Katrin Schneider und ihre Familie kommt ein Umzug nicht in Frage. Sie leben im eigenen Haus und wollen sich durch das schreckliche Erlebnis nicht vertreiben lassen.

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