2019 M03 13 - 16:55 Uhr

Farbenfrohes Schauspiel mit bitterem Nachgeschmack

Hunderte bunte, mit Heliumgas gefüllte Luftballons werden in den Himmel entlassen und bieten den Zuschauern am Boden ein farbenfrohes Schauspiel: Auf Hochzeiten, Geburtstagspartys und zu anderen feierlichen Anlässen ist das in Deutschland normal. Unsere Nachbarn in den Niederlanden verbieten dieses Vergnügen allerdings immer häufiger.

Große Schäden in der Tierwelt

Toter Eisvogel nebst Plastikmüll
Ein toter Vogel neben dem Mageninhalt eines Artgenossen voller Plastikpartikel. Solche Bilder wollen immer mehr Niederländer nicht mehr sehen müssen: Sie verzichten auch gerne auf Latexmüll, der durch das Steigenlassen von Ballons entsteht.
© picture alliance, JOKER, Alexander Stein

Der Grund für das Verbot ist klar: Umweltorganisationen kritisieren, dass ein großer Teil der aus Latex hergestellten Ballons letztlich in der Natur landet, vor allem am Strand und im Meer. Dort könnten sie große Schäden verursachen. Kritiker des Verbots halten dagegen, Latex sei ein Naturprodukt und deswegen unschädlich. Doch die öffentliche Meinung in den Niederlanden ist mittlerweile ganz klar pro Verbot.

Amsterdam erließ Verbot als erstes

Bis dahin hat es allerdings etwas gedauert. Amsterdam setzte das Ballonverbot 2015 zuerst durch, mittlerweile sind es 59 Gemeinden. Doch auf dem Weg dahin gab es in den Niederlanden teils heftige Debatten.

Politiker isst Ballon, um seine Unschädlichkeit zu beweisen

In Utrecht zum Beispiel bot 2015 André van Schien, Politiker der liberal-konservativen Partei VVD, an, einen Ballon zu essen, um zu beweisen, dass die harmlos sind. Ein Mitglied der christlich-demokratischen CDA nahm daraufhin einen Teller, Messer und Gabel und einen Ballon zur Gemeindesitzung mit. Van Schien musste den Ballon dann wohl oder übel verspeisen. Die öffentliche Diskussion war im vollen Gange.

Bis zu zwei Prozent der Meeresvögel sterben daran

"Latex löst sich schlecht auf, vor allem im Meer", argumentiert Jeroen Dagevos von der Plastic Soup Foundation gegenüber der niederländischen Zeitung NRC Handelsblad. "Im Durchschnitt finden wir auf jede Hundert Meter Strand 12 Ballons", sagt Marijke Boonstra der Stichting De Noordzee (zu deutsch: Stiftung Nordsee) an gleicher Stelle.

Und Meeresbiologe Jan Andries van Franeker gibt an: 1 bis 2 Prozent aller Meeresvögel sterben an Ballons - sie essen die Reste, die dann die Verdauungsorgane verstopfen. Wenn die Tiere nicht in kürzester Zeit verenden, dann langfristig, weil sie schwach und krank werden.

Die niederländischen Hersteller von Ballons haben sich mittlerweile angepasst: Sie verzichten auf Schlaufen und zusätzliche LED-Lampen samt Batterien. Doch trotz dieser Maßnahmen sieht ihre Zukunft, was den niederländischen Markt selbst angeht, nicht rosig aus.