Hochzeitspläne durchkreuzt

Heiraten trotz Corona: Geht das – und wenn ja, wie?

Vielen Paaren macht die Corona-Krise einen Strich durch die Hochzeitsrechnung.
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02. April 2020 - 12:34 Uhr

Wenn Hochzeitsträume wie Seifenblasen platzen

Die Sonne lacht, die Temperaturen stimmen: Der Frühling und die ersten Sommermonate bieten die idealen Bedingungen für eine unvergessliche Hochzeit. Doch dieses Jahr ist alles anders: Das Coronavirus, das damit einhergehende bundesweite Kontaktverbot und die Unsicherheit, wie es weitergeht, lassen bei vielen Paaren den Traum vom schönsten Tag ihres Lebens platzen – auch unsere Redakteurin Lisa Uriel muss sich damit auseinandersetzen. Kann man jetzt überhaupt noch heiraten?

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Standesamtliche Termine bleiben meist bestehen

Wie genau Standesämter die aktuellen Einschränkungen umsetzen, ist regional unterschiedlich. Viele schließen ihre Gebäude für den allgemeinen Publikumsverkehr und bieten stattdessen einen Telefon- oder Online-Service an. Wer bereits einen Termin für die standesamtliche Trauung hat, kann diesen in der Regel aber noch vor Ort wahrnehmen – allerdings ohne Gäste, denn meist dürfen nur noch Standesbeamte, wenn nötig ein Dolmetscher und das Brautpaar selbst anwesend sein.
Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen empfiehlt es sich immer, vor Ort nachzufragen.

  • Im Online-Portal der Stadt München heißt es sogar: "Bitte bringen Sie zur Eheschließung eigene Kugelschreiber mit."
  • Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick ist immerhin noch ein Fotograf erlaubt.
  • In Frankfurt sitzen in den Standesämtern, die noch geöffnet haben, die Beamten hinter Glas, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wie die Behörde mitteilte. Hier sind keine Gäste oder Fotografen gestattet. Die Paare, die bereits einen Termin zur Trauung haben, würden kontaktiert, ob sie ihren Termin auch unter diesen Umständen noch wahrnehmen wollen. Neue Termine werden vorerst keine gemacht.
  • Auch das Standesamt Bochum schreibt: "Sehen Sie bitte von Anfragen ab, die Eheschließungstermine in den nächsten Wochen und Monaten betreffen. Das Standesamt klärt die Möglichkeiten, Eheschließungen durchführen zu können, von Woche zu Woche ab."

Kirchliche Trauung vorerst nicht möglich

Das Kontaktverbot von Bund und Ländern gilt auch für Kirchen, Moscheen, Synagogen und Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften. Eine kirchliche Trauung im bekannten Sinn ist damit nicht möglich - zumindest, solange die Einschränkungen wirksam bleiben. Die Zeit danach wird von den einzelnen Gemeinden unterschiedlich gehandhabt.

Kann die Hochzeitsfeier in den nächsten Monaten stattfinden?

Wer selbst eine Hochzeit plant, weiß, wie viel Zeit im Voraus dafür nötig ist. Locations, Trauredner und Fotografen sind schnell ausgebucht, gerade jetzt, wenn viele Paare ihre Feiern verschieben. Denn auch im nächsten Jahr gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Tagen - aber unter Umständen ein Vielfaches an Hochzeitspaaren.

Dennoch rät Hochzeitsplanerin Marie Alsleben dazu, Feiern im April zu verschieben und bei Hochzeiten im Mai oder Juni einen Ersatztermin zu suchen. "Wir sind gerade sehr beschäftigt mit einem Plan B für die Paare, die in den nächsten Monaten heiraten wollen", erzählt sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Veranstaltungsorte zeigen sich meist sehr kulant, so Alsleben - allerdings sei es dann nicht immer möglich, an einem Samstag zu heiraten.

Was passiert mit den Ausgaben, wenn die Feier verschoben oder abgesagt wird?

Viele Paare haben bereits Tausende Euro in eine Feier investiert, von der sie nicht wissen, ob sie stattfinden wird. Veranstaltungsversicherungen decken zudem im Falle einer Pandemie wie dem Coronavirus in der Regel keine Kosten. Der Bund deutscher Hochzeitsplaner erklärt: "Wird etwas von behördlicher Seite abgesagt, kommt es ganz auf den Grund und die Region an. Nach deutschem Recht gilt zunächst der Vertrag des Dienstleisters. Hier muss zwischen Dienst- und Werkvertrag unterschieden werden. Ob und wie eine Stornierung möglich ist, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig."

In jedem Fall gilt also: Kommunikation ist jetzt das Wichtigste. Denn nicht nur hochzeitswillige Paare sind finanziell betroffen – für Dienstleister, die sich auf Hochzeiten spezialisiert haben, brechen derzeit sämtliche Einnahmen weg. An einer Einigung, mit der alle Parteien leben können, sind deshalb wohl alle Beteiligten interessiert. Gerade in Zeiten, in denen es die Liebe schwer hat.