Riccardo Simonetti kritisiert beliebte Teenie-App

„Project Makeover“: Nur wer hübsch ist, wird geliebt?

20. Januar 2021 - 8:32 Uhr

Umstyling-Spiel sorgt für heftige Diskussionen

"Project Makeover" – so heißt die Trend-App, die schon millionenfach heruntergeladen wurde und derzeit scheinbar vor allem ein Muss auf Teenie-Smartphones ist. Die Hauptaufgabe darin: Virtuellen Figuren ein "dringend benötigtes Makeover" zu verpassen. Aber ist das Spiel wirklich ein harmloser Zeitvertreib – oder bringt es vielleicht sogar Gefahren für das Selbstbewusstsein und die psychische Gesundheit von Teenagern und Kindern mit sich? Entertainer Riccardo Simonetti zumindest findet die App "sehr grenzwertig". Eine Psychologin schätzt das Risiko ein.

"Total schlimme Botschaft"

"Braucht man sowas im Jahr 2021 noch?", fragt Entertainer Riccardo Simonetti in seinem Instagram-Beitrag, in dem er die Werbung für "Project Makeover" kritisiert. Darin ist eine weibliche Figur zu sehen, die viele Haare am Körper, schiefe Zähne und Pickel hat – und deshalb offenbar ausgelacht und abgelehnt wird und unglücklich ist. Nur durch Make-up, rasierte Beine und gezupfte Augenbrauen steigen offenbar ihre Chancen, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden.

"Ich finde, das ist eine total schlimme Botschaft", erklärt Riccardo im RTL-Interview. "Wenn du nicht der Norm entsprichst, dann ist das die Realität, in der du lebst. Wenn du dich aber anpasst und verschönerst und dich genauso anziehst und aussiehst wie alle anderen auch, dann hast du alle auf deiner Seite."

Der Entertainer ist überzeugt: Gerade für junge Leute ist das genau die falsche Message. Viele junge Frauen, die etwa unter Akne leiden, hätten ihm geschrieben und bestätigt, dass sie sich durch so die Darstellung der Werbung angegriffen fühlen. "Es gab natürlich aber auch viele, die denken, man würde übertreiben, wenn man das verletzend findet", so Riccardo. "Da habe ich gesehen, dass nicht jeder ein Grundverständnis dafür hat und man sich manchmal vielleicht auch hinsetzen und Leuten etwas erklären muss."

App kann psychische Störungen fördern

Psychologin Rüya Kocalevent
Psychologin Rüya Kocalevent erklärt die Risiken von Apps wie "Project Makeover"
© RTL

Ist das beliebte Spiel, das in den Apple-Charts in der Kategorie "Puzzle" gerade Platz eins belegt, wirklich so gefährlich? Psychologin Rüya Kocalevent erklärt: "Ob es nun eine Make-over-Fernsehshow ist oder eine App: Es wird transportiert, dass wenn man äußerlich hübsch ist, es einem auch besser geht. Und dieser Zusammenhang von Emotion und Äußerlichkeiten kann bei Jugendlichen dazu führen, dass sie einen geringeren Selbstwert ausbilden, manchmal auch eine Essstörungs-Symptomatik und häufig ein negatives Körperbild."

Dennoch hält Kocalevent Apps wie "Project Makeover" letztlich für relativ harmlos: Man müsste als Kind und Jugendliche von vorneherein Risikofaktoren für eine psychische Störung mitbringen, um dann tatsächlich eine Essstörung oder Ähnliches zu entwickeln, erläutert sie.

Zu einem konsequenten Verbot rät die Expertin Eltern deshalb nicht: "Mein erster Tipp wäre, das einmal mit den Kindern zusammen durchzuspielen, echtes Interesse zu zeigen und nicht zu verurteilen, dass sie das toll finden." Anschließend sollte man miteinander ins Gespräch kommen und gezielte Fragen stellen, wie etwa: "Glaubst du, man ist nur glücklich, wenn man drei Stunden die Haare gemacht bekommt?"

Psychologin: Eltern sollten Jugendliche begleiten

"Project Makeover" spiegele ein Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen, sich mit Äußerlichkeiten auseinanderzusetzen. "Das gehört zu dieser Lebens- und Entwicklungsphase dazu. Es wäre nur schön, wenn es ein Stück weit begleitet wird", so Kocalevent.

Auch Riccardo Simonetti verurteilt Fans der App nicht rigoros. "Mein Appell ist nicht: Leute, hört auf, dieses Spiel zu spielen. Sondern eher: Denkt mal darüber nach, was diese Werbung eigentlich bedeutet. Ich würde allen raten, dass sie ihren Kindern vermitteln sollen, dass es in Ordnung ist, sich nicht der Norm anzupassen und man eher darauf gucken soll, was einen selber glücklich macht."

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