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Hautpflege a lá Delfin: Diese Meeressäuger nutzen Korallen bei Hautproblemen

Überraschende Studie

Hautpflege a lá Delfin: Diese Meeressäuger nutzen Korallen bei Hautproblemen

ARCHIV - Dörte, der kleine Große Tümmler-Nachwuchs, schwimmt am Dienstag (18.10.2011) mit Mutter Delphi in seinem Becken im Zoo in Duisburg. Delfinschützer sind am Freitag (06.07.2012) mit einem Auskunftsbegehren gegen die Stadt Duisburg vor Gericht
Internationales Forscherteam findet heraus: Delfine betreiben Hautpflege.
dpa, Roland Weihrauch

Delfine sind nicht nur schlau, sie sind auch reinlich. Dass die Säugetiere zu den intelligentesten Tieren der Welt gehören, ist bekannt. Eine im Fachmagazin „iScience“ veröffentlichte Studie zeigt jetzt, dass Delfine auch für ihre Gesundheit sorgen. Denn Hautprobleme behandeln sie selbst.

Delfine betreiben Hautpflege

Korallenstöcke mit bunten Fischen.
Delfine nutzen Korallen, um Hautschuppen abzureiben.
MEV

Forscher um die Gießener Professorin Gertrud Morlock fanden heraus, dass bestimmte Delfine Korallen und Schwämme nutzen, um Hautprobleme selbst zu behandeln. Große Tümmler wurden im Roten Meer vor der Küste Ägyptens dabei beobachtet, wie sie sich an ausgewählten Korallen und Schwämmen rieben und dafür auch in einer Reihe anstellten. Die Wissenschaftler untersuchten die angesteuerten Meeresorganismen und fanden 17 Substanzen unter anderem mit antimikrobiellen Eigenschaften. Eine antimikrobielle Substanz ist eine Substanz, welche das Wachstum von Mikroorganismen, etwa Bakterien, hemmt. „Das Ergebnis hat uns überrascht und wir haben die Hypothese gewagt, dass die Delfine die Korallen und Schwämme nutzen, um die Haut prophylaktisch oder bei vorhandenen Irritationen mit den darin befindlichen günstigen Substanzen zu versorgen», erläutert Gertrud Morlock von der Universität Gießen. Sie hat die Studie zusammen mit Angela Ziltener von der Universität Zürich geleitet.

Delfine steuerten immer wieder die selben Korallen an

Das auffällige Verhalten sah Ziltener erstmals vor 13 Jahren bei Tümmlern im nördlichen Roten Meer. Auf Tauchgängen konnte die Wildtierbiologin diese aus der Nähe beobachten. „Es brauchte Zeit, um so mit den Delfinen tauchen zu können, dass mehrere spannende Beobachtungen möglich waren“, berichtet sie. Schließlich konnten jene Korallen und Schwämme identifiziert werden, die die Meeressäuger immer wieder ansteuerten. Das Team fand heraus, dass durch das wiederholte Reiben winzige Polypen, aus denen die Korallengemeinschaft besteht, Schleim abgaben. Polypen sind kleine Tiere und quasi die Erbauer der Korallen. Denn in Jahrtausenden schufen sie durch ständige Kalkablagerungen Riffe von riesigem Ausmaß.

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Polypen-Schleim beugt Infektion vor

Wissenschaftlerin schaut durch ein Mikroskop
Im Labor fanden die Forscher heraus, dass der Schleim heilende Wirkung hat. Foto: picture alliance/Armin Weigel/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Um die Eigenschaften des abgesonderten Schleims zu verstehen, nahmen die Forscher Proben. Die Chemikerin und Lebensmittelwissenschaftlerin Morlock und ihr Team untersuchten diese.
Ihre Entdeckung brachte die Forscher zu der Annahme, dass der Schleim dazu dient, das Mikrobiom der Delfinhaut, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen die auf dieser Haut leben, zu regulieren und Infektionen zu behandeln oder vorzubeugen. Man könne zwar nicht den Beweis einer Heilung führen, so Morlock. Doch der Schluss liege nahe, „dass das Reiben an den marinen Organismen, die reich an Wirkstoffen sind und von den Delfinen speziell ausgesucht wurden, etwas bewirken kann, da sie direkten Kontakt zur Delfinhaut haben“. Der Schutz der Meeressäuger und ihrer Umwelt sei ihr sehr wichtig, betont Wildtierbiologin Ziltener. Viele Zusammenhänge kenne man noch nicht. Daher sei es notwendig, mehr Studien zu machen, „um das Zusammenspiel unterschiedlicher Arten zu zeigen und zu verstehen“.

Größte Bedrohung für Delfine ist der Mensch

HANDOUT - 13.02.2018, Frankreich, Ploemeur: Ein toter Delfin liegt an einem Strand in Frankreich. Jedes Jahr werden Hunderte der Meeressäuger an Frankreichs Stränden angespült, vorrangig an der Atlantikküste. (zu dpa «Delfin-Kadaver an Frankreichs Kü
In den Treibnetzen sterben Delfine oft qualvoll.
vco, dpa, Thierry Creux

Delfine sind sehr soziale Tiere und halten sich gerne in der Nähe von Menschen auf. Doch genau die stellen die größte Bedrohung für die Meeressäuger dar. Denn Delfine, wie auch Wale, landen oft als Beifang in Fischernetzen. Bis zu 20.000 Tiere sterben dadurch jedes Jahr. Wenn sich die Tiere in den Netzen verfangen, ertrinken sie qualvoll. Denn als Säugetiere sind sie darauf angewiesen, zum Luft holen an die Oberfläche zu schwimmen.

Um so wichtiger sind Studien wie die von Gertrud Morlock von der Universität Gießen. Denn nur so lernen wir die Tiere besser zu verstehen, um dann wirkungsvolle Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. (dpa/api)