Haustier-Boom in der Corona-Pandemie

Tierärzte im Norden am Limit - Aufnahmestopps!

Tierärzte im Norden sind überbelastet (Symbolfoto)
Tierärzte im Norden sind überbelastet (Symbolfoto)
© imago/Westend61, imago stock&people

23. August 2021 - 7:38 Uhr

Viele neue Familienmitglieder heißt auch viele neue Patienten

Es ist ein Aufwärtstrend, der schon seit geraumer Zeit zu beobachten ist: Immer mehr Menschen schaffen sich seit Beginn der Corona-Pandemie einen felligen oder gefiederten Freund an. Die Nachfrage nach Haustieren boomt! Kein Wunder, denn viele Menschen sind durch Kontaktbeschränkungen einsam oder brauchen in Zeiten, in denen Umarmungen Mangelware sind, einfach jemanden zum kuscheln. Doch werden die neuen Familienmitglieder krank oder müssen geimpft werden, gibt es vielerorts ein Problem: Tierarztpraxen im Norden sind überlastet.

Doppelte Arbeit seit Corona

"Es haben sich unglaublich viele Menschen ein Haustier zugelegt in der Corona-Pandemie", sagte die Präsidentin der Tierärztekammer Schleswig-Holstein in Heide, Evelin Stampa gegenüber der Deutschen Presseagentur. Mancherorts gebe es in Praxen bereits einen Aufnahmestopp für neue Patienten.Tierbesitzer müssten oft länger warten, bis es freie Termine gibt. Die Sprecherin der Tierärztekammer Hamburg, Christina Bertram, berichtete, in der Hansestadt seien die Tiermediziner am Limit. "Wir haben in der Corona-Krise ungefähr doppelt so viel gearbeitet."

Nachwuchskräftemangel in Tierarztpraxen

Die Pandemie hat auch den Praxisalltag verändert. "In den Tierarztpraxen müssen natürlich auch Corona-Regeln eingehalten werden", erklärte Bertram. Deshalb gebe es nun in der Regel Terminsprechstunden. Der Aufwand etwa bei der Desinfektion sei deutlich höher. "Auch das kostet Zeit." Nach Angaben der beiden Kammern hat die Corona-Krise ein Problem verschärft, dass es schon vorher gab: "Das Problem ist, dass wir zu wenig Nachwuchs in die tierärztlichen Praxen bekommen", sagte Stampa. Sprechzeiten könnten theoretisch ausgeweitet werden - doch es fehle eben an Personal. Und dafür gibt es laut Christina Bertram Gründe: Die Bezahlung sei nicht üppig, die Wertschätzung von Seiten der Tierbesitzer gering und die Dokumentation der Behandlung nehme immer mehr Zeit in Anspruch.

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Im Corona-Jahr 2020 nahm die Zahl der Haustiere in deutschen Haushalten im Vorjahresvergleich um knapp eine Million Tiere zu. Nach Angaben von Stampa gibt es in Schleswig-Holstein für Hunde und Katzen rund 450 Praxen. In Hamburg sind es laut Bertram etwa 130 Praxen. Das sei einfach zu wenig. Die Belastung der Veterinäre sei seit Beginn der Corona-Pandemie extrem hoch. (dpa/cto)