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Hass auf Schülerinnen in Kabul: Mädchen werden zur Zielscheibe von Terroristen

Schülerinnen im Visier der Terroristen

Jasemin aus Kabul überlebte Anschlag: Ich werde nicht aufhören, in die Schule zu gehen

Jasemin Abdullah überlebte einen Anschlag auf ihre Schule. Trotzdem will sie das Lernen nicht aufgeben.
Jasemin Abdullah überlebte einen Anschlag auf ihre Schule. Trotzdem will sie das Lernen nicht aufgeben.
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Afghanistan und sein Problem mit Schülerinnen

Für uns in Deutschland sind die in Kabul herrschenden Zustände kaum zu fassen. Während Schüler hier oft keine Lust haben, in die Schule zu gehen, setzen besonders Mädchen in Afghanistan dafür ihr Leben aufs Spiel. RTL-Reporterin Kavita Sharma war vor Ort und hat mit den mutigen Schülerinnen gesprochen.

Fatima will studieren und Bücher schreiben

Fatima hofft darauf, später einmal studieren zu können.
Fatima hofft darauf, später einmal studieren zu können.
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Wer die Marefat Schule in Kabul besucht, läuft an bewaffneten Wächtern vorbei. In Afghanistan sind Schulen im Fadenkreuz der Extremisten. Im Gebäude herrscht ein reges Gedränge auf den Gängen. Knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen hier sind Mädchen, Fatima ist eine von ihnen. Während ihrer Mathestunde sitzt sie in der letzten Reihe, aber ist hochkonzentriert. Der Schülerin fällt Englisch leichter, aber überhaupt etwas zu lernen sieht sie als ein Privileg an, denn die 17-Jährige möchte studieren und Bücher schreiben.

Fatimas größte Angst ist, dass dieser Traum zerplatzt, falls die Taliban nach dem internationalen Truppenabzug die Macht an sich reißen: „Natürlich bin ich besorgt, denn falls die Taliban die Kontrolle übernehmen, können wir unsere Ausbildung nicht fortsetzen, wir können so viele Dinge nicht machen, die Frauen in den letzten 20 Jahren erreicht haben – also wäre alles verloren,“ erzählt sie uns.

"Das ist wirklich eine Schande"

Fatimas Sorgen werden durch die jüngsten Ereignisse befeuert. Am 8. Mai gab es einen Bombenanschlag vor einer Schule in Kabul mit mindestens 85 Toten, die meisten von ihnen waren Schülerinnen. Keine Gruppierung bekannte sich zu der Tat. Die Regierung beschuldigt die Taliban, die diesen Vorwurf zurückweist. Der Islamische Staat wird auch verdächtig. Sunnitische Extremisten sehen in den Schiiten dieses Stadtteils Abtrünnige und Bildung von Mädchen ist ihnen ein Dorn im Auge.

Am Anschlagsort treffen wir Jasemin Abdullah. Sie überlebte den Angriff und besucht heute das erste Mal wieder ihre Schule. Das Mädchen umarmt weinend die Lehrerinnen. All die schrecklichen Erinnerungen überwältigen sie offenbar in diesem Moment. Trotz des Grauens das sie erleben musste, gibt sie sich kämpferisch: „Natürlich werde ich wieder in die Schule gehen, mit Mut und mehr Leidenschaft zurückkehren zum Lernen und werde niemals aufgeben. Sie haben so viel Angst vor Schülern, nur weil wir ihnen vielleicht den Platz wegnehmen. Das ist wirklich eine Schande.“

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Angst vor weiterer Gewalt gegen Schüler

Momentan findet in Jasemins Schule kein Unterricht statt. Normalerweise sei die Schule brechend voll, erzählt uns die Direktorin Akila Tawakuli, sogar auf einem Treppenabsatz wird unterrichtet, aber jetzt behielten die Eltern ihre Kinder erstmal zu Hause. „Für mich ist es wirklich sehr traurig, meine Schule so leer zu sehen. Ich wünschte mir, die Familien der Schüler würden an unserer Seite stehen und ihre Töchter hierherschicken.“

Die Regierung hat angeordnet, dass das Gebäude neu gestrichen wird. Ein Lehrer sagt voller Verbitterung, frische Farbe heile die tiefen Wunden nicht, stattdessen hätte die Regierung die Gemeinschaft besser vor Extremisten schützen müssen.

In der Marefat Schule gilt inzwischen, dass Schüler nur in kleinen Gruppen das Gebäude verlassen dürfen, erzählt uns die Verwaltung dort. Es geht die Sorge um, dass sich die Sicherheitslage in Zukunft noch weiter verschlechtern wird, nachdem die internationalen Truppen Afghanistan bis spätestens zum 11. September verlassen haben. „Seit sie den Abzug der Truppen erwähnt haben, hat die Zahl der Angriffe zugenommen. Ihr habt die Anschläge in Logar und Kabul gesehen, wo normale Schüler angegriffen wurden. Es zeigt, dass die Gewalt nach dem Truppenabzug gegen Menschen, gegen Menschenrechte, gegen alle zunehmen wird“, sagt uns Fatimas Mathelehrer Abdulwahid Zahir. Seine Schülerinnen könnten die großen Verlierer des Abzugs sein, falls die Gewalt weiter eskaliert, falls die Taliban die Oberhand gewinnen.