Große Diskussion um TV-Doku "Armes Deutschland"

Hartz-IV-Empfänger Alex (23): "Für 8,50 Euro gehe ich nicht arbeiten"

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17. April 2019 - 17:06 Uhr

Job kommt nicht in Frage

Diese Aussagen sind Zündstoff! "Für 8,50 Euro gehe ich nicht arbeiten", sagte Hartz-IV-Empfänger Alex (23) in der aktuellen Folge der Doku "Armes Deutschland", die auf RTL2 ausgestrahlt wird. Jetzt diskutiert die Internet-Gemeinschaft.

Die Sendung zeigt verschiedene Familien die in Armut oder an der Armutsgrenze leben. Doch am meisten polarisiert der arbeitsose Alex. Ein Job komme für ihn gerade nicht in Frage, denn er würde in der Zeitarbeit weniger verdienen, als er mit Hartz IV bekommt. Vielmehr sehe er sich in der Rolle als Vollzeit-Vater.

Insgesamt haben er und seine Freundin Maria (23) für sich und die drei Kinder 1550 Euro im Monat zur Verfügung. Das Geld kommt durch Arbeitslosen-, Kinder- und Wohngeld in die Familienkasse. Laut einer aktuellen Statistik von Statista liegt die Familie damit knapp unter der Armutsgrenze.

Hartz IV zum Ausruhen?

Bei vielen stößt die Aussage von Alex auf Unverständnis. Bei Twitter machten sich User unter dem Hashtag #armesdeutschland Luft: "Es gibt Menschen die rackern sich den Arsch für 1550 Euro ab und der Vogel wedelt stolz mit dem Geld und rührt keinen Finger...". Andere User regen sich über die "Armutsgrenze" auf: "Die haben 1500 Euro im Monat? Soviel verdienen etliche nicht mal und die haben zwei Jobs." Oder regen sich darüber auf, dass das Geld vom Amt für Zigaretten ausgegeben wird. Es gibt aber auch Stimmen, die sie in Schutz nehmen: "Sie verdienen eher Mitleid als Hass". 

In der Doku erklärt Alex: "Ich könnte mich bewerben, ja. Das ist aber nicht das, was ich möchte, denn dann kommt die Zeitarbeit und dann den ganzen Tag weg sein, für weniger als jetzt".

Auf RTL-Nachfrage erklärte Tobias Hintersatz vom Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) wie die Löhne für Zeitarbeiter denn aussehen: "Die Lohnuntergrenze für einfachste Hilfsarbeiten liegt seit dem 01.04.2019 bei 9,79 Euro im Westen Deutschlands und 9,49 Euro im Osten". Mit diesem Lohn könnte man 1566 Euro Brutto verdienen.

Ob diese Aussagen Konsequenzen für den Hartz-4-Empfänger haben könnten, konnte uns auf RTL-Nachfrage beim Jobcenter Celle nicht mitgeteilt werden. Die Behörde darf sich zu Einzelfällen nicht äußern.

"Wir wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen"

In der Doku wird aber auch eine Familie gezeigt, die ganz anders über Hartz IV denkt. Die Familie von Vater Reinhold und Mutter Maria aus Gondorf. Sie wohnen mit ihren zwei jugendlichen Kindern und einem Freund zusammen. Seit einer Hirnnerv-Entzündung des Vaters lebt die Familie mit Geldproblemen. Da sie aber unter keinen Umständen Hartz 4 beziehen möchte, leben sie zur Zeit mit rund 450 Euro im Monat. Die Familie arbeitet im eigenen Gartenbaubetrieb und versucht sich davon zu ernähren. Da sie sich keine Mitarbeiter leisten können, müssen alle in der Familie mitarbeiten.

Dadurch dass sie mit der Miete schon drei Monate in Rückstand sind, könnten sie bald ihr Haus verlieren. Das Geld vom Staat kommt für sie aber nicht in Frage - sie wollen finanziell alleine wieder auf die Beine kommen. Mit Hartz IV könnten sie sich nichts aufbauen, so der Familienvater.

Die ganze Doku können Sie sich bei TVNow noch anschauen.