Tschüss Bayern, hallo DFB?

Warum der Bundestrainer-Job perfekt zu Hansi Flick passt

Hansi Flick und Jogi Löw: Sehen wir hier den Bundestrainer und seinen Nachfolger?
Hansi Flick und Jogi Löw: Sehen wir hier den Bundestrainer und seinen Nachfolger?
© imago/Schüler, imago sportfotodienst

18. April 2021 - 10:55 Uhr

Flick als Löw-Nachfolger?

Es war ein Beben, das Fußball-Deutschland am Samstagabend zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwartet traf: Hansi Flick will den FC Bayern München am Ende der Saison verlassen. Dass der Weg des Trainers nun zur Nationalmannschaft führt, ist absolut wahrscheinlich.

Von Tobias Nordmann

Sich in diesen Tagen auf Sätze zu verlassen, die Trainer sagen, ist keine gute Idee. Siehe Adi Hütter, der Eintracht Frankfurt sein "Ich-bleibe"-Bekenntnis aufgekündigte und zur neuen Saison zu Borussia Mönchengladbach wechselt. Wenn nun also Hansi Flick sagt, dass er seine Zukunft noch nicht entschieden habe, dann kann das sein. Es muss aber nicht sein. Wenn er sagt, dass er mit dem Deutschen Fußball-Bund noch nicht über das Amt des Bundestrainers gesprochen hat, dann kann auch das sein. Muss es eben aber nicht.

Darum ist Flicks Schweigen richtig

 Pressekonferenz des FC Bayern München mit Oliver Kahn, Herbert Hainer und Karl-Heinz Rummenigge Herbert Hainer und Oliver Kahn München Bayern Deutschland Allianz Arena *** Press conference of FC Bayern Munich with Oliver Kahn, Herbert Hainer and Kar
Herbert Hainer und Oliver Kahn
© imago images/Sammy Minkoff, Sammy Minkoff via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Klar ist: Hansi Flick tut gut daran, jeden konkreten Satz in Richtung einer neuen Herausforderung zu vermeiden. Denn obwohl der 56-Jährige bei den Bossen des FC Bayern den dringenden Wunsch hinterlegt hat, den Klub im Sommer zu verlassen, ist er immer noch Angestellter des Rekordmeisters. Und das laut Vertrag noch bis 2023.

Ein Blitz-Servus in gut zwölf Wochen ist also nicht ganz so einfach. Auch wenn er im Machtkampf mit Sportvorstand Hasan Salihamidžić alles dafür getan hat, den Boden für eine gemeinsame Zusammenarbeit zu verminen. Und obwohl der Bosnier intern zwar nicht mehr gänzlich unumstritten sein soll, hat er der Rückhalt der meisten Mächtigen in München. Unter anderem von Uli Hoeneß, vom künftigen Klubchef Oliver Kahn und auch von Präsident Herbert Hainer. Alles läuft also daraufhin hinaus, dass Flick gehen wird.

Bitteres Ende eines jämmerlichen Schauspiels

Wie schwer sich der Klub mit dem seit Wochen sanft eskalierenden Flick tut, zeigt, dass eine Reaktion auf sein öffentliches Freigabe-Bekenntnis vom Samstagabend bis Sonntagmorgen ausblieb. Weder Ruhe in der Zusammenarbeit bekommt der FC Bayern mit seinem Trainer hin, noch ein seriöses Abmoderieren der Trennung.

Nun, es ist nach einem langen Anlauf halt das bittere, aber konsequente Ende eines jämmerlichen Schauspiels um Einfluss. Wie es nun in München weitergeht, wer der Nächste wird, der sich nach dem ausgelaugten Niko Kovac und dem zermürbten Flick in diesem klar abgesteckten Machtgefüge beweisen wird? Völlig unklar.

Video: So wurde Flick zu Bayerns Erfolgstrainer

Was der DFB Flick (im Gegensatz zu Bayern) bieten kann

Wie es für Flick weitergeht, das scheint dagegen völlig sicher. Lothar Matthäus, Rudi Völler und viele andere erwarten eine schnelle Einigung mit dem Deutschen Fußball-Bund. Und alles spricht dafür, dass der Job des Bundestrainers der perfekte für den 56-Jährigen ist.

Ausreichend Erkenntnisse, dass sich das Amt mit seinen Ambitionen deckt, hat er bereits gesammelt. Bis 2014 war er als Co-Trainer von Joachim Löw unterwegs, ehe er sich zurückzog, um einen Job mit mehr Verantwortung zu übernehmen. Den er dann als Sportdirektor beim Verband auch fand. Aus persönlichen Gründen zog er sich nach drei Jahren zurück, vertraglich vereinbart waren fünf.

Nun, beim DFB würde Flick als Nationalstrainer all das bekommen, was ihm beim FC Bayern verwehrt bleibt. Die alleinige Hoheit über alle sportlichen Angelegenheiten der Mannschaft. Bei der Kaderzusammenstellung mischt niemand mit. Auch nicht der mächtige DFB-Direktor Oliver Bierhoff, den Flick indes lange genug kennt, um zu wissen, ob es womöglich ebenfalls unüberbrückbare Differenzen geben könnte.

Flick ist bei der Auswahl seiner Spieler nicht an finanzielle Zwänge gebunden (nur an die der Nationalität) und muss auch nicht hinnehmen, dass Verträge mit Leistungsträgern gegen seinen ausdrücklichen Willen auslaufen. So wie halt Jérôme Boateng. Der dürfte unter einem Bundes-Hansi auch wieder wichtig werden. Wenn er denn bei seinem Verein (noch offen) weiter Stammspieler bleibt. Das gilt freilich auch für Thomas Müller, sollte der nicht doch noch von Löw wieder "begnadigt" werden. Als zwei Führungsspieler dürften die Beiden das DFB-Team ganz sicher noch zur WM 2022 nach Katar führen.

Schritt zum DFB sportlich sinnvoll

Für Flick wäre der Gang vom Rekordmeister zur wohl immer noch wichtigsten Mannschaft des Landes (laut Umfragen natürlich nicht) auch sportlich der einzig sinnvolle Schritt. Denn nachdem er in einem beeindruckenden Cheftrainer-Sprint in München alle wichtigen Titel auf Vereinsebene abgeräumt hat, kann es ja nur noch ein, besser gesagt, zwei Ziele geben: erst Weltmeister werden (2022) und dann bei der Heim-EM auch noch die kontinentale Krone mit in die Trainer-Rente nehmen.

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