Das Verfahren ist sogar schon patentiert

Hoffnung für Demenzkranke? Forscher finden neuen Therapie-Ansatz

Demenz
© dpa, Patrick Pleul, ppl ink dbo fux rho

09. September 2020 - 7:11 Uhr

Es kann fast jeden treffen

Experten zufolge leben derzeit rund 1,6 Millionen Deutsche mit Demenz, die meisten leiden an der Krankheit Alzheimer. Weil es aber immer mehr Neuerkrankungen gibt, geht man davon aus, dass sich die Zahl der Erkrankten bis 2050 auf etwa 2,4 bis 2,8 Millionen erhöht. Und es trifft nicht nur Ältere: Mehr als 25.000 Menschen unter 65 sind von der Krankheit betroffen. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) machen jetzt Hoffnung auf eine neue Therapieform.

Eiweißablagerungen sind die Ursache

Was genau passiert eigentlich bei einer Demenzerkrankung im Gehirn? Einfach gesagt lagern sich Eiweiß-Proteine in Nervenzellen oder außerhalb von Neuronen an. Wenn es zu viele Proteine in den Zellen gibt, können diese absterben und sogar ganze Hirnareale können schrumpfen. Die MHH-Forscher haben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) herausgefunden, dass Serotonin dabei eine wichtige Rolle spielt. Serotonin ist ein Botenstoff, der gerne auch mal als "Glückshormon" bezeichnet wird, weil er unsere Stimmungslage beeinflusst.

Stoppt das Serotonin!

Ein bestimmter Serotonin-Rezeptor, 5-HT7R, ist den Forschern zufolge dauerhaft aktiv und trägt damit insgesamt dazu bei, dass sich die Eiweiße in den Nervenzellen anhäufen und diese dann absterben. Die Idee: Wenn man andere Stoffe an den Serotonin-Rezeptor bindet, kann man die Grundaktivität absenken und dann die schädlichen Folgen verhindern. Tatsächlich bildeten sich in Tests mit den neu eingesetzten Stoffen kognitive Einschränkungen wieder zurück.

Noch keine Marktreife

Dr. Josephine Labus und Professor Evgeni Ponimaskin im Labor des MHH-Instituts für Neurophysiologie. Auf dem Monitor ist eine Zelle mit dem pathologischen Tau-Protein zu sehen
Dr. Josephine Labus und Professor Evgeni Ponimaskin im Labor des MHH-Instituts für Neurophysiologie.
© KARIN KAISER MHH, Karin Kaiser / MHH

Die Serotonin-Blocker haben sich die Forscher für die Demenz-Behandlung bereits patentieren lassen. Jetzt soll untersucht werden, ob es bereits Medikamente auf dem Markt gibt, die zwar für die Behandlung anderer Krankheiten eingeführt worden sind, aber vielleicht denselben Effekt haben. Zwar lassen sich bisher noch keine abgestorbenen Nervenzellen wiederbeleben, aber es besteht die Hoffnung, dass die Medikamente, wenn die Krankheit früh genug entdeckt wird, die Demenz stoppen oder ganz verhindern könnten.