Tierheim findet Königspythons

Vier Schlangen auf Parkplatz ausgesetzt- um Strom zu sparen?

Zusammengekauert mussten die Tiere in einer Plastikbox ausharren.
Zusammengekauert mussten die Tiere in einer Plastikbox ausharren.
Hamburger Tierschutzverein

Wenn Tiere im Tierheim abgegeben werden, dann steckt oft eine traurige Geschichte dahinter. Bei den vier Königspythons, die auf dem Parkplatz des Hamburger Tierschutzvereins ausgesetzt wurden, könnte es aber einen pragmatischeren Grund geben: Sie sind der Energiekrise zum Opfer gefallen.

Hamburg: Vier Schlangen müssen sich eine Plastikbox teilen

Viel Bewegungsfreiheit hatten die Schlangen nicht.
Viel Bewegungsfreiheit hatten die Schlangen nicht.
Hamburger Tierschutzverein

Seine Reptilien beim Tierheim abzugeben, hat sich der Besitzer offenbar nicht getraut. In einer Plastikbox mit der Aufschrift „Achtung: Schlange. Zu verschenken/vergeben. 4 Königspythonschlangen im Behältern“ wurden die Tiere am Mittwochmorgen (14.09.) vor dem Tierheim in der Süderstraße ausgesetzt. Ein Mitarbeiter hatte die Kriechtiere entdeckt. „Wir gehen davon aus, dass sie ein Hobbyzüchter abgegeben hat. Das erkennt man daran, dass es gleich vier Tiere in einem jungen Alter sind. Die Tiere waren in einem guten Zustand und die Umstände der Aussetzung lässt darauf schließen, dass es keine überhastete Aktion war“, bestätigt Pressesprecher Sven Fraaß auf RTL-Anfrage.

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Reptilien kosten in der Energiekrise viel Geld

Vier Königspythons wurde in einer Plastikbox ausgesetzt.
Vier Königspythons wurde in einer Plastikbox ausgesetzt.
Hamburger Tierschutzverein

Fraaß vermutet, dass das Aussetzen eine Sparmaßnahme des ehemaligen Besitzers ist. „Reptilien brauchen es warm. Schlangen sind wechselwarme Tiere und brauchen eine hohe Umgebungstemperatur. Sie benötigen auch viel Licht. Die steigenden Energiekosten sorgen daher auch für Mehrkosten der Terrarien. Diese Belastung ist für viele Halter zu viel“, sagt Fraaß. Eine emotionale Bindung zu den Tieren konnte aber wohl nicht aufgebaut werden. „Die Lösung, die Tiere auf dem Parkplatz auszusetzen, ist natürlich sehr herzlos“, bemängelt er.

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Hamburger Tierschutzverein blickt sorgenvoll in die Zukunft

An eine Vermittlung der ausgesetzten Schlangen glaubt der Tierschutzverein nicht. „Der Schlangen-Trend ist schon lange vorbei. Diejenigen, die ein Tier wollten, haben eins. Inzwischen gibt es viel zu viele, die werden jetzt regelmäßig bei uns abgegeben“, schätzt Fraaß die Situation ein. Zusätzlich zu dem Problem, dass es sehr viele Schlangen gibt, treten jetzt also noch die horrenden Energiepreise. Das Tierheim fällt deswegen eine düstere Prognose. „Wir gehen davon aus, dass die steigenden Strompreise in naher Zukunft noch weitere Aussetzungen von Schlangen und anderen Terrarientieren nach sich ziehen werden, denn viele Menschen bekommen Angst vor hohen Abschlägen und einer saftigen Endabrechnung. Die Wärmelampen für die Beheizung der Terrarien fressen viel Strom. Und das fällt in der aktuellen Lage eben enorm ins Gewicht“, so der Hamburger Tierschutzvereins.

Die wohl bevorstehende schlimme Hochphase könnte sogar zu einem Aufnahmestopp von Tieren führen. „Wenn wir es logistisch und personell nicht mehr wuppen können, müssen wir die private Abgabe von Tieren stoppen und an andere Aufnahmestationen verweisen“, befürchtet Fraaß. (hzi)