Opfer überlebte dank Not-OP

Zwillingsschwestern wollten Ex-Freund töten – mehr als fünf Jahre Haft für Nancy S.

Nancy S. Halle
Nancy S. während des Prozesses am Landgericht Halle.
RTL

Am 17. Mai 2022 wird ein schwer verletzter Mann in Halle-Neustadt (Sachsen-Anhalt) gefunden. Das Opfer, Michael S. (40), hat schwere Stichverletzungen an Bauch und Lunge erlitten. Nur eine Not-OP kann ihn retten. Die Ermittlungen bringen die Polizei auf die Spur der Zwillingsschwestern Nancy S. und Kathy S. (42). Nancy war mit dem Opfer früher liiert, aus der Beziehung ging Tochter Maria (3) hervor. Am Mittwoch hat das Landgericht Halle Nancy S. zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert. Kathy S. ist noch auf der Flucht.

Zwillingsschwestern lebten wohl mit dem Opfer zusammen in Nauendorf

Ein schöner Dreiseitenhof in Nauendorf in Sachsen-Anhalt war einst das Zuhause von Michael S. und seiner Partnerin Nancy S. Nach RTL-Informationen wohnte Nancys Zwillingsschwester Kathy S. gemeinsam mit dem Paar auf dem Hof. Die Beziehung ging in die Brüche – ein Streit um das Sorgerecht für Maria entfachte. Nancy S. habe das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame Tochter gewollt, so das Landgericht Halle.

Zwei Versuche, Ex-Freund von Nancy S. zu ermorden

Im Oktober 2021 sollen die Zwillingsschwestern zum ersten Mal versucht haben, Michael S. zu ermorden. Dabei hätten sie die Elektroanlage des Scheunentores so manipuliert, dass der ehemalige Lebensgefährte beim Öffnen des Tores einen tödlichen Stromschlag erleiden sollte, so der Tatvorwurf. Doch Michael S. habe die Stromkabel bemerkt und die Polizei verständigt.

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Die Polizei fahndet nach der 42-jährigen Kathy S.

Im Mai 2022 soll sich der nächste Mordversuch zugetragen haben. Als Michael S. die gemeinsame Tochter vom Kindergarten abholte, sollen die Zwillingsschwestern ihn mit dem Auto verfolgt haben. An einem Autobahnzubringer hielt Michael S. an, da Maria zur Toilette musste. Diesen Stopp hätten die Zwillingsschwestern zum Anlass genommen, Michael S. unvermittelt anzugreifen. Mit einem spitzen Gegenstand soll die Angeklagte auf das Opfer eingestochen und versucht haben, ihm das Kind zu entreißen. Er habe seine Tochter festgehalten und um Hilfe geschrien, bis Passanten aufmerksam wurden. Nancy S. wurde noch vor Ort festgenommen, ihre Zwillingsschwester Kathy S. floh laut Staatsanwaltschaft Halle mit dem Auto.

Zwillingsschwester Kathy S. ist auf der Flucht

Nancy S. schwieg im Prozess zu den Vorwürfen, räumte jedoch über ihre Anwälte die Messerstiche ein. Ihr Ex-Freund sei ein gewaltbereiter Mensch, habe sie an besagtem Tag angeschrien und sich zum Handschuhfach seines Autos gebeugt. Sie habe gedacht, er ziehe eine Waffe – und dann aus Selbstschutz mit einem Messer zugestochen, erklärten die Anwälte. Ihrer Zwillingsschwester Kathy S. soll sie "Fahr weg!" zugerufen haben. Seither ist Kathy S. auf der Flucht. Nach ihr wird öffentlich gefahndet.

Prozess in Halle: Nancy S. bittet Ex-Freund um Entschuldigung

Nebenklage-Anwältin Katrin Stärk, die Michael S. im Prozess vertrat, sagte am Mittwoch zu RTL: "Dass der Vater Kontakt zu seiner Tochter hat, kam für die Angeklagte nicht in Betracht." Sie habe deshalb unhaltbare Behauptungen über Michael S. gegenüber seinem Arbeitgeber und Behörden verbreitet: Er sei pädophil, habe sein Kind nie gefüttert, sei nicht einmal der Vater, das Kind würde mit Munition spielen.

Nancy S. bat ihren Ex-Freund vor der Urteilsverkündung um Entschuldigung: "Ich habe gerade viel Zeit, über meine Fehler nachzudenken. Es war nicht richtig, Maria so mitnehmen zu wollen." (bst)