Sie wurde wegen Mordes verurteilt, weil ihr Baby starb

Fast zehn Jahre Haft wegen Fehlgeburt: Sara Rogel (30) endlich aus dem Gefängnis entlassen

Sara Rogel wurde am Montag aus dem Gefängnis entlassen.
Sara Rogel wurde am Montag aus dem Gefängnis entlassen.
© REUTERS, JOSE CABEZAS, JAC/dn

11. Juni 2021 - 9:32 Uhr

Wegen Unfall: Sara Rogel wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt

Fast zehn Jahre ist das traumatischste Erlebnis im Leben von Sara Rogel her: Die damals 20-Jährige war beim Wäschewaschen gestürzt und ohnmächtig geworden. Bei dem Unfall verlor sie ihr ungeborenes Kind - doch im Krankenhaus wurde ihr nicht geholfen. Rogel wurde festgenommen und wegen Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Nun konnte sie das Gefängnis endlich verlassen.

Sara Rogel saß fast zehn Jahre im Gefängnis

Am 31. Mai hatte das zuständige Strafgericht in Cojutepeque entschieden, dass Rogel freigelassen werden soll. Sie stelle "keine Gefahr für die Gesellschaft dar", so die Richter. Am Montag durfte sie das Gefängnis dann tatsächlich auf Bewährung verlassen.

Bei ihrer Freilassung wurde Rogel von ihrer Familie und ihrer Anwältin Karla Vaquerano in Empfang genommen. "Durch eine ungerechte Strafe wurde sie ihrer Freiheit beraubt", erklärte Vaquerano bei der Entlassung.

El Salvador: Abtreibungen sind streng verboten

Proteste in El Salvador
In El Salvador hatten zahlreiche Frauen für die Freilassung Rogels protestiert.
© REUTERS, JOSE CABEZAS, JAC/PKP

Die Abtreibungsgesetze in El Salvador zählen zu den härtesten auf der ganzen Welt. Vor der 20. Schwangerschaftswoche drohen Frauen zwei bis acht Jahre Gefängnis, nach der 20. Woche wird ein Schwangerschaftsabbruch als Mord eingestuft, die Mindeststrafe beträgt in diesem Fall 30 Jahre hinter Gittern. Auch Frauen, die Fehlgeburten erleiden, landen immer wieder vor Gericht, weil sie nicht beweisen können, dass sie den Tod ihres ungeborenen Babys nicht absichtlich herbeigeführt haben.

Selbst im Falle einer Vergewaltigung oder bei gesundheitlichen Risiken ist eine Abtreibung in dem mittelamerikanischen Land streng verboten. 16 Frauen sitzen in El Salvador deshalb aktuell im Gefängnis – das gleiche Schicksal, das auch Sara Rogel erleiden musste.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Sara Rogel will gegen Gesetze in El Salvador kämpfen

"Es war ein Unfall, der mein Leben komplett verändert hat", sagte sie nach ihrer Freilassung. "Ich habe mein Baby geliebt und bin nur wegen eines Unfalls ins Gefängnis gekommen. Ich hatte alles, was eine Mutter sich nur wünschen kann."

"Es war sehr schwer für mich. Sie haben mir meine Träume geraubt", so die angehende Krankenschwester weiter. "Ich wusste nicht, wo meine Tochter war, ich konnte mein Studium nicht beenden, ich war zum ersten Mal in meinem Leben von meinen Eltern getrennt."

In Zukunft will Rogel gemeinsam mit vielen anderen Frauen gegen die konservativen Gesetze in El Salvador kämpfen. "Ich verlange, dass meine Freundinnen, die ebenfalls ins Gefängnis gesteckt wurden, auch Gerechtigkeit erfahren", forderte sie.

El Salvador: Urteile sorgen weltweit für Aufsehen

Rogels Fall ist nicht das erste Urteil in El Salvador, das weltweit für Aufsehen sorgt: 2018 war die 19-jährige Evelyn Hernández zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Sie war zuvor vergewaltigt worden und hatte im achten Monat eine Fehlgeburt erlitten. Im August 2019 wurde sie dann jedoch vom Vorwurf des Mordes freigesprochen.

2020 war auch Cindy Erazo nach sechs Jahren Gefängnis entlassen worden. Auch sie war zuvor zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sie im achten Monat eine Totgeburt erlitten hatte.

Auch der Fall von Imelda Cortez sorgte weit über die Grenzen von El Salvador für Schlagzeilen. Die 20-Jährige war von ihrem Stiefvater vergewaltigt und bedroht worden. Obwohl sie ein gesundes Baby zur Welt brachte, wurde sie wegen versuchten Mordes angezeigt. Die Ärzte vermuteten, dass sie versucht hatte, ihr Baby abzutreiben. Cortez verbrachte 18 Monate in Untersuchungshaft, während ihr Vergewaltiger frei herumlief.

Auch interessant