8. Januar 2019 - 23:38 Uhr

Johannes S. (20) ist wieder auf freiem Fuß

Der Hackerangriff auf deutsche Politiker und Prominente ist aufgeklärt. Der 20 Jahre alte Johannes S. aus dem hessischen Homberg an der Ohm hat die Tat nach seiner Festnahme gestanden. Der Schüler gab zu, rund 1.000 Politiker und Prominente ausgespäht und deren teils höchst vertrauliche Informationen ins Internet gestellt zu haben. Dutzende Ermittler waren dem jungen Hacker auf der Spur. Der Fall wird politische Konsequenzen haben. 

Johannes S. wohnt noch bei seinen Eltern

Johannes S. habe in der Vernehmung Ärger über Äußerungen seiner Opfer als Motiv für seine Taten genannt, erklärte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk in einer Pressekonferenz. Er habe alles gestanden und zusätzliche "Aufklärungshilfe" geleistet. "Er gab an, dass er alleine agiert hat", sagte der Oberstaatsanwalt.

Viel ist über den Hacker noch nicht bekannt. "Das, was ich bestätigen kann, ist, dass es ein junger Mann ist, der noch im elterlichen Haus wohnt und im Schulverhältnis steht", erklärte Ungefuk. Er habe keinerlei Ausbildung gemacht, sondern sich "durch viel Computer-Affinität bestimmte Fähigkeiten selbst angeeignet".

Der junge Mann fiel den Behörden bereits vor zwei Jahren auf, als er wegen des Ausspähens von Daten und wegen Vorbereitungen dazu bekannt wurde, sagte Holger Münch, Chef des Bundeskriminalamts. Vorbestraft sei er aber nicht. Nach vorläufiger Einschätzung der Ermittler hatte der 20-Jährige "kein dominantes politisches Motiv" für seinen Angriff.

Tatverdächtiger versuchte, Beweise zu beseitigen

Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk
Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk erklärte, dass der Tatverdächtige noch bei seinen Eltern wohnt.
© imago/Jan Huebner, Jan Huebner/Ulrich, imago stock&people

Offenbar brachten Zeugenhinweise und Spuren, die der Hacker im Netz hinterlassen hatte, die Ermittler auf die Fährte des Mannes. Am Abend des 6. Januars durchsuchte die Polizei die Wohnung des Tatverdächtigen und nahm ihn vorübergehend fest. Inzwischen ist der junge Mann aber wieder frei - es gibt nicht genug Haftgründe.

"Es gibt eine klare Reue-Reaktion", erklärte Ungefuk. Die Ermittlungen hätten großen Eindruck auf den jungen Mann gemacht. Bei ihm habe "das große Nachdenken" eingesetzt. Inzwischen sei ihm die Tragweite seines Handelns bewusst.

Bei der Wohnungsdurchsuchung wurde auch der Computer beschlagnahmt, mit dem der Hackerangriff durchgeführt wurde. Der 20-Jährige hatte versucht ihn zu "zerstören oder beiseite zu schaffen", erklärte der Staatsanwalt. Trotzdem gelang es den Ermittlern ein Backup sicherzustellen.Damit will die Polizei nun überprüfen, ob die Aussagen des 20-Jährigen auch stimmen und ob es wirklich keine weiteren Täter gibt.

Politikerdaten bei Twitter veröffentlicht

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Dieses Bild zeigt den 20-jährigen Tatverdächtigen im Jahr 2013.
© Ev. Kirchengemeinde

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann das Ausspähen von Daten und Datenhehlerei vor. Sollte er deswegen verurteilt werden, drohen ihm nach Erwachsenenstrafrecht im schlimmsten Fall bis zu drei Jahren Haft und eine saftige Geldstrafe. Weil der Tatverdächtige noch so jung ist, kann es allerdings auch sein, dass er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. In dem Fall könnte er auch zu erzieherischen Maßnahmen verurteilt werden.

Bei dem Hackerangriff wurden die Daten von rund 1.000 deutschen Politikern und anderen Prominenten abgegriffen und bei Twitter veröffentlicht – darunter auch sensible persönliche Daten, wie Chatverläufe, Privatfotos, Kreditkarteninformationen oder Handynummern.