Dickpic-Affäre bei Brandenburger Grünen

Nachwuchspolitiker soll Nacktfoto an Minderjährigen verschickt haben

Grüne Brandenburg
Kurz vor der Wahl ist die Affäre um das angeblich verschickte Nacktfoto an einen Minderjährigen mehr als ungünstig für die Grünen (Symbolbild).
deutsche presse agentur

Danilo Z. soll 16-Jährigem ungefragt Penis-Foto geschickt haben

Diese politische Karriere könnte wohl enden, noch bevor sie richtig begonnen hat: Der langjährig bei den Brandenburger Grünen aktive Danilo Z. sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Der Lehramtsstudent aus Eberswalde soll, so der von einem jungen Twitter-Nutzer verbreitete Vorwurf, einem Minderjährigen ungefragt ein Nacktfoto geschickt haben, auf dem sein Geschlechtsteil zu sehen sei.

Für derartige von Männern versandte Fotos hat sich der - dem Englischen entnommene - Begriff Dickpic etabliert. Da der von der offenbar unerwünschten Zusendung Betroffene noch nicht einmal das Erwachsenenalter erreicht hat, stößt der Fall in den sozialen Netzwerken auf ein umso größeres Echo.

Baerbock: "Wir verurteilen die Handlungen aufs Schärfste"

Obwohl eine Manipulation in diesem Fall nicht ausgeschlossen ist, ging der Grünen-Landesverband Brandenburg, Heimatverband der Bundesparteivorsitzenden und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, auf größtmögliche Distanz: "Wir verurteilen die Handlungen aufs Schärfste. Das unaufgeforderte Versenden von Nacktbildern ist eine Straftat", erklärten die Brandenburger Grünen auf Twitter.

Gegen den Mann seien Parteiordnungsmaßnahmen eingeleitet worden. "Bis zur Aufklärung des Sachverhalts werden wir das Ruhen der Mitgliedschaft beantragen", hieß es weiter. Die Brandenburger Polizei teilte ebenfalls via Twitter mit, dass eine entsprechende Anzeige aufgenommen und an die Kriminalpolizei weitergeleitet worden sei. Weder Partei noch Polizei nannten den Namen des Beschuldigten, bezogen sich aber auf Tweets, die Z. erkennbar machen.

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"Bitte keinem zeigen"

Mutmaßlicher Verfasser der Anzeige ist ein Twitter-Nutzer, der nach eigenen Angaben das Nacktfoto über den Chat-Dienst von Twitter erhalten hat. Der noch minderjährige User, dessen anonymisierter Account derzeit durch Twitter gesperrt ist, hatte die Unterhaltung samt verfremdeten Fotos - weder Gesicht noch Geschlechtsteil des Absenders sind zu erkennen - veröffentlicht. Der ihm zuvor offenbar nicht bekannte Z. hatte das Bild dem Verlauf zufolge ungefragt und völlig überraschend zugeschickt. Z. lebt offen schwul und war offenbar auf der Suche nach Kontakt.

Auf den Hinweis "Ich bin 16", antwortet Z. dem Screenshots zufolge: "Bye I guess" ("Tschüss, vermute ich") und ergänzt "Bitte keinem zeigen". Genau das aber hat der Jugendliche getan, den Chat auf Twitter veröffentlicht, eine Zuordnung zu einem von Z.s Twitter-Accounts ermöglicht und nach eigener Angabe auch Anzeige bei der Polizei erstattet. Z. war bei der Landtagswahl 2019 als Direktkandidat für Bernau und Panketal angetreten - ein Wahlkreis im Norden von Berlin, den er aber nicht gewinnen konnte.

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Es gilt die Unschuldsvermutung - Manipulation kann nicht ausgeschlossen werden

Z. hat inzwischen seine Twitter-Accounts gelöscht und war bislang nicht für ntv.de zu erreichen. Sein bisheriger Landesverband hält die Echtheit der Vorwürfe aber offenbar für begründet. Zudem kursiert ein angeblicher Tweet von Z. mit Datum 6. August, in dem er fragt, ob ihm jemand eine Anwältin für Sexualstraftrecht empfehlen könne. Da sämtliche Vorwürfe auf Tweets und Screenshots von Tweets beruhen, ist auch eine Manipulation nicht ausgeschlossen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zahlreiche Nutzer, insbesondere Anhänger anderer Parteien, kommentierten den Vorgang zahlreich auf Twitter, Facebook und Instagram. Für die Grünen, für die Z. zuletzt keine Funktion ausübte, ist der Vorgang mitten im Wahlkampf zumindest belastend. Zumal die Partei neben dem Kanzleramt auch um das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin kämpft, wo gleichzeitig zur Bundestagswahl gewählt wird. "Unaufgefordert Nackt-Bilder zu verschicken ist völlig zu recht strafbar und generell, aber insbesondere gegenüber Minderjährigen ein absolutes No-Go", erklärte der Berliner Landesverband. Dass Z., wie in seinem Twitter-Account behauptet, mit den Berliner Grünen zu tun hat, kann die Partei aber nach eigenen Angaben nicht bestätigen. (ntv.de/shu/akr)