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Goch: 54 Menschen bei Razzia in Sekte befreit - was wir über den Orden wissen

"Orden der Transformanten"

54 Menschen befreit - Was wir über die Sekte aus Goch wissen

News Bilder des Tages Auf dem Areal eines ehemaligen Klosters  KLOSTER-GRAEFENTHAL  am Niederrhein in Goch,Stadt in Nordrhein-Westfalen  NRW  befreite die Polizei eine 25-Jährige aus einer mutmaßlichen Sekte,sie wurde angeblich gegen ihren Willen fes
Die Sekte soll eine Event-Location auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters betrieben haben.
www.imago-images.de, imago images/Udo Gottschalk, PRESSEFOTOGRAFIE UDO GOTTSCHALK via www.imago-images.de

Was spielte sich hinter den Mauern des alten Klosters in Goch ab?

Was mag sich wohl über Jahre auf dem Gelände des alten Klosters in Goch zugetragen haben? Bei einer Razzia nahm die Polizei den mutmaßlichen Sektenführer fest.Die Polizei griff ein, weil eine junge Frau auf dem Gelände gegen ihren Willen festgehalten worden sein soll. Sabine Riede von der Beratungsstelle „Sekten-Info NRW“ ist die Gruppe bereits seit längerem bekannt – im Gespräch mit RTL offenbart sie die Strukturen, die hinter dem „Orden der Transformanten“ stecken.

Prophet, Himmel und Hölle, Bestrafungen - daran glaubte die Sekte

Die Gruppierung könne man durchaus als sektenähnlich bezeichnen, so Riede. Im Zentrum der Gruppierung habe ein 58-Jähriger gestanden. Er habe einen Mix aus verschiedenen Religionen gepredigt, vor allem die Bibel habe eine große Rolle gespielt. Seine Prophezeihungen habe er auch in einem Buch niedergeschrieben – das sei aber nur für die Sektenmitglieder zugänglich gewesen. Zentral im Glauben der Sekte sei vor allem auch die Angst vor der Hölle gewesen. „Er gab vor, seine Anweisungen seien die ‚Wahrheit fürs Leben‘ – wenn man sich daran nicht hielte, komme man in die Hölle“, so die Sekten-Expertin. Darum habe unter den Mitgliedern auch große Angst geherrscht – einerseits vor der Hölle, also dem „Strafgericht Gottes“, andererseits aber auch vor dem Propheten selbst.

Verdächtiger sitzt nun in Haft - Verdacht des Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung

Ein 58-jährige Niederländer konnte bei der Razzia festgenommen werden und sitzt mittlerweile in U-Haft. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen – denn schon vor knapp 13 Jahren soll er in den Niederlanden ein Kind schwer sexuell missbraucht haben. Er stehe außerdem im Verdacht, 2019 zwei Frauen in Goch vergewaltigt zu haben, hieß es von der Polizei.

Auch innerhalb des „Orden der Transformanten“ soll der Mann sexuelle Beziehungen zu mehreren weiblichen Mitgliedern der Sekte gepflegt haben. Diese sollten im Glaubensgefüge der Sekte der „spirituellen Weiterentwicklung“ dienen, erklärt Sekten-Expertin Riede.

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Wie wurde die Polizei auf die Gruppierung aufmerksam?

Zwar schottete sich die Sekte von der Außenwelt ab – doch gleichzeitig betrieb sie offenbar eine Event-Location und sogar ein Café mit dem Namen „Kloster Graefental“ in Goch. Was erst paradox scheint, ist laut Sabine Riede einfach zu erklären: Auch die Sekte muss Geld verdienen – schließlich mussten viele Menschen versorgt werden. Die Polizei fand bei ihrer Razzia 54 Menschen auf dem Gelände, darunter auch zehn Kinder – die meisten von ihnen niederländische Staatsbürger.

Schlussendlich führte der Betrieb des Event-Service aber auch zu der Razzia: Aufmerksam geworden auf die Sekte war die Polizei offenbar durch mehrere Berichte von besorgten Bürgern und Bürgerinnen von Goch, die gemeldet hatten, dass eine 25-Jährige verschwunden sei. Daraus entwickelte sich dann der Verdacht, dass die Frau gegen ihren Willen festgehalten werde.

 Auf dem Areal eines ehemaligen Klosters  KLOSTER-GRAEFENTHAL  am Niederrhein in Goch,Stadt in Nordrhein-Westfalen  NRW  befreite die Polizei eine 25-Jährige aus einer mutmaßlichen Sekte,sie wurde angeblich gegen ihren Willen festgehalten,fotografier
Die Gruppe soll eine Veranstaltungs-Location und auch ein Café in Goch betrieben haben.
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Warum wenden sich Menschen solchen Strukturen zu?

Inwieweit die Frau wirklich gefangen gehalten wurde, müsse sich noch zeigen, so Riede. Denn typischerweise bestehe in einer solchen Gruppierung große Bereitschaft der Mitglieder, sich auch nur an mündliche Verbote des Führers zu halten. Es bestehe bei den Mitgliedern oft eine sehr große psychische Abhängigkeit zur Sekte. Viele hätten schon mit Problemen zu kämpfen, wenn sie auf die Sekte träfen, so Riede. „In der ersten Zeit finden sie eine Struktur vor und Gleichgesinnte, haben das Gefühl, nicht mehr so alleine dazustehen. Das ist dann ein Ankerpunkt für viele“. Später würde sich das dann in eine Abhängigkeit wandeln – und in große Angst.

Wie geht es jetzt für die Mitglieder der Gruppe weiter?

Diese Angst sei selbst bei der „Befreiung“ der Menschen durch die Polizei noch zu spüren gewesen. Nach dem Einsatz seien die Mitglieder sehr ängstlich und aufgewühlt gewesen, so die Expertin Viele fürchteten auch Racheaktionen des Propheten.

Sabine Riede selbst war zur Beratung nach dem Einsatz auf dem Polizeipräsidium. „Man muss schauen, wie man die Menschen auffängt, wenn der Prophet jetzt in Haft ist“, so die Expertin. Ihr Verein versucht jetzt, die Menschen aus der Sekte weiter zu unterstützen und ihnen hoffentlich wieder in ein normales Leben zu verhelfen.