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GNTM 2021: Die Handetasche muss lebendig sein - und nicht am Haken hängen

Heidi Klum sucht auch 2021 wieder Germany's next Topmodel.
Heidi Klum sucht auch 2021 wieder Germany's next Topmodel.
© imago images/Future Image, Jens Krick via www.imago-images.de, www.imago-images.de

10. Mai 2021 - 8:01 Uhr

von Claudia Spitzkowski

Bevor wir starten, ein kurzer Unterhosen-Check: schwarz oder hautfarben? Die falsche Farbwahl könnte im weiteren Verlauf dieser Kolumne Sympathiepunkte kosten. Wer noch an der Selbsthilfegruppe "Hilfe, mein Designerkleid ist intellektueller als ich" teilnehmen möchte, kann sich in die Liste eintragen. Aber schnell, die "Enterprise" hebt gleich ab. Mission: Goodbye, Damenbart! Beam me up, Scotty!

Wenn die ultimative „Star Trek“-Regel auch bei GNTM gilt

Es gibt eine goldene Regel in den "Star Trek"-Serien: Du hattest in einer Episode zuvor null Screentime, darfst aber plötzlich gemeinsam mit Captain Kirk und Co. auf einem fremden Planeten gegen irgendwelche Aliens antreten und trägst dabei eine rote Uniform? Du bist TOT! Niemand, der in seiner allerersten Szene eine rote Uniform anhatte, hat fremde Planeten im "Star Trek"-Universum JE lebend verlassen. Warum ich das erzähle? Weil sich der Trekkie-Survival-Code locker auf GNTM übertragen lässt. Du bist bislang als eines von Heidis Meeedchen irgendwie mehr oder weniger nur mitgelaufen und sobald du auf dem Bildschirm auftauchst, löst du beim GNTM-Gucker regelmäßig eine "Ach, richtig, die gab es ja auch noch!"-Reaktion aus? Aber plötzlich bekommst du 80 Prozent Redeanteil und mehr Screentime als in allen Folgen zuvor? Du bist RAUS! Und weil es die Farbe Rot in meinem Kleiderschrank aus guten Gründen nicht gibt und ich ein Trekkie im Herzen bin, hätte ich mir die 14. GNTM-Folge ab der Hälfte locker klemmen können. Denn da wusste ich schon, für welches Meeedchen Heidi heute kein Foto hat: Luca, die es auch noch gab.

Die Würde des Menschen IST antastbar! Zumindest bei GNTM

Da es aber in dieser Folge um Jobs ging und es mein Job ist, jede Woche diese Kolumne zu schreiben (okay, ich mach das ja auch gerne) bin ich aber dabei geblieben und habe Heidis Meeedchen kreuz und quer durch Berlin zu Castings begleitet. Kann ja sein, dass man auch als Kolumnistin noch was dazu lernt.

In der Tat! Zum Beispiel, dass ich vielleicht doch lieber keinen Job haben möchte, in dem mich eine überenthusiasmierte Fotografin mit Sätzen wir "Du hast die coolsten Augenbrauen-Wachsstreifen und du findest das suuuper!" zu einer besseren Performance antreiben will, während ich in Retro-Stützwäsche und Lockenwicklern im Haar so tue, als hätte ich den Spaß meines Lebens dabei, mir überflüssige Körperbehaarung aus dem Gesicht zu reißen. Die Würde des Menschen IST antastbar. Zumindest bei GNTM.

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Wir dürfen bei GNTM bei der „weltweite Einführung einer neuen Marke“ dabei sein

Außerdem hätte mir auch mal einer sagen können, dass ich meine allerersten Gehversuche als Kolumnistin vor vielen Jahren einfach als "weltweite Einführung einer neuen Marke" hätte anpreisen sollen. Klingt doch gleich viel einnehmender als "Soooorry, wir versuchen hier gerade was Neues und wissen auch ganz ehrlich noch nicht, ob es funktioniert".

Beim Casting für die "Weltpremiere dieser Marke" auf der Berlin Fashion Week überzeugt Romina und darf später ganz stolz kuschelige Hoodies und Sweatpants auf dem Catwalk präsentieren. Äh, warte mal … Hoodies und Sweatpants? Hatten die nicht vor einem Jahr schon Weltpremiere. In jedem Homeoffice. Weltweit?

Die Handetasche muss lebendig sein!

Aber vermutlich verstehe ich auch einfach nichts von Prêt-à-porter-Jogginghosen. Da fehlt mir wohl der modische Intellekt. Wie gut, dass es da Fachfrauen gibt. Wie die Macherinnen des Magazin "Nylon".

Simple Rechenaufgabe: Drei Meeedchen kommen zum Casting und es hängen drei Looks für sie an der Stange. Am Ende sind alle angezogen, aber es hängt da noch eine Handtasche, ein undefinierbares Ding, das ein Rock sein könnte und ein undefinierbares Stückchen Stoff, das man mit viel gutem Willen als Bodysuit durchgehen lassen könnte. Die dazu passende Rechenaufgabe lautet: Wie oft hat Heidi Klum schon Tokio Hotel-Songs in dieser GNTM-Staffel laufen lassen? Nein, Quatsch, falsche Rechenaufgabe! Diese hier: Welches der Meeedchen trägt nur ein Drittel seines Outfits und wo ist Bruce "Die Handetasche muss lebendig sein!" Darnell, wenn man ihn mal wirklich dringend braucht?

Die erste Regel des Model-Fight Clubs lautet?

Ja, okay, Liliana hat die Handtasche zu ihrem Outfit einfach hängen lassen. Aber sie ist immerhin weder zur falschen Tür raus, noch hat sie sich beim Walk verlaufen. Und Ashley war offenbar trotz Jura-Studiums intellektuell nicht in der Lage, die Komplexität ihres dreieiligen Outfit-Endgegners im Koi-Karpfen-Look voll umfänglich zu erfassen. It's called fashion, Darling, look it up!

Ashley soll sich jetzt "aus Respekt vor dem Designer" das Outfit dann doch nochmal richtig anziehen, so die Redakteurinnen. Aber in Sachen modischer Entgleisungen kommt es noch viel schlimmer! Yasmin trägt tatsächlich einen schwarzen Slip statt einem hautfarbenden – obwohl die erste Regel des Model-Fight Clubs doch lautet: Trage IMMER hautfarbende Unterwäsche zum Casting!

Wir unterbrechen diese unschönen Szene mit einer kleinen Schätzaufgabe: Wie viele Sympathiepunkte können zwei Berliner Redakteurinnen in nur knapp 15 Minuten Sendezeit verlieren, wenn sie über wirklich jeden vermeintlichen Fehler von drei GNTM-Kandidatinnen herziehen? Na?

Ich möchte lösen! Bei einer Menge X von GNTM-Fans sind das SEHR viele Sympathiepunkte.

Wenn dein Outfit einen höheren IQ hat als du

Mein Fazit aus GNTM-Folge 14: Sollte ich mich beim nächsten Klamottekauf von einem Kleidungsstück intellektuell in meine Schranken gewiesen fühlen, dann muss es wohl High Fashion sein. Oder von einem Berliner Jung-Designer. Ein Hoch auf Hoodies und Sweatpants! Aber Vorsicht vor der Farbe Rot!

So, jetzt muss ich weg. Ich muss vor der Landung der Enterprise noch schnell checken, ob ich genug Wachsstreifen für den Damenbart eingesteckt hat. Und immer dran denken: De Handetasche muss lebendig sein!