Tier soll bis zu 140 Schafe gerissen haben

Gloria soll leben! Wölfin darf nicht erschossen werden - Schäfer verliert vor Gericht

Ein Wolf schaut hinter einem Baum in einem Wildpark hervor. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild
Ein Wolf schaut hinter einem Baum in einem Wildpark hervor. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild
© deutsche presse agentur

06. Mai 2021 - 14:08 Uhr

Hungrige Wölfin sorgt für Ärger

Gloria darf leben! Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hat am Donnerstag im Sinne des Artenschutzes entschieden: Wölfin "Gloria" darf nicht erschossen werden. Die Klage von Schäfer Kurt Opriel wurde abgelehnt. Wölfin "Gloria" soll bis zu 140 Weidetiere am Niederrhein gerissen haben. Doch da sie unter Artenschutz steht, konnten sich die Schäfer bislang nicht gegen die hungrige Wölfin wehren.

Eilverfahren im Januar entschied für den Wolf

Im Behördendeutsch geht es um Wolfstier "GW965f", im Volksmund um Wölfin "Gloria". Je nachdem, wer zählt, soll "Gloria" bereits zwischen 92 und 140 Weidetiere am Niederrhein gerissen haben: "Shetland-Ponys, Schafe, Ziegen und Dammwild im Gehege", listet Rechtsanwalt Stefan Steinkühler auf. Allein Schäfer Kurt Opriel beklagt 26 getötete Tiere. Elf Mal sei seine Herde in der Region Schermbeck von Wölfin "Gloria" heimgesucht worden.

Nun hat Opriel den Abschuss des Raubtieres beantragt. An diesem Donnerstag findet am Düsseldorfer Verwaltungsgericht die Hauptverhandlung statt. Der Schäfer will den Kreis Wesel verpflichten, eine Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erteilen, damit die Wölfin getötet werden darf (Az.: 28 L 2558/20). Im Eilverfahren war er im Januar allerdings bereits gescheitert, entsprechend dürften seine Chancen nicht besonders gut stehen.

Schäfer will für das Wohl seiner Schafe kämpfen

"Gloria" habe mehrmals Stromzäune von 1,20 Meter überwunden und sei damit eigentlich verhaltensauffällig, sagt Opriels Anwalt. Doch die Kriterien, kritisiert er, würden ständig nach hinten verschoben. Erst hieß es, ein Problemwolf sei einer, der einen 1,20 Meter hohen Elektrozaun überwunden habe. Dann heiße es, er müsse das zwei Mal tun, dann müsse er es zwei Mal binnen vier Wochen tun.

Auch was den "zumutbaren Herdenschutz" angehe, strebe sein Mandant vor allem an, Klarheit zu schaffen. Er solle seine Tiere jede Nacht in einen Stall sperren, hätten die Behörden ihm empfohlen. Doch dies habe erhebliche wirtschaftliche Folgen: "Dann kann er die weiter entfernt liegenden Weiden nicht mehr bewirtschaften, weil er die Tiere nicht für nur einen Tag dort hin und zurück schaffen kann", sagt Steinkühler.

"Außerdem ist das Einstallen der Schafe besonders im Sommer nicht artgerecht." Das Fell der Tiere werde dadurch viel stärker von Parasiten befallen. Die Weidetierhalter fühlten sich hilflos, würden vor immer neue Hürden gestellt, so der Anwalt. Bei nur 90 Zentimeter hohen Schutzzäunen brauche man zusätzlich Herdenschutzhunde, heiße es. "Mein Mandant hat aber 1,20 hohe Zäune", sagt Steinkühler. Inzwischen besteht der Verdacht, dass ein Wolf in der Region sogar einen 1,70 Meter hohen Zaun überwunden hat.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Wölfe stehen unter Artenschutz

Der Wolf gehört zu den streng geschützten Tierarten. Grundsätzlich ist seine Tötung verboten. Das nationale und europäische Artenschutzrecht lässt eine Tötung nur in Ausnahmefällen zu. Vom Gericht ist nun zu klären, ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt.

Weidetierhalter und Bauern am Niederrhein haben sich im Gahlener Bürgerforum zusammengeschlossen und fordern den Abschuss. Sie befürchten, dass der Wolf seine Attacken auf Weidetiere auch an Wolfsnachwuchs weitergeben könnte.

Dem Landesumweltamt werfen sie vor, die tatsächliche Situation zu beschönigen. Umweltschutzorganisationen wie der BUND kritisieren Abschussforderungen dagegen als "blanken Populismus".

dpa/lra

Auch interessant