Tipps und Erste-Hilfe-Maßnahmen vom Tierarzt

Blaualgen im See: Wie giftig sind sie für meinen Hund?

Wenn Hunde in verdächtigen Gewässern schwimmen, sollten die Besitzer alarmiert sein.
© dpa, Sebastian Gollnow, scg

12. August 2020 - 16:08 Uhr

Expertentipps von Tierärztin Dr. Julia Tünsmeyer 

Bei der großen Hitze müssen Badesee- und Strandbesucher auf der Hut sein: Durch die vorherrschende Sommerhitze können Bakterien wie Blaualgen entstehen, die in Badegewässern eine echte Gesundheitsgefahr darstellen. Sie verbreiten sich im Sommer rapide und können beim Verschlucken lebensgefährliche Reaktionen bei Mensch und Tier hervorrufen. Wie Sie ihr Haustier davor schützen können und was sie im Notfall tun müssen, verrät uns Dr. med. vet. Julia Tünsmeyer aus der Kleintierklinik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Was macht die Blaualge so gefährlich für Mensch und Tiere?

"Die umgangssprachlich als Blaualgen bezeichneten Cyanobakterien können verschiedene Toxine produzieren, die nach Aufnahme für Mensch und Tier lebensgefährlich sind", erklärt Tünsmeyer. Weil Haustiere wie Hunde gerne ins Wasser springen und oft aus stehenden Gewässern trinken, sind besonders sie gefährdet. Hunde, die gerne schwimmen und im Wasser auch apportieren nehmen dabei auch viel Wasser auf.

Die Expertin warnt: "Bei hoher Toxinbelastung kann sogar schon das nach dem Baden aus dem Fell geleckte Wasser ausreichen, um eine lebensbedrohliche Vergiftung zu verursachen."

Da es meist unsere Hunde sind, die bei Bade-Ausflügen dabei sind, ist die Gefahr bei ihnen besonders groß. "Katzen sind nicht so gefährdet, weil sie grundsätzlich nicht so gerne baden gehen und auch beim Trinken aus stehenden Gewässern in der Regel viel wählerischer sind, was die Wasserqualität angeht", weiß die Ärztin.

Wie schützt man das Tier vor den Algen?

Wie kann man sich vor den weitverbreiteten Algen im Sommer schützen? "Nicht alle Algenformen produzieren die giftigen Toxine, man kann es mit dem bloßen Auge aber nicht erkennen, ob und wie stark die Toxinbelastung ist", verrät die Tierärztin.

Als Hundebesitzer sollte man immer sehr vorsichtig sein und das Tier nicht aus verdächtigen, nicht-kontrollierten Gewässern trinken lassen. Ist ein Tier erst einmal vergiftet, kann es schnell zum Tod führen.

Video: Reportertest - Wie schütze ich Hunde vor Hitze

Wie Sie ihren Hund bei der großen Hitze schützen, hat unsere Kollegin mit ihrem Haustier getestet.

Die ersten Symptome bei einer Vergiftung durch Algen

  • Apathie
  • Schwäche
  • Desorientiertheit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Zittern
  • Krampfgeschehen
  • massives Speicheln/Tränenfluß
  • fortschreitende Lähmungserscheinungen
  • Atmungsprobleme
  • veränderte Schleimhautfarbe (blass/bläulich/gelblich)
  • bis hin zu Kreislaufzusammenbruch
  • Koma, Atemstillstand und Tod

Was passiert bei einer Vergiftung durch die Alge?

"Je nach enthaltenem Toxin kommt es primär zu einer Lebertoxizität ("Microcystin", "Nodularin") und zum Leberversagen oder durch das Nerventoxin "Anatoxin" zu einer Nervenlähmung. Letztere kann sehr schnell fortschreitend sein und das akut lebensbedrohliche daran ist, dass es durch die Nervenlähmung auch zu einer Lähmung der Atmung (Atemmuskulatur und des Zwerchfells) und damit zum Tod kommen kann", erklärt Tünsmeyer.

Solche Patienten müssen dann sehr schnell künstlich beatmet werden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn mein Hund im Blaualgen-Wasser war

  • Spülen Sie ihren Hund mit sauberen Wasser ab, um eventuelle Toxinreste zu entfernen
  • Rufen Sie einen Tierarzt an und sagen Sie, dass sie auf dem Weg sind
  • Sollte es schon während der Fahrt zur Lähmungserscheinungen und ausgeprägten Atemproblemen kommen, können Tierbesitzer Reanimationsmaßnahmen durchführen


Die Arbeitsgruppe für Anästhesie der Kleintierklinik, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat für Tierbesitzer hierfür einen kleinen Erste-Hilfe-Ratgeber zusammengestellt.

Algen sind auch für wilde Tiere giftig

Die Algensorte sind giftig für unsere Haustiere, aber wie sieht es mit wilden Tieren aus, die an solchen betroffenen Seen leben. Werden diese auch krank? "Es sind schon häufig Todesfälle bei Wasservögeln oder auch bei Weidetieren, die Zugang zu betroffenen Gewässern haben, beschrieben worden", weiß Dr. Tünsmeyer aus Erfahrung.

Faustregel bei fremden Gewässern

Blaualgen rechtzeitig erkennen und richtig handeln
Trübes Wasser ist ein Anzeichen für Blaualgen.
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Laut Umweltbundesamt überprüfen die Behörden ausgewiesene Badestellen alle 14 Tage. Gästen wird nahegelegt, sich vorab darüber zu informieren, ob das Badegewässer angemeldet ist und ob ein Badeverbot verordnet wurde. Wer sich bereits an Ort und Stelle aufhält, solle sich an folgende Faustregel halten: "Wer knietief im Wasser steht und die Füße wegen einer grün-blauen Trübung nicht mehr erkennen kann, sollte das Baden lieber sein lassen", heißt es auf der Seite des Umweltbundesamts.

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