Klatsche für die Belegschaft

Kein Corona-Bonus: Dabei schuften die Angestellten der Behindertenhilfe wie verrückt!

Kein Corona-Bonus für die Angestellten der Behindertenhilfe Klatsche für die Belegschaft
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Klatsche für die Belegschaft
Kein Corona-Bonus für die Angestellten der Behindertenhilfe

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Für die Mitarbeiter der Gießener Behindertenhilfe ist es eine riesige Enttäuschung: Schon zum zweiten Mal sollen sie bei der Zahlung des Corona-Bonus für die Kranken- und Altenpflege ausgelassen werden – und das, obwohl die Beschäftigten hier trotzdem extrem unter den Einflüssen der Pandemie geschuftet und auch gelitten haben. Obwohl hier alle an einem Strang ziehen und sich aufopfern, müssen sie auf die steuerfreien 370 bis 550 Euro verzichten. Wie sich das anfühlt, erzählen sie uns im Videobeitrag.

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Erzieherin: „Wir müssen genauso 24 Stunden in Bereitschaft sein.“

Erzieherin Jasmin Scheffer im RTL-Interview.
Jasmin Scheffer arbeitet seit elf Jahren in der Gießener Lebenshilfe. Dass sie keinen Corona-Bonus bekommt, enttäuscht sie.
rtl.de

Jasmin Scheffer arbeitet seit elf Jahren in der Gießener Lebenshilfe. Sie betreut Menschen mit Behinderung und hilft ihnen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Dass sie nun erneut nicht von Bonus profitieren darf, trifft sie enorm.

Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren war nicht leicht: „Mit Corona mussten wir immer Abstand einhalten, hatten kleinere Gruppen und brauchten mehr Personal und mehr Zeit, um Leute zu versorgen“, erzählt sie uns, „Mehr Spannung und mehr Aggressionen sind aufgekommen, weil wir nicht mehr so viel unternehmen konnten. Und uns ins Home Office zu schicken, ist auch nicht möglich.“ Darüber hinaus merkt Jasmin Scheffer an, dass auch sie – ähnlich wie Mitarbeitende in der Pflege – 24 Stunden auf Abruf in der Bereitschaft arbeiten muss. Dass sie dafür keinen Bonus erhält, kann sie nicht verstehen.

Vorstand ist fassungslos

Dirk Oßwald, Vorstand der Gießener Lebenshilfe, im RTL-Interview.
Dirk Oßwald leitet die Gießener Lebenshilfe. Er hätte sich den Bonus für seine Belegschaft gewünscht, sie hätte ihn mehr als verdient.
rtl.de

Auch Dirk Oßwald, der Vorstand der Gießener Lebenshilfe, ärgert sich über den ausbleibenden Bonus. Seine Belegschaft hätte die Anerkennung mehr als verdient: „Das finden wir extrem ungerecht. Es scheint ein Föderalismus-Problem zu geben. Für die Behindertenhilfe sind die Länder verantwortlich, da schiebt man die Verantwortung von links nach rechts und im Endeffekt die Hunderttausenden von Arbeitskräften, die in der Behindertenhilfe tätig sind.“

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Was sagt das Land Hessen zum ausbleibenden Bonus

Auf RTL-Nachfrage teilte das hessische Sozialministerium mit, dass das Land Hessen gemeinsam mit den anderen Ländern und dem Bund einheitliche Kriterien für die Auszahlung des Bonus erarbeitet hätte. Die Verantwortung für Einrichtungen wie die Gießener Lebenshilfe gibt das Land aber an den Bund ab. Im schriftlichen Statement heißt es: „Bisher hat der Bund die Beschäftigten der Eingliederungshilfe nicht in seinen Katalog aufgenommen.“

Alten- und Pflegeheim
Da sich der Bund um die Alten- und Krankenpflege kümmert, wird hier der Corona-Bonus ausgezahlt. Foto: Christoph Schmidt/dpa
deutsche presse agentur

Lebenshilfe will das nicht auf sich sitzen lassen

Der Vorsitzende der Gießener Lebenshilfe will das Versäumnis der Politik nicht auf sich sitzen lassen. Er möchte gemeinsam mit seiner Belegschaft dafür kämpfen, dass der Bonus künftig vielleicht nun doch noch ausgezahlt werden könnte. „Wir haben schon noch Hoffnung, dass die Landespolitik da Einsehen hat“, sagt Dirk Oßwald. Er hoffe, dass die Landtagsabgeordneten noch die Kurve kriegen. Seiner Meinung nach ginge es nicht nur um den konkreten Betrag, viel mehr um das Zeichen aus der Politik und der Anerkennung. Durch solche Signale würde der Beruf nicht attraktiv gemacht. (awo/kmü)