Pflanze aus der Gruppe der Nachtschattengewächse

Gesundheitslexikon: Tollkirsche

Echte Tollkirsche (Atropa bella-donna)
© picture alliance / botanikfoto, Steffen Hauser

29. Januar 2020 - 9:26 Uhr

Schöne, tödliche Beere: die Tollkirsche

Die Tollkirsche ist eine giftige Pflanze, die in weiten Teilen Mitteleuropas vorkommt. Bereits nach der Einnahme von ein paar Beeren besteht Lebensgefahr. Doch gerade aufgrund dieser giftigen Eigenschaften werden die Substanzen zu Medizin verarbeitet und in der Naturheilkunde etwa gegen Fieber und Kopfschmerzen angewendet. Auch in schulmedizinischen Bereichen kommt die gefährliche Beere zum Einsatz. Bei einer Vergiftung muss allerdings schnell gehandelt werden.

Was ist die Tollkirsche?

Die Tollkirsche, deren botanischer Name "Atropa belladonna" lautet, gehört zu den Nachtschattengewächsen. Sie wächst zu einer bis zu 1,50 Meter hohen Staude heran und prägt von Juni bis August violette Blüten aus. Ihre Blätter sind oval, ähnlich einem Ei geformt. Nach der Blütezeit reifen an der Pflanze schwarze, glänzende Beeren, die etwa kirschgroß sind, heran. Ihr Name führt zum einen auf eine der drei griechischen Schicksalsgöttinnen namens Atropos zurück, zum anderen auf das in den Beeren enthaltene Atropin. Dabei handelt es sich um eine chemische Kombination, die hochtoxisch ist. Sie findet im Rahmen der Medizin Anwendung.

Wo kommt die Tollkirsche vor?

Die Tollkirsche ist nicht nur in Mitteleuropa bis Nordengland und zur Ukraine anzutreffen, sondern kommt auch in mediterranen Gebieten, Nordafrika und Asien vor. In heimischen Gefilden kann sie an Waldrändern, Waldlichtungen oder an Kahlschlägen gefunden werden. Vorwiegend mag die Pflanze kalkhaltigen, humusreichen Boden und zieht ein mildes Klima vor. Im Halbschatten von Laub- und Mischwäldern fühlt sie sich besonders wohl. Da sie von Laien und Spaziergängern schnell mit Heidelbeeren verwechselt werden kann, besteht erhöhte Gefahr einer Vergiftung bereits über die Haut oder bei der Einnahme von nur wenigen Beeren.

Tollkirsche: Verwendung und Wirkung als Heilpflanze

Bereits vor mehr als 400 Jahren wusste man um die toxische und halluzinogene Wirkung der Pflanze. Aus kosmetischen Gründen träufelten sich Frauen zudem Tollkirschentropfen in die Augen, um die Pupillen zu erweitern. Heute werden die Bestandteile der Pflanze zu Medikamenten verarbeitet. Die Konzentration des Giftes ist dann aber weitaus geringer als jene, die in der natürlichen Beere vorkommt. Anwendung finden die Arzneimittel mit den Wirkstoffen der Tollkirsche vor allem bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Fieber. Weiterhin gibt es Präparate gegen Krämpfe, Bronchitis oder Keuchhusten, Magen- und Menstruationsbeschwerden sowie Nervenleiden. Von einer Eigentherapie ist dringend abzuraten.

Das müssen Sie beachten

Da die Früchte einladend aussehen und durch den strauchartigen Wuchs der Pflanze leicht zu erreichen sind, geraten vor allem Kinder in Versuchung, sie zu pflücken bzw. zu essen. Daher ist es wichtig, Kinder im Wald nicht ohne Aufsicht zu lassen und sie unbedingt über die Folgen des Verzehrs der Pflanzenfrüchte aufzuklären. Bei einer Vergiftung mit Tollkirschen äußern sich die ersten Anzeichen bereits nach 15 Minuten. Die Pupillen erweitern sich, es kommt zu beschleunigtem Puls und schneller Atmung, Hautrötung sowie Krämpfen. Der Betroffene sollte umgehend viel Wasser zu sich nehmen und sofort einem Arzt vorgestellt werden, denn es besteht Lebensgefahr!

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.