Gesundheitslexikon: Sympathikus (sympathisches Nervensystem)

29. November 2018 - 15:45 Uhr

Der Sympathikus – das System von Flucht und Kampf

Sie befinden sich mitten in der Hektik des Alltags, joggen eine Runde oder haben einen Streit mit dem Partner. In Situationen wie diesen arbeitet das sympathische Nervensystem auf Hochtouren. Der Sympathikus, auch Tagesnerv oder Tonisierungsnerv genannt, wird bei Leistung, Arbeit oder Gefahr aktiv und erfüllt im Körper eine ganze Reihe von Aufgaben.

Wo im Körper findet man den Sympathikus?

Der Sympathikus bildet gemeinsam mit seinem Gegenspieler, dem Parasympathikus, das vegetative Nervensystem. Dieses arbeitet selbstständig und kann nicht willentlich beeinflusst werden. Die Kernbereiche des sympathischen Nervensystems finden sich im Rückenmark der Brust- und Lendenwirbelsäule, aus dem sie paarig austreten. Der Großteil der Fasern befindet sich dabei im vor der Wirbelsäule liegenden Grenzstrang, ein Teil auch in Nervengeflechten an Kopf und Hals. Die Fasern des sympathischen Nervensystems stehen mit den einzelnen Organen oder Gefäßbezirken in Verbindung. Das größte und auch bekannteste sympathische Nervengeflecht ist das Sonnengeflecht oder Plexus solaris, das zwischen der Bauchspeicheldrüse und der Bauchaorta liegt.

Was genau macht der Sympathikus?

Das sympathische Nervensystem arbeitet immer dann verstärkt, wenn der Körper eine erhöhte Leistung erbringen muss und Energie verbraucht wird. In den Anfängen der Menschheit war der Sympathikus ganz auf Kampf oder Flucht ausgerichtet – damals erlegte man das Mammut oder lief vor dem Tiger davon. Dieses System funktioniert auch heute noch, nur sind es nicht mehr wilde Tiere, sondern der Alltagsstress, der Stau oder die sportliche Betätigung, die den Sympathikus aktivieren. Auch wenn sich die Lebensumstände in den letzten Jahrtausenden drastisch geändert haben, ist die Wirkungsweise des sympathischen Nervensystems noch immer dieselbe.

Auf welche Organe wirkt der Sympathikus?

Das sympathische Nervensystem beeinflusst verschiedene Organe in unserem Körper auf eine ganz bestimmte Weise:

– Herz und Kreislauf: Der Herzschlag beschleunigt sich, Puls und Blutdruck steigen. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen.

– die Lunge: Die Bronchien verengen sich, die Schleimsekretion wird reduziert.

– der Magen-Darm-Trakt: Die Darmperistaltik und die Drüsensekretion werden vermindert. Die Reduktion des Verdauungsvorganges beginnt bereits im Mund mit einer schwächeren Speichelsekretion (trockener Mund in Stresssituationen).

– die Augen: Die Pupillen erweitern sich, um mehr Licht einzulassen.

– die Schweißdrüsen: Sie sondern vermehrt Schweiß ab.

– die Harnblase: Der Schließmuskel kontrahiert, während der für die Blasenentleerung zuständige Muskel erschlafft.

Was passiert, wenn der Sympathikus nicht richtig funktioniert?

Störungen des sympathischen Nervensystems können sich beispielsweise in Schlafstörungen, Nervosität, Krämpfen, Gewichtsabnahme oder Herz-Kreislauf-Problemen äußern. Fällt der Sympathikus im Halsbereich aus, kommt es zum sogenannten Horner-Syndrom, das eine Pupillenverengung, einen tieferliegenden Augapfel und ein herabhängendes Augenlid verursacht. In manchen Fällen ist das Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus unausgeglichen. Dies wird als vegetative Dystonie bezeichnet. Überwiegt der Sympathikus, kommt es unter anderem zu Herzrasen und Bluthochdruck. Ist seine Aktivität zu gering, sind niedriger Blutdruck sowie kalte Hände und Füße die Folge. Eine zu starke Aktivität des Sympathikus äußert sich überdies in starkem Schwitzen. Dieses Problem kann durch die operative Durchtrennung des Sympathikus, der sogenannten Sympathektomie, behoben werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.