Gesundheitslexikon: Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)

29. November 2018 - 15:48 Uhr

Instabile Wirbelsäule: Bei einer Spondylolisthesis verrutscht ein Wirbel

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbelkörpern, die stabil durch Bänder und Bandscheiben miteinander verbunden sind. Wenn ein Wirbel aus seiner regulären Position abgleitet, nennt man das Spondylolisthesis oder Wirbelgleiten.

Was ist eine Spondylolisthesis?

Jeder Wirbel hat innerhalb der Wirbelsäule eine bestimmte Ausrichtung und ist so positioniert, dass die Beweglichkeit des Körpers gewährleistet ist. Durch bestimmte Gegebenheiten kann es passieren, dass sich zwischen den Wirbelkörpern ein Spalt bildet, was Spondylolyse genannt wird. Am häufigsten geschieht das am fünften Lendenwirbel. Durch den Spalt entsteht eine übermäßige Beweglichkeit des betroffenen Wirbels, und er gleitet meist nach vorne in Richtung Bauch ab. Das nennt man Spondylolisthesis, abgeleitet von den griechischen Wörtern spondylos = Wirbel und olisthesis = gleiten.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Spondylolysthesis: Sehr häufig ist die Spondylolyse, die schließlich zum Abgleiten des Wirbels führt, wegen einer Fehlbildung oder eines Defekts schon von Geburt an vorhanden. Bei Erwachsenen sind in der Regel degenerative Prozesse der Auslöser. Das können zum Beispiel Abnutzungen der Bandscheiben oder auch Veränderungen der Knochensubstanz sein. Ist die Ursache die Fraktur eines Wirbels, spricht man von traumatischer Spondylolisthesis. Schließlich kann auch eine Operation an der Wirbelsäule das Abgleiten eines Wirbels zur Folge haben.

Symptome

Anfangs spüren Betroffene noch keine Beschwerden. Gelegentlich können leichte Schmerzen in der Lendenregion auftreten. Erst wenn der Wirbel weiter aus seiner ursprünglichen Position gerutscht ist und auf Nervenwurzeln drückt, machen sich Symptome bemerkbar. Es kann, ähnlich wie bei einer Ischialgie, zu stärkeren Schmerzen kommen, die bis in die Beine ausstrahlen. Auch Wahrnehmungsstörungen, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen sind möglich. Bei einer sehr ausgeprägten Wirbelverschiebung ist am Rücken, in Höhe der Lendenwirbelsäule, deutlich eine Stufe sichtbar. In diesem Fall spricht man vom Sprungschanzenphänomen.

Diagnose

Zur Diagnosestellung werden zuerst Krankheitsgeschichte und Beschwerden des Patienten erfragt. Im zweiten Schritt wird die Wirbelsäule untersucht und ihr Verlauf kontrolliert. Wenn hierbei schon das Sprungschanzenphänomen auffällt, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Sponlylosisthesis. Genauere Erkenntnisse erhält man mit Röntgenbildern. Dadurch kann der Arzt genau erkennen, welcher Wirbel abgeglitten ist und wie weit das Gleiten schon fortgeschritten ist. Mit der sogenannten Meyerding-Klassifikation, die von 25 Prozent bis zu mehr als 75 Prozent reicht, wird der Grad der Verschiebung bestimmt.

Behandlung und Vorbeugung

Die Spondylolisthesis kann konservativ oder operativ behandelt werden. Zur konservativen Therapie gehört eine umfassende Beratung, die den Patienten darüber informiert, wie er seine Wirbelsäule entlasten kann, welche Sportarten möglich sind und was er unbedingt vermeiden sollte. Schmerzlindernde Medikamente werden bei starken Beschwerden verabreicht. Physiotherapie stellt einen wichtigen Teil der Behandlung dar. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, ist eine Operation nötig. In einem chirurgischen Eingriff, der meist minimalinvasiv über kleine Hautschnitte durchgeführt wird, bringt der Arzt den Wirbel in seine ursprüngliche Position zurück und fixiert ihn. Der Spalt wird mit Knochenspänen aufgefüllt. Man kann der Spondylolisthese nicht vorbeugen, sondern nur ihr Fortschreiten verlangsamen, indem man die Rückenmuskulatur stärkt und im Alltag auf rückenschonende Bewegungen achtet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.