Gesundheitslexikon: Spastik (Spastizität)

29. November 2018 - 15:53 Uhr

Spastik: verkrampfte Gliedmaßen durch geschädigte Nervenbahnen

Abgeknickte Hände, verwinkelte Arme oder eine schiefe Halsstellung sind bereits auf den ersten Blick die auffälligsten Merkmale einer Spastik. Betroffene sind in der Regel stark beeinträchtigt und häufig auf fremde Hilfe angewiesen. Die Lähmung bringt tiefgreifende Veränderungen im Leben des Betroffenen mit sich.

Was ist eine Spastik?

Spastizität ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Dabei verkrampfen die Gliedmaßen zu den charakteristischen Gesten und verharren in dieser Position relativ steif. Man unterscheidet dabei verschiedene Arten: Die Monospastik lähmt ein Bein oder einen Arm, die Paraspastik zeigt sich in beiden Beinen mit Lähmungen. Bei der Hemispastik zeigen sich die Symptome auf der linken oder rechten Körperhälfte jeweils an den Gliedmaßen. Sind alle Gliedmaßen sowie auch Hals- und Rumpfmuskulatur von der Lähmung betroffen, spricht man von einer Tetraspastik. Auch Augen oder der Schluckreflex können gelähmt sein.

Ursachen

Eine spastische Lähmung ist in den meistens auf die Schädigung des Hirns oder des Rückenmarks zurückzuführen. Das zentrale Nervensystem ist in diesen Fällen so geschädigt, dass die Bewegungsabläufe nicht mehr wie gewohnt vom Körper gesteuert werden können. Der häufigste Auslöser ist ein Hirninfarkt (Ischämischer Schlaganfall), der oft durch einen langwierigen Geburtsvorgang unter Sauerstoffmangel ausgelöst wird. Auch im Mutterleib selbst kann es bereits zu einer frühkindlichen Hirnschädigung kommen. Doch auch eine Hirnblutung, ein Tumor am Rückenmark, Multiple Sklerose, Entzündungen am Gehirn (Meningitis, Myelitis, Enzephalitis) oder ein tragischer Unfall können ursächlich sein und eine langfristige Rückenmarksschädigung auslösen.

Symptome

Spastiken zeigen sich in einer fehlgeleiteten Bewegungskoordination und werden von Reflexen ausgelöst. Dabei verkrampfen die Muskeln dermaßen, dass es zu unkontrollierbaren und versteifenden Formationen der Gliedmaßen kommt. Verdrehte Arme, Beine oder Finger lassen sich dann selbst von medizinischem Personal kaum wieder lösen. Jeder Patient hat sein eigenes spastisches Muster. Dieses kann sehr unauffällig ausfallen, es kann aber auch den gesamten Körper betreffen und den Menschen somit äußerst stark einschränken. Viele Betroffene erfahren die Symptome lediglich körperlich und verfügen über keinerlei geistige Beeinträchtigung.

Diagnose

Wenn der Arzt die Gliedmaßen des (passiven) Patienten bewegt, und diese sich daraufhin selbstständig und immer stärker versteifen, ist dies ein Indiz für eine beginnende Spastizität. Durch solche Beugeversuche wird genau jene Muskelanspannung angeregt, welche im weiteren Verlauf zur spastischen Verkrampfung führt. Bei Kleinkindern kann zudem der sogenannte Babinski-Reflex untersucht werden. Dabei streicht der Arzt über die Fußsohle des Kindes. Normalerweise bewegen sich die Zehen nach unten. Bei einer Spastizität hingegen wölbt sich der große Zeh nach oben (Pyramidenbahnzeichen), die vier anderen entgegengesetzt.

Behandlung

Eine Spastik ist nicht heilbar, doch die kann stark gelindert werden. Da aufgrund der Bewegungsstörung diverse Folgeschäden zu erwarten sind (Muskelverkürzungen, Fehlhaltungen, Deformationen), wirkt die Therapie überwiegend auf eine mögliche Entspannung der spastischen Gliedmaßen. Die wichtigsten Maßnahmen sind deshalb Physiotherapie, hydrotherapeutische Anwendungen sowie Ergotherapie. Zudem können antispastische Medikamente für eine Herabsetzung des Muskeltonus sorgen. Seit jüngerer Zeit ist es auch möglich, in extrem verkrampfe Muskeln das Nervengift Botulinumtoxin zu spritzen und die Spastik darüber zu entspannen. Hinzu kommt, dass mittels Operationen verschiedene Deformationen behoben werden können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.