Gesundheitslexikon: Spagyrik

29. November 2018 - 15:53 Uhr

Spagyrik – die geheimnisvolle Alchemie des Mittelalters

Heilmittel, die zur Selbstmedikation genutzt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Dabei legen Anwender zunehmend Wert darauf, dass die Präparate naturnah sind und möglichst keine Nebenwirkungen aufweisen. Eine althergebrachte Auswahl von Arzneimitteln kommt dabei aus der Spagyrik. Die alchemistischen Mischungen sind bei Homöopathen und Heilpraktikern nach wie vor beliebt.

Was ist Spagyrik?

Die Spagyrik ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die große Anlehnungen an die Homöopathie sowie die traditionelle chinesische Medizin aufweist. Sie ist ein jahrhundertealtes Naturheilverfahren. Die Spagyrik basiert auf mehreren Annahmen: Sie betrachtet den Körper (Sal), den Geist (Mercurius) und die Seele (Sulfur) als eine Einheit. Ist zwischen diesen Bereichen der Energiefluss gestört, kommt es zu Krankheiten. Diese können durch pflanzliche Essenzen kuriert werden. Auch der Aufbau einer Pflanze soll auf den drei Prinzipien Sal (Stängel, Blätter, Mineralstoffe und Spurenelemente), Mercurius (Kohlenhydrate) und Sulfur (ätherische Öle) beruhen. Mit den "Spagyrika", also den alchemistischen Arzneimitteln, sollen die Kräfte ins Gleichgewicht gebracht werden.

Wer hat die Spagyrik erfunden?

Erstmals schriftlich aufgezeichnet wurden die Lehrelemente der Spagyrik im Mittelalter von Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus. Er verbreitete die Philosophie dieser Therapieform in ganz Europa. Der Apotheker Johann Rudolph Glauber ergänzte die Thesen von Paracelsus im 17. Jahrhundert, indem er vor allem chemische Komponenten in die Medizinlehre einfließen ließ. Damit gab er der Spagyrik bereits einen gewissen pharmakologischen Hintergrund. Heutige Arzneimittel, die nach der Spagyrik-Lehre hergestellt werden, beruhen zum Teil auf den Überarbeitungen von Dr. Carl-Friedrich Zimpel. Er zeigte im 19. Jahrhundert auf, wie mineralische und pflanzliche Substanzen miteinander verbunden werden können.

Wie werden die Präparate der Spagyrik hergestellt?

Zur Herstellung spagyrischer Heilmittel werden frische Heilpflanzen zerkleinert und mit Alkohol vergoren. Der Sud wird anschließend destilliert, die übrig gebliebenen Pflanzenteile werden getrocknet und bei niedriger Temperatur verbrannt. Damit sind die drei Bestandteile, also Sal, Mercurius und Sulfur, getrennt. Sodann folgt die Wiedervereinigung. Dazu wird die Asche im Destillat aufgelöst und die Flüssigkeit mehrfach destilliert. So soll eine hohe energetische Transformation aufgebaut werden, wie man sie von der Potenzierung aus der Homöopathie kennt. Anhänger der Spagyrik gehen davon aus, dass die entwickelten Essenzen sehr viel kräftiger in ihrer Wirkung sind, weil sie von den toxischen Bestandteilen der Pflanze befreit sind.

Was sollte man bei der Spagyrik beachten?

Die Spagyrik ist im Bereich der Alternativmedizin und der Pflanzenheilkunde angesiedelt. Die Präparate sind eher preisgünstig und können in Apotheken erworben werden. Gleichwohl besteht kein Nachweis ihrer Wirksamkeit. Viele Menschen schätzen die Tinkturen aber, weil sie frei von Nebenwirkungen sein sollen, keine Symptome der Erstverschlimmerung hervorrufen (wie in der Homöopathie) und ganz individuell wirken. Sie sollen generell ausgleichend auf Körper, Geist und Seele wirken und den gestörten Energiefluss wieder ins Gleichgewicht bringen können. Zudem sollen sie die Selbstheilungskräfte anregen können. Die Stiftung Warentest hat in einem Vergleich die therapeutische Wirksamkeit der Präparate untersucht und konnte kein eindeutiges Ergebnis feststellen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen und Präparate können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.