Gesundheitslexikon: PTT (partielle Thromboplastinzeit)

29. November 2018 - 15:57 Uhr

PTT (partielle Thromboplastinzeit) – Kontrollparameter für die Blutgerinnung

Die partielle Thromboplastinzeit, kurz als PTT bezeichnet, ist ein Laborwert, der zur Kontrolle des Blutgerinnungssystems erhoben wird. Er ist zum Beispiel für die Beurteilung der Wirksamkeit einer Heparintherapie (Therapie zur Hemmung der Blutgerinnung) von Bedeutung. Auch bei Verdacht auf eine Gerinnungsstörung wird häufig die partielle Thromboplastinzeit bestimmt. Mithilfe der PTT-Bestimmung lassen sich ferner Heparin-Therapien und Krankheitsverläufe bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen kontrollieren. Ebenso dient das Verfahren der Beurteilung der Leberfunktion, denn ist diese durch Erkrankungen wie Hepatitis oder Leberzirrhose beeinträchtigt, kann sich dies auf die Blutgerinnung auswirken.

Wie wird die partielle Thromboplastinzeit bestimmt?

Zur Bestimmung der PTT benötigt der Arzt Blutplasma. Dazu entnimmt er dem Patienten eine Blutprobe und zentrifugiert diese, sodass der flüssige Anteil des Blutes ohne die Blutzellen zurückbleibt. Im Labor wird dann die Blutgerinnung durch die Zugabe von sogenannten Phospholipiden, Calciumionen und anderen oberflächenaktiven Aktivatoren (Verbindungen, die bestimmte Reaktionen im Organismus beschleunigen) ausgelöst und die Zeit bis zum Eintritt der Gerinnselbildung gemessen. Normalerweise beginnt die Blutgerinnung bei Erwachsenen, die keine Medikamente nehmen, nach 38 Sekunden. Bei einer Heparin-Therapie verlängert sich dieser Zeitraum hingegen um das Zwei- bis Dreifache auf 60 bis 80 Sekunden. Auch bei Neugeborenen und Säuglingen kann die partielle Thromboplastinzeit geringfügig länger sein als bei Erwachsenen.

Wann wird die partielle Thromboplastinzeit bestimmt?

Ein möglicher Zeitpunkt zur Bestimmung der PTT ist die Vorbereitung einer Operation. In einem sogenannten Screening werden verschiedene Risikofaktoren ermittelt. Störungen der Blutgerinnung können den Operationsverlauf negativ beeinflussen und unter Umständen zu lebensgefährlichen Blutungen beim Patienten führen. Auch bei Verdacht auf eine sogenannte hämorrhagische Diathese wird die partielle Thromboplastinzeit bestimmt. Dieser Begriff bezeichnet in der medizinischen Fachsprache Gerinnungsstörungen, die mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), die Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße) oder der Morbus Osler.

In welchen Fällen ist die partielle Thromboplastinzeit zu lang?

Bei einer verlängerten partiellen Thromboplastinzeit setzt die Blutgerinnung zu spät ein. Das äußert sich zum Beispiel durch eine verzögerte Blutungsstillung bei Verletzungen. Auch blaue Flecken, die scheinbar ohne erkennbare Ursache auftreten, können auf eine verspätete Blutgerinnung hinweisen. So zeigt sich eine verlängerte PTT bei einem Mangel an den Gerinnungsfaktoren VIII, IX und dem sogenannten Von-Willebrand-Faktor. Auch bei einer Verbrauchskoagulopathie (Blutungsneigung aufgrund von vorab zu stark abgelaufener Blutgerinnung) ist die Gerinnungszeit zu lang. Die Entstehung einer solchen Verbrauchskoagulopathie wird durch verschiedene schwere Erkrankungen begünstigt. Dazu gehören beispielsweise ausgeprägte Infektionen. Ebenso zeigt sich eine Verlängerung der partiellen Thromboplastinzeit bei einer Antikoagulationstherapie. Hier ist die verlängerte Zeit bis zur Gerinnung allerdings beabsichtigt, um Thrombosen (gefäßverstopfende Blutgerinnsel) oder Embolien (Gefäßverschlüsse) vorzubeugen.

Wann ist die partielle Thromboplastinzeit verkürzt?

Eine Verkürzung zeigt sich bei der sogenannten Hyperkoagulabilität des Blutes. Die Gerinnbarkeit des Blutes ist dabei krankhaft erhöht, sodass es zu einer vermehrten Bildung von Blutgerinnseln kommt. Diese Gerinnungsstörungen können erworben oder angeboren sein. Ebenso ist die partielle Thromboplastinzeit bei einem vermehrten Vorkommen von Thrombozyten (Blutplättchen) im Blut erhöht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.