Gesundheitslexikon: Persistenz

29. November 2018 - 15:54 Uhr

Persistenz: Beharrlichkeit in der Medizin

Sind Sie persistent? Im Hinblick auf Charaktereigenschaften sowie in der Psychologie entspricht Persistenz der persönlichen Beharrlichkeit. Wörtlich ins Deutsche übersetzt bedeutet das lateinische Verb "persistere" so viel wie "verharren" oder "fortbestehen". Der Begriff der Persistenz leitet sich von dieser Übersetzung ab und findet in Fachbereichen wie der Informatik, Soziologie, Ökonomie, Chemie und Medizin für fortbestehende Zustände Verwendung. In der Medizin kann sich der Ausdruck auf den Bereich der Genetik, auf die Neurophysiologie, die Virologie sowie Pathologie beziehen. Im Kontext von Krankheitsverläufen meint der Mediziner mit Persistenz solche Symptome, die trotz Behandlung fortbestehen.

Was ist Persistenz im Krankheitsverlauf?

Krankheiten sind von einem individuellen Verlauf geprägt und entwickeln sich an verschiedenen Patienten auf unterschiedliche Art und Weise. Wie schnell eine Krankheit beispielsweise voranschreitet und was das genaue Endresultat eines Krankheitsprozesses sein wird, lässt sich medizinisch nur schwer mit Allgemeingültigkeit formulieren. Zur Beurteilung von Krankheitsverläufen spielt neben der aktuellen Symptomstärke der zeitliche Verlauf der Beschwerden eine Rolle. Progressive Symptome schreiten mit der Zeit beispielsweise fort und werden schlimmer. Von remittierenden Symptomen ist bei rückläufigen Beschwerden die Rede, während Persistenz in diesem Zusammenhang Symptome oder ganze Krankheitsbilder mit zeitlich konstanter Ausprägung bezeichnet. Nicht persistierend, sondern protrahiert sind Krankheitsverläufe mit geringfügiger Verschlechterungstendenz.

Welche anderen Formen der Persistenz kennt die Medizin?

Mediziner beziehen sich bei Persistenz immer auf etwas Fortbestehendes, so beispielsweise auf eine fortbestehende Erkrankung, eine fortbestehende Körperstruktur oder die Weitergabe eines mutierten Allels über Generationen. Folgende Arten der Persistenz werden unterschieden:

- Erregerpersisten und bakterielle Persistenz

- genetische Persistenz im Sinne der Weitergabe eines bestimmten Allels

- neurophysiologische Persistenz im Sinne eines Reizfortbestehens über den Reizeinfluss hinaus, so beispielsweise beim positiven Nachbild in Form eines reizüberdauernden Seheindrucks

- strukturelle Persistenz bei fortbestehenden Fetalstrukturen über den physiologischen Rückbildungstermin hinaus

Die Erregerpersistenz ist von diesen Begriffsverwendungen die häufigste.

Welche Krankheitserreger zeigen Erregerpersistenz?

Erregerpersistenz kennt der Mediziner von Krankheitserregern wie Herpes-Viren oder Slow- und Zytomegalie-Infektion. Als Reaktion auf die Infektion mit Erregern bildet das körpereigene Abwehrsystem spezifische Antikörper zur Bekämpfung der Eindringlinge. Bestehen die Viren trotz dieser Prozesse fort und überdauern die Angriffe des Abwehrsystems, so ist von einer Erregerpersistenz die Rede. Herpes-Viren ziehen sich beispielsweise oft hinter die Blut-Hirn-Schranke zurück, wo das Immunsystem sie nicht erreichen kann. Dort harren sie aus und reifen in Zeiten der Immunschwächung erneut zu einer akuten Infektion heran. Auch bei bakteriellem Erregerfortbestehen trotz antibiotischer Behandlung ist von Persistenz die Rede.

Bakterielle Persistenz: Was sind Persister?

Bei Infektionen mit Bakterien verabreicht der Mediziner spezielle Antibiotika, um den Infektionsherd einzudämmen und die Bakterien von der Vermehrung abzuhalten. Dieses Vorgehen zeigt nicht immer Erfolg. Bei Persistern handelt es sich um Bakterien, die von antibiotischen Behandlungen unberührt bleiben und sich im Körper der Betroffenen weiterhin fortpflanzen. Dieses Szenario kommt besonders bei abwehrgeschwächten Personen vor. Nachdem sie die entsprechenden Medikamente absetzen, reift die Infektion nicht selten wieder zu einer akuten Infektionssymptomatik heran. Persister überleben Behandlungen, da sie im zellulären Dämmerzustand fast alle Lebensfunktionen ausschalten und einen schützenden Biofilm bilden. Auch bei einigen Pilzen handelt es sich um Persister.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.