Gesundheitslexikon: Parathormon (PTH, Parathyrin)

29. November 2018 - 15:47 Uhr

Das Parathormon – ein wichtiges Hormon zur Kalziumregulierung im Blut

Das Parathormon reguliert als Bestandteil des Hormonsystems die Serumkonzentration von Kalzium. Dies erfolgt im feinen Zusammenspiel dieses Hormons mit dem Hormon Calcitonin und Vitamin D. Die Serumkonzentration von Kalzium darf sich nur in dem relativ engen Konzentrationsbereich von 2,20 mmol/l bis 2,65 mmol/l bewegen, weil ansonsten schwere gesundheitliche Probleme drohen. Ist der Kalziumspiegel zu gering, fördert das in der Nebenschilddrüse erzeugte Parathormon den Kalziumtransport aus Niere, Knochen und Darm ins Blut. Kalzium hat im Körper für den Knochenaufbau und als Elektrolyt für die Reizweiterleitung große Bedeutung. Sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel an Parathormon kann dieses gut abgestimmte System durcheinanderbringen. Unterschiedliche Krankheiten, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, können eine Abweichung vom Normalwert verursachen.

Was ist ein Parathormon?

Das Parathormon ist ein Peptidhormon, welches aus 84 Aminosäuren besteht. Es wird in der Nebenschilddrüse erzeugt und ist für die Konstanthaltung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich. Der Vorläufer des Parathormons wird zunächst als sogenanntes Präpro-Hormon mit 115 Aminosäuren über das PTH-Gen auf Chromosom 11 codiert. Das Präpro-Hormon verwandelt sich wiederum unter Abspaltung einiger Aminosäuren in das Pro-Parathormon mit 90 Aminosäuren. Im Golgi-Apparat kommt es abermals zur Aminosäureabspaltung unter Bildung des fertigen Parathormons. Das Hormon hat im Organismus eine sehr geringe Halbwertzeit von nur wenigen Minuten und wird sowohl in der Niere als auch in der Leber abgebaut.

Wann wird Parathormon ausgeschüttet und was bewirkt es im Körper?

Über die kalziumsensitiven Rezeptoren auf den Membranen bestimmter Zellen der Nebenschilddrüse wird der Kalziumspiegel analysiert und bei Bedarf die Bildung des Parathormons angeregt. Um die Kalziumionenkonzentration zu erhöhen, stimuliert dieses die Kalziumfreisetzung aus den Knochen und hemmt dessen Ausscheidung über die Nieren. Gleichzeitig regt es die Ausscheidung von Phosphat über die Nieren an. Der dadurch verringerte Phosphatspiegel veranlasst in den Nieren die Bildung von Vitamin D3. Vitamin D3 erhöht wiederum die Kalziumaufnahme im Darm und fördert dessen Einbau in die Knochen. Die parallele Ausschüttung des Gegenspielers Calcitonin begrenzt außerdem die Bildung von Parathormon und damit die Serumkonzentration von Kalzium.

Was passiert bei einem Mangel oder einem Überschuss?

Meist entsteht ein Mangel an Parathormon durch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. In den überwiegenden Fällen geht eine Schilddrüsenoperation voraus, bei welcher die Nebenschilddrüsen versehentlich entfernt wurden. Andere Ursachen können Autoimmunerkrankungen, Bestrahlungen im Halsbereich oder eine fehlerhafte Ausbildung der Nebenschilddrüsen sein. Aufgrund der geringen Kalziumkonzentration im Blut kommt es zu einer Tetanie mit Pfötchenstellung der Hände mit Krämpfen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln und möglicherweise Demenz. Ein Überschuss an Parathormon wird durch verschiedene Ursachen hervorgerufen. So können gut- und bösartige Tumoren der Nebenschilddrüsen oder der Schilddrüse zu einer vermehrten Produktion und Ausschüttung von Parathormon führen. Des Weiteren ist eine sekundäre Erhöhung der Konzentration an Parathormon bei Nieren-, Leber- oder Gallenerkrankungen möglich. Ein Hyperparathyreoidismus äußert sich durch erhöhte Kalziumspiegel im Blut, Nierensteine, Magengeschwüre sowie Osteoporose.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.