Heute spricht man vom „Burn-out-Syndrom“

Gesundheitslexikon: Neurasthenie

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22. Oktober 2019 - 12:19 Uhr

Das Burn-out des 19. Jahrhunderts: Neurasthenie

Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Beschwerden, für die sich keine körperliche Ursache fand, unter der Diagnose Neurasthenie zusammengefasst. Heute wird das Krankheitsbild meist als chronisches Erschöpfungssyndrom oder Burn-out bezeichnet.

Was ist eine Neurasthenie?

Eine Neurasthenie bezeichnet eine Nervenschwäche, die sich durch leichte Reizbarkeit und schnelle Ermüdung bemerkbar macht. Wissenschaftlich eingeführt wurde der Begriff im Jahr 1869 vom US-amerikanischen Neurologen George M. Beard, der die nervösen Schwächezustände auf die Belastungen des modernen Großstadtlebens zurückführte. Insbesondere in den höheren Gesellschaftsschichten griff die Modekrankheit immer weiter um sich. Behandelt wurde sie mit verschiedenen Kurverfahren und Reizstromanwendungen. In der modernen Medizin wird das Krankheitsbild meist mit dem Burn-out-Syndrom, einer Erschöpfungsdepression oder dem chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronice Fatigue Syndrom) gleichgesetzt.

Ursachen

Im Laufe der Zeit standen verschiedene Auslöser für eine Neurasthenie zur Diskussion: Sigmund Freud sah die Ursache in der Unterdrückung sexueller Bedürfnisse, andere Psychoanalytiker machten Persönlichkeitsstörungen für die Erkrankung verantwortlich. Nach der Meinung heutiger Experten sind Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus und überhöhten Ansprüchen an sich selbst besonders gefährdet, an einer Neurasthenie zu erkranken. Häufig tritt die Nervenschwäche nach einer großen psychischen Belastung oder einer körperlichen Erkrankung auf, aber auch eine permanente Unterforderung kann eine Überreizung der Nerven bewirken.

Symptome

Eine Neurasthenie kann eine Reihe von Beschwerden auslösen. Im Vordergrund stehen meist chronische Müdigkeit, leichte Reizbarkeit und schnelle Erschöpfung bereits nach geringen Anstrengungen. Dazu kommen häufig Angstgefühle, Konzentrationsstörungen, grundlose Traurigkeit und sexuelle Unlust. Charakteristisch ist auch, dass Ruhepausen und Entspannungsphasen keine anhaltende Erholung bringen und trotz großem Schlafbedürfnis nicht selten Ein- oder Durchschlafstörungen auftreten. Oft findet eine überlastete Seele in körperlichen Symptomen Ausdruck. Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Herzstolpern, Schwindelgefühle und Muskelschmerzen können auf eine Nervenschwäche hindeuten, wenn keine körperlichen Ursachen festzustellen sind.

Diagnose

Die unspezifischen Symptome machen es oft schwer, eine Neurasthenie sicher zu diagnostizieren. Der Verdacht auf diese Erkrankung liegt nahe, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen und alle organischen Ursachen ausgeschlossen wurden: Abhängig von den Krankheitsanzeichen kann dafür die Durchführung verschiedener internistischer oder neurologischer Untersuchungen nötig sein. Eingehende Gespräche über Vorerkrankungen, auftretende Symptome, die Lebenssituation und psychische Belastungen können dem Arzt helfen, Hinweise auf eine Neurasthenie oder eine Erkrankung mit einem ähnlichen Beschwerdebild – wie etwa das Burn-out-Syndrom – richtig zu deuten.

Behandlung/Vorbeugung

Obwohl die Beschwerden bei einer Neurasthenie überwiegend den Körper betreffen, ist eine Psychotherapie ein maßgeblicher Bestandteil der Behandlung. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden krankmachende Verhaltens- und Denkmuster aufgespürt und zum Positiven verändert. Das Erlernen von Entspannungstechniken erleichtert den Umgang mit Stresssituationen. Auch mäßige sportliche Aktivitäten ohne übertriebenen Ehrgeiz können helfen, Körper und Geist wieder belastbar zu machen. Manchmal ist die vorübergehende Einnahme von Antidepressiva angezeigt, in leichten Fällen unterstützen pflanzliche Beruhigungsmittel die Heilung. Eine Umstellung des Lebensstils mit einer ausgewogenen Balance zwischen Stress und Erholung sichert langfristig den Erfolg der Therapie und beugt dem erneuten Auftreten neurasthenischer Beschwerden vor.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.