Das Schultergelenk ist besonders anfällig

Gesundheitslexikon: Luxation (Verrenkung, Ausrenkung)

Das Schultergelenk ist besonders anfällig für eine Luxation.
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07. Oktober 2019 - 13:35 Uhr

Luxationen – wenn die Gelenke nachgeben

Im menschlichen Körper gibt es viele Gelenke, von denen einige von Natur aus recht instabil sind. Sie sind daher besonders anfällig für sogenannte Luxationen, also für Auskugelungen. Dieses Ausrenken kann nicht nur sehr schmerzhaft sein, sondern Gelenke und umgebende Strukturen nachhaltig schädigen.

Was ist eine Luxation?

Von einer Luxation spricht man, wenn ein Gelenk ausgekugelt ist. Umgangssprachlich nennt man sie auch eine Verrenkung oder Ausrenkung. Liegt eine Luxation vor, haben die gelenkbildenden Knochenenden keinen Kontakt mehr zueinander und verlieren ihre natürliche Position. Bei einer Luxation unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten, zum Beispiel zwischen der traumatischen und angeborenen Luxation. Beim Auskugeln eines Gelenks kommt es übrigens oft nicht nur zu einer reinen Luxation. Bänder, Sehnen, Muskeln oder auch Knorpel werden in vielen Fällen ebenfalls teilweise sehr schwer geschädigt.

Arten und Ursachen in der Schulter

Ursache für Luxationen ist eine plötzliche Krafteinwirkung auf ein Gelenk, die beispielsweise bei einem Sturz erfolgt. Das Schultergelenk ist aufgrund seiner anatomischen Beschaffenheit am häufigsten von Luxationen betroffen. Die Stabilität in der Schulter wird nämlich überwiegend von der umgebenden Muskulatur und nicht vom Gelenk selbst sichergestellt. Von daher bedarf es oft noch nicht einmal großer Gewalteinwirkung, um eine Luxation herbeizuführen. Wenn man sich die Schulter auskugelt, dann rutscht der Oberarmkopf aus der im Verhältnis zu kleinen Gelenkpfanne.

Andere häufig betroffene Gelenke

Durch ein Trauma oder durch genetische Veranlagung ist auch die Kniescheibe anfällig für Luxationen. Läuft die Kniescheibe (Patella) zum Beispiel nicht richtig in der Gleitrinne oder liegt sie generell zu weit außen, ist die Gefahr groß, dass es zu einer Verrenkung kommt. Ein einfaches "Vertreten" reicht hier mitunter schon aus. Bei dieser Luxation muss die Kniescheibe entweder eingerenkt werden oder springt von selbst wieder zurück. Ebenfalls anfällig für Luxationen sind die Gelenke der Finger oder das Hüftgelenk.

Symptome und Diagnose

Das Auskugeln eines Gelenks kann sehr schmerzhaft sein, da oft nicht nur die ausgekugelten Gelenke selbst von der Verletzung betroffen sind, sondern auch Muskeln, Sehnen oder Bänder. Weitere Symptome sind eine verminderte Bewegungsfähigkeit und das unbewusste Einnehmen einer Schonhaltung. Bei einem Auskugeln der Schulter können die Nerven verletzt werden, was zu einem Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Fingern führt. Besteht ein Verdacht auf eine Ausrenkung, untersucht ein Arzt zunächst die Gelenkposition und überprüft die Motorik und Durchblutung des Gelenks. Durch Röntgenaufnahmen und gegebenenfalls durch eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird dann überprüft, ob es sich tatsächlich um eine Auskugelung handelt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Luxationen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wurden beispielsweise Muskeln, Bänder, Sehnen oder Knorpel in Mitleidenschaft gezogen, ist ein operativer Eingriff wahrscheinlich. Kommt es nur zum Auskugeln des Gelenks mit keiner oder geringer Schädigung der Weichteile, kann unter Umständen eine konservative Therapie ausreichen. Der Fokus liegt dann eher auf der muskulären Stabilisierung des betreffenden Gelenks, damit es nicht erneut zu Luxationen in diesem Bereich kommt. Hier verschreibt der Arzt üblicherweise Krankengymnastik und er wird den Fortschritt gegebenenfalls durch Nachuntersuchungen überwachen. Treten Luxationen am selben Gelenk mehrfach auf, kann eine Operation trotzdem nötig werden, um weiteren Schaden am Knorpel zu vermeiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.