Seelischer Ausgleich von MinderwertigkeitsgefühlenGesundheitslexikon: Kompensation (Psychologie)

Bild einer dankbaren, hoffnungsvollen Frau
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Die Kompensation stellt einen wichtigen Begriff innerhalb der Psychologie dar und beschreibt einen seelischen Ausgleich von Minderwertigkeitsgefühlen. Die Bezeichnung Kompensation leitet sich vom lateinischen Wort compensare ab und hat die Bedeutung von ausgleichen und ersetzen. Die Kompensation als psychologischer Prozess kann sowohl bewusst als auch unbewusst ablaufen.

Was steckt hinter dem Begriff Kompensation?

Innerhalb des Fachbereichs Psychologie beschreibt der Begriff Kompensation das Streben nach Ersatzbefriedigung, um persönliche Gefühle der Minderwertigkeit auszugleichen. Wenn ein Mensch bei sich ein aus einer Verdrängung entstandenes Symptom wahrnimmt und dieses daraufhin abmildern möchte, so spricht man von Kompensation. Die Kompensation stellt daher ein psychisches Hilfsmittel dar, mit dem das oftmals störende Symptom bekämpft werden soll. In der Psychologie spricht man auch von kompensatorischen Träumen, die das Gegenteil der Vorhaben, Wünsche und des Daseins der Person des Träumenden darstellen. Kompensatorische Träume zeigen sich verstärkt bei Personen, die ein einseitiges Leben führen und keinerlei Ausgleiche in andere Richtungen haben.

Wer hat den Begriff Kompensation erstmalig verwendet?

Der Begriff Kompensation wurde von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie, erstmals im Jahr 1907 in einer Studie eingeführt. In der Studie kam Adler zur Erkenntnis, dass eine Person mit Kompensationsversuchen reagiert, wenn sich das Gleichgewicht gegen den Organismus wendet. Innerhalb der Individualpsychologie nimmt man als Ursache der Kompensation ein Minderwertigkeitsgefühl des Kleinkindes an, da dieses ein unvollkommenes menschliches Wesen ist. Eine Minderwertigkeit kann auch mit einer Überlegenheit kompensiert werden. Die Themen Minderwertigkeit und Unterlegenheit tauchen laut Adler vor allem im Zuge der großen Lebensaufgaben des Menschen - Arbeit, Liebe und Gemeinschaft - auf.

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Wie funktioniert die psychologische Kompensation?

Die Kompensation kann neben den persönlichen Schwächen auch die Unerfülltheit eines Bedürfnisses ausgleichen, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Wertschätzung, Kontrolle, Bindung und Dazugehörigkeit. Der renommierte Tiefenpsychologe Sigmund Freud ging davon aus, dass die Abwehrmechanismen im Laufe des Lebens täglich von Menschen eingesetzt werden. Die Hemmung, Hinderung und Schwäche können von innen kommen und unbewusst sein, zum Beispiel als Symptom von alten Traumatisierungen oder belastenden Mangelerfahrungen. Mit dem kompensatorischen Verhalten können das mangelhafte Selbstwertgefühl und die seelischen Verletzungen vorübergehend erträglicher gemacht werden. Wenn der Mensch eine innere Leere verspürt, so kann diese auch durch das ständige Verlangen nach Bewunderung ausgeglichen werden.

Warum hat die Kompensation so eine große Bedeutung?

Die Kompensation ist ein wichtiger Abwehrmechanismus, um innere Konflikte und Ängste abzumildern und bewältigen zu können. Die Abwehrmechanismen stellen psychische Vorgänge dar, mit denen die seelische Verfassung konfliktfreier werden soll. Mit der Kompensation und den weiteren Abwehrmechanismen soll das Ich vor einer neurotischen Angst geschützt werden. Mit einer Kompensation als meist unbewussten Vorgang möchte man auch bei diversen Mängeln eine Vollwertigkeit demonstrieren. Mit der Bewältigung von unbewussten psychischen Konflikten geht auch die Fähigkeit zur Selbststeuerung einher. Die unterschiedlichen Abwehrmechanismen können als bestmögliche Konfliktlösung angesehen werden, die ein Mensch im Zuge seiner psychischen Entwicklung erreichen kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.