Psychoanalytisch begründetes Verfahren

Gesundheitslexikon: Tiefenpsychologie

Die Tiefenpsychologie ist ein spezielles Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen
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28. Januar 2020 - 11:03 Uhr

Tiefenpsychologie - den unbewussten seelischen Vorgängen auf der Spur

Innerhalb der Psychologie und Psychotherapie haben sich im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Forschungsrichtungen und Therapiemethoden entwickelt. Eine äußerst bekannte Methode ist die Tiefenpsychologie, bei der man traumatische Erfahrungen der Vergangenheit als die Ursache von psychischem Leid betrachtet. Der Begriff Tiefenpsychologie steht sowohl für die psychologischen als auch die psychotherapeutischen Ansätze, die den Fokus auf die Erkundung der unbewussten Vorgänge eines Menschen legen.

Was zeichnet die Tiefenpsychologie aus?

Die therapeutischen Prinzipien der Tiefenpsychologie haben sich vor allem aus der Psychoanalyse entwickelt. In tiefenpsychologischen Verfahren verfolgt man die Spur von psychischen Problemen bis in die frühe Kindheit des Patienten. Die Grundthese der Tiefenpsychologie ist, dass die frühen Erlebnisse eines Menschen einen Einfluss auf die Persönlichkeit haben und das aktuelle Verhalten eines Menschen prägen. Dieser Teilbereich der Psychologie richtet seinen Fokus auf das Bewusste, das Unbewusste sowie die Verdrängung. Letztere ist ein psychischer Abwehrmechanismus, bei dem Bewusstseinsinhalte in das Unbewusste verschoben werden.

Wer hat die tiefenpsychologische Forschung entwickelt?

Die Ansicht, dass unbewusste Vorgänge einen großen Einfluss auf das Leben eines Menschen haben, wurde schon durch große Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche vertreten. Sigmund Freud war jedoch der Erste, der diesen Ansatz untersuchte und daraufhin die erste tiefenpsychologische Schule der Psychoanalyse gründete. Der Begriff Tiefenpsychologie wurde von Eugen Bleuler eingeführt und von Freud ab 1913 verwendet. Zu den tiefenpsychologischen Schulen zählen neben der renommierten Psychoanalyse Freuds auch die "Analytische Psychologie" von Carl Gustav Jung sowie die Individualpsychologie" von Alfred Adler.

Wie funktioniert die Tiefenpsychologie?

Alle Methoden der Tiefenpsychologie vertreten die These, dass in der Tiefe des Unbewussten psychische Prozesse ablaufen, die das Verhalten und Erleben des Menschen beeinflussen. Besonders die Entwicklung in der Kindheit gilt als bestimmend für die spätere Persönlichkeitsentwicklung. Es wird also davon ausgegangen, dass die Ursachen von psychischen Störungen in der frühen Kindheit eines Menschen liegen. Hierbei hat besonders die Beziehung zwischen dem Kind und den wichtigen Bezugspersonen eine große Bedeutung. Bei der tiefenpsychologischen Behandlung sitzen die Patienten dem Therapeuten gegenüber. Im Zuge der Therapie kann der Patient frei über seine Gefühle und Gedanken sprechen. Man geht davon aus, dass durch die freie Assoziation nach und nach alle wichtigen Themen zur Sprache kommen.

Warum ist die Tiefenpsychologie so renommiert?

Die tiefenpsychologischen Verfahren sind heutzutage weitverbreitet, da sie bei vielen neurotischen, psychotischen und psychosomatischen Störungen angewendet werden. Weil sich die Tiefenpsychologie aus der klassischen Psychoanalyse entwickelte, hat sie alle Vorteile der Psychoanalyse. Ein positiver Faktor gegenüber der Psychoanalyse ist die Behandlungsdauer. Während bei der klassischen Analyse mehrere Sitzungen pro Woche über einen längeren Zeitraum stattfinden, dauert die tiefenpsychologische Psychotherapie nur ungefähr 50 bis 100 Stunden. Die tiefenpsychologische Therapie konzentriert sich im Gegensatz zur klassischen Analyse nicht so sehr auf die Vergangenheit, sondern insbesondere auf die Gegenwart. Aktuelle Lebensumstände werden hinterfragt, um diese zu verstehen und besser damit umgehen zu können.