Was ist eine Invasion bzw. was bedeutet invasiv?

Gesundheitslexikon: Invasion (invasiv)

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27. August 2019 - 14:56 Uhr

Invasion in der Medizin: Eindringlinge in den eigenen Zellen

Bei dem Begriff der Invasion denken die meisten Menschen vermutlich nicht zuerst an den medizinischen Begriffsgebrauch, sondern an Aliens oder hereinfallende Heere. Ganz falsch liegen sie damit nicht: Bei der Invasion geht es um Eindringlinge. Das Lehnwort stammt vom gleichbedeutenden lateinischen Verb "invadere" ab. Auch im medizinischen Sinn ist die Invasion deshalb mit Eindringen assoziiert: Ob es um Tumorzellen mit Invasionstendenz in umliegendes Gewebe, um Krankheitserreger oder um medizinische Instrumente geht - von in den Körper eindringenden Therapiemaßnahmen über Diagnostika bis hin zu Krankheitsprozessen kann die Invasion in der Medizin unterschiedliche Zusammenhänge andeuten und hängt in ihrer Wortbedeutung vom Kontext ab.

Definition: Was ist bedeutet Invasion im medizinischen Sinne?

Insgesamt benutzen Mediziner das Wort Invasion vor allem in drei Kontextsituationen:

  • für eindringende Objekte in den Körper im Sinne von invasiven Behandlungs- und Diagnostikmethoden
  • für in den Organismus eindringende Viren oder Bakterien
  • für invasive Krankheitsprozesse wie Tumorzellen, die Gewebestrukturen durchwachsen

Im Kontext der Behandlungs- und Diagnostikmethoden sind invasive Verfahren zwar noch immer verbreitet, erfordern außerhalb von absoluten Notfallsituationen aber die Einwilligung des Patienten. Da invasive Verfahren mit mehr Risiken einhergehen als konservative Ansätze, ist konservativen Methoden immer der Vortritt zu gewähren.

Invasivmedizin: Welche Arten von invasiven Behandlungs- & Diagnostikmethoden gibt es?

Bei diagnostischen und therapeutischen Invasionen nutzen Ärzte teils natürliche Körperöffnungen, so beispielsweise bei der Magenspiegelung, der Endoskopie oder der Koloskopie und Fruchtwasserspiegelung. In der ursprünglichen Bedeutung ist Invasivmedizin allerdings mit dem Durchdringen der Haut oder Schleimhaut assoziiert und verletzt somit die körperliche Unversehrtheit. Zu den typischsten Maßnahmen der Invasivmedizin gehören:

Mittlerweile kommt der minimal-invasiven​ Chirurgie ein immer höherer Stellenwert zu, so beispielsweise in Form der Laparoskopie. Bei minimal-invasiven Verfahren entstehen nur kleinste Haut- oder Weichteilverletzungen, wodurch die Belastung des Organismus gering bleibt.

Invasiver Krebs: Was passiert bei invasivem Tumorwachstum?

Die Metastasenbildung von bösartigen Tumoren kann nur dann erfolgen, wenn eine Krebserkrankung invasiv verläuft. Metastasierende Tumore sind dementsprechend immer invasiv, wohingegen nicht jeder invasive Tumor allerdings tatsächlich metastasieren muss. Dennoch ist die Invasion ein Bösartigkeitsindikator. Invasive Tumore wachsen in angrenzende Strukturen und durchbrechen Blut- sowie Lymphgefäße. Auch Metastasierung ist im weitesten Sinne eine Invasion, da der Tumor über den Prozess in entfernte Körperstrukturen eindringt. Invasive Tumore durchdringen körpereigene Sperren wie Basalmembranen und Blut-Hirn-Schranken. Sie suchen Blut- und Lymphgefäße aktiv auf und dringen in diese ein. Nach der Wanderung im Blutsystem verlassen sie anderorts das Gefäß, um sich zu vermehren.

Virologie: Was passiert bei einer Invasion durch Krankheitserreger?

Bei der Invasion ziehen sich Krankheitserreger in sogenannte Wirtszellen zurück, in denen sie vor den Antibiotikabehandlungen und Angriffen des Immunsystems geschützt sind. Die Erreger durchdringen dabei bestimmte Zellschichten und gelangen so teilweise in tiefgelegene Gewebe oder Organe vor. Als sogenannte Invasine bezeichnen Mikrobiologen Erregerstrukturen, die zur Anheftung an Zellrezeptoren im Wirtsorganismus gedacht sind. Bei der Verbindung der Krankheitserreger mit den Zellrezeptoren kommt es zu Umstrukturierungen des Zellzytoskeletts. Das Vorhandensein von Invasinen spricht für das Krankheitspotenzial von Mikroorganismen. Neutrale Bakterien tragen in der Regel keine Invasinstrukturen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.