Zustand ohne erkennbare UrsacheGesundheitslexikon: idiopathisch

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Idiopathische Schmerzen: Diese Diagnose gibt Patienten das ungute Gefühl, man würde an ihrer Symptomatik zweifeln. Dabei ist Idiopathie nicht dasselbe wie Hypochondrie. Die Beschwerden nehmen die Ärzte ernst, nur wissen sie nicht über die Ursache Bescheid. Idiopathische Symptome sind nicht auf einen umfassenderen Pathomechanismus rückführbar, können also nicht über krankheitsbedingte Körperprozesse erklärt werden. Sie scheinen daher selbst das übergeordnete Krankheitsbild zu sein. Mit der Idiopathie bezieht sich die Medizin also auf einen bislang unzureichend verstandenen Ursprung ("Pathogenese") von Krankheitszuständen.

Was bedeutet idiopathisch?

Der Ausdruck "idiopathisch" ist ein griechisches Kompositum aus den Wörtern "idios" für "selbst" und "pathos" für "Leiden". Idiopathische Erscheinungen sind also "selbst das Leiden" und lassen sich dementsprechend nicht auf einen größeren Zusammenhang zurückführen. In der medizinischen Fachsprache drücken die Begriffe "essentiell", "primär", "genuin" und "protopathisch" ähnliche Zusammenhänge aus. Das Gegenteil idiopathischer oder primärer Schmerzsymptomatik wäre beispielsweise der sekundäre Schmerz, der auf Basis einer bestimmten Erkrankung oder einer Schädigung wie einem Knochenbruch entsteht. Ein idiopathisches Krankheitsgeschehen ist in Abgrenzung dazu ein selbstständiger Krankheitszustand ohne bekannte Ursachen. Der Begriff sagt nichts über die Schwere der Erkrankung aus und wertet die Symptomatik nicht.

Wer kann von idiopathischen Krankheitszuständen betroffen sein?

Krankheitszustände können immer dann als idiopathisch bezeichnet werden, wenn sich keine fassbare Ursache ermitteln lässt. Erkrankungen wie der Ohrinfarkt bleiben bei der aktuellen Forschungslage beispielsweise idiopathisch. Zwar gibt es Vermutungen über die entstehungsbeteiligten Faktoren, allerdings sind diese Vermutungen bislang lediglich Theorien. Häufig steht Idiopathie ferner im Zusammenhang mit Entzündungsgeschehen, so beispielsweise mit Bauchspeicheldrüsenentzündungen ("Pankreatitis"). Nicht-idiopathische Bauchspeicheldrüsenentzündungen gehen auf Autoimmunerkrankungen, Gallensteine, Alkoholmissbrauch, Viruserkrankungen, genetische Fibrosen, Bauchverletzungen, Medikamente und Veränderungen der Blutfettwerte oder des Blutkalziums zurück. Kann der Arzt für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündung keine der bekannten Ursachen verifizieren, so ist von idiopathischer Pankreatitis die Rede.

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Wie unterscheidet sich Idiopathie von Hypochondrie?

Anders als bei der Hypochondrie lassen sich die Beschwerden des Betroffenen bei der Idiopathie durchaus nachweisen. Wäre etwa eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hypochondrisch, so ließen sich dagegen keinerlei Entzündungszeichen feststellen. Hypochondrische Bauchspeicheldrüsenentzündungen basieren nicht tatsächlich auf Entzündungsvorgängen, sondern entsprechen eingebildeten Beschwerden. Die Patienten entwickeln dabei vielleicht dieselbe Schmerzsymptomatik wie Entzündungsbetroffene und klagen in der Anamnese über typische Beschwerden, leiden aber nicht wirklich an der eingeredeten Erkrankung. Anders als idiopathische haben hypochondrische Beschwerden durchaus eine Ursache, nämlich die Psyche.

Warum ist eine Therapie idiopathischer Krankheitszustände so schwierig?

Wer an Krankheitszuständen unbekannter Entstehungsmechanismen leidet, stellt Ärzte vor eine große Herausforderung. Die moderne Medizin weiß, dass nur kausale Behandlungsansätze auf lange Sicht Besserung garantieren. Solche Therapiewege gehen das Krankheitsgeschehen unmittelbar an der Ursache an. Nach der Behebung der Entstehungsursache gehen alle Begleitsymptome zurück. Für idiopathische Erkrankungen lassen sich keine kausalen Therapiewege eruieren, da die Ursachen unbekannt bleiben. Deshalb können idiopathische Krankheiten ausschließlich symptomatisch behandelt werden, so bei Entzündungen wie der Bauchspeicheldrüsenentzündung beispielsweise mit entzündungshemmenden Medikamenten und einer Hormonsubstitution im Falle von begleitenden Hormonsekretionsstörungen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.