Gesundheitslexikon: Hypospadie

29. November 2018 - 15:55 Uhr

Hypospadie – angeborene Deformation der Harnröhre

Als Hypospadie wird eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre bezeichnet, die überwiegend beim männlichen Geschlecht auftritt. Eine operative Korrektur kann die einwandfreie Funktion des Penis jedoch sicherstellen.

Was ist eine Hypospadie?

Bei der Hypospadie endet die Harnröhre des Mannes nicht wie üblich an der Spitze der Eichel, sondern an der Unterseite des Penis. In den meisten Fällen liegt die Abweichung im oberen Bereich des Penis, selten verbirgt sich die Harnröhrenmündung zwischen den Hoden oder im Bereich des Darmausgangs. Die Fehlbildung zählt zu den häufigsten Entwicklungsstörungen des männlichen Penis und betrifft etwa einen von 300 neugeborenen Jungen. Bei Mädchen kommt eine Hypospadie nur selten vor: Ihre Harnröhre mündet dann in die Vaginalwand, der Urin fließt durch die Scheide ab.

Ursachen

Die Bildung der Harnröhre ist normalerweise um die 14. Schwangerschaftswoche abgeschlossen. Eine Unterbrechung der Entwicklung führt zu einer Hypospadie – je früher die Entwicklungsstörung auftritt, desto ausgeprägter ist die Fehlbildung. Welche konkreten Auslöser einer Hypospadie zugrunde liegen, ist noch unklar. Vermutlich spielen genetische und hormonelle Faktoren ebenso wie Umwelteinflüsse eine Rolle. Insbesondere Giftstoffe wie Pestizide und Dioxine stehen im Verdacht, die Bildung einer Hypospadie zu begünstigen. Untergewichtige Frühgeborene leiden häufiger an der Entwicklungsstörung als bis zum Ende der Schwangerschaft ausgetragene Babys, was einen Zusammenhang vermuten lässt.

Symptome

Sehr leichte Formen der Hypospadie verursachen keinerlei Beschwerden und werden oft nicht einmal bemerkt. Bei stärkerer Ausprägung wird das Urinieren im Stehen aufgrund der nach hinten gerichteten Harnröhrenöffnung zum Problem. Oft geht die Fehlbildung mit einer Verkrümmung des Penis einher, was den Geschlechtsverkehr behindern kann und für die Betroffenen häufig mit Schmerzen und psychischen Belastungen verbunden ist. Ist der Samenerguss beeinträchtigt, kann die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt sein. Nicht selten tritt die Hypospadie gemeinsam mit einer Verengung der Harnröhrenmündung, einem Hodenhochstand oder einer gespaltenen Vorhaut auf.

Diagnose

Meist wird die Diagnose bereits unmittelbar nach der Geburt anhand der körperlichen Untersuchung gestellt. Je nach Ausprägung der Hypospadie kann zur weiteren Abklärung und zum Ausschluss von Begleiterkrankungen eine Ultraschalluntersuchung der Harnorgane, insbesondere der Harnröhre, nötig sein. Bei Auffälligkeiten bietet eine Röntgenuntersuchung, bei der die Harnwege mittels eines Kontrastmittels sichtbar gemacht werden, weitere Anhaltspunkte. Eine stark ausgeprägte Hypospadie kann in manchen Fällen auf eine Intersexualität hindeuten: Sind auch die Hoden nicht tastbar, wird daher zum sicheren Geschlechtsnachweis eine Chromosomenanalyse sowie ein Hormonstatus durchgeführt.

Behandlung und Vorbeugung

Hypospadie bei Mädchen verursacht in der Regel keine Beschwerden, eine Behandlung ist daher nicht notwendig. Bei Jungen sollte vor dem zweiten Lebensjahr eine operative Korrektur der Fehlbildung erfolgen. Bei diesem in Vollnarkose stattfindenden Eingriff wird die Harnröhre bis an die Spitze der Eichel verlängert und zugleich eine eventuell vorhandene Peniskrümmung korrigiert. Dadurch wird die normale Funktion von Penis und Harnröhre sichergestellt, Probleme im späteren Leben beim Harnlassen und Geschlechtsverkehr können so vermieden werden. Einer Hypospadie vorzubeugen ist nicht möglich, da die auslösenden Faktoren noch nicht sicher bekannt und kaum beeinflussbar sind.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.