Gesundheitslexikon: Hyperglykämie (Überzuckerung)

15. Juli 2019 - 11:42 Uhr

Hyperglykämie - nicht lebensgefährlich, aber mit Spätfolgen verbunden

Die Hyperglykämie ist vielen vor allem im Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit ein Begriff. In den Industrienationen spielen Hyperglykämien bei der Erstdiagnose des Diabetes mellitus Typ 2 eine weitaus größere Rolle als bei anderweitig bedingte Überzuckerungen.

Was ist eine Hyperglykämie?

Als Hyperglykämie (Überzuckerung) gilt der Zustand eines erhöhten Blutzuckerwertes von über 140 mg/dl. Dabei ist es irrelevant, ob dieser nur kurzfristig über einige Stunden oder langfristig über Wochen erhöht ist. Während sich Unterzuckerung schnell bemerkbar macht, ist es möglich, dass die Hyperglykämie lange unbemerkt bleibt. Ist der Zustand einer Hyperglykämie dauerhaft, beispielsweise aufgrund von Übergewicht, so reizt der permanent hohe Blutzucker die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse, mehr Insulin zu produzieren, um einen normalen Blutzucker zu erreichen. Auf Dauer erschöpfen sich die ß-Zellen, eine chronische Hyperglykämie entsteht.

Ursachen

Für den Typ-1-Diabetes liegt die Ursache des erhöhten Blutzuckers in einer Autoimmunerkrankung. Grund für den Diabetes mellitus Typ 2 sind beispielsweise Bewegungsmangel, Adipositas, Alkoholmissbrauch oder zu viel Fett in Bauchraum und Leber. Dies führt zu einer verminderten Wirksamkeit des Hormons Insulin. Insulin sorgt dafür, dass die Kohlenhydrate aus der Nahrung vom Darm in die Körperzellen gelangen. Bei den genannten Risikofaktoren kommt es zwar zu einer normalen Insulinausschüttung, jedoch kann das Hormon seine Wirkung nicht entfalten. Folge ist ein verminderter Einstrom von Glukose in die Zellen und somit ein Rückstau im Blut, die akute Hyperglykämie.

Symptome

Da der Körper sich an die zu hohen Blutzuckerwerte gewöhnen kann und sich keine Symptome ausbilden, ist die Hyperglykämie oftmals ein Zufallsbefund beim Arzt oder ein Notfall im Krankenhaus. Patienten mit Hyperglykämien weisen neben Blutzuckerwerten von bis zu 1.000 mg/dl oftmals folgende Symptome auf:

- Austrocknungserscheinungen an Zunge, Haut und Schleimhäuten

- Müdigkeit und Abgeschlagenheit

- Sehstörungen

- Hautirritationen wie etwa Mykosen oder Pruritis

- Zucker im Urin

- eventuell bereits vorhandene Folgekrankheiten wie das diabetische Fußsyndrom, Nierenschäden u. a.

Diagnose

Zusätzlich zum Blutzuckerwert, der sowohl venös als auch kapillar ermittelt wird, kann ein Arzt noch Blutentnahmen anordnen, die Auskunft über den sogenannten HbA1c geben. Dieser Wert gibt an, wie viele Zuckermoleküle sich an die roten Blutkörperchen geheftet haben und indiziert, wie sich der Blutzucker innerhalb der letzten drei Monate entwickelt hat. Bei Verdacht auf eine Diabeteserkrankung ist ein oraler Glukosetoleranz-Test (oGTT) angebracht. Bei diesem Test trinkt der Patient eine Glukoselösung und per Blutentnahme wird verfolgt, wie der Körper auf die hohe Zuckerzufuhr reagiert.

Behandlung und Therapie

Um Spontankomplikationen wie ein ketoazidotisches Koma oder Spätfolgen wie Infarkte, Nierenversagen, Sehschäden oder chronische Beinwunden zu vermeiden, ist nach der Hyperglykämie- und Diabetesdiagnose eine umgehende Blutzuckerregulierung nötig. Neben der Einnahme von Tabletten und Insulinen ist es wichtig, die ursächlichen Faktoren zu behandeln und gegebenenfalls auch Blutdruck- oder Blutfettsenker einzunehmen. Zudem ist eine Anpassung der Lebensführung wichtig. Mithilfe von Diabetesschulungen zu Bewegung, Ernährung, Alkoholkonsum, Beruf und Krankheitsmanagement gelangen viele Hyperglykämiepatienten zu mehr Lebensqualität und einer höheren Lebenserwartung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.