Spielt in unserem Blutkreislauf eine sehr wichtige Rolle

Gesundheitslexikon: Fibrinogen (Gerinnungsfaktor I)

© iStockphoto

6. September 2019 - 13:06 Uhr

Fibrinogen: wichtiger Faktor für die Blutgerinnung

Fibrinogen ist ein wichtiger Bestandteil der Blutgerinnung. Welche Aufgaben das Fibrinogen hat und welche Erkrankungen mit dem Makromolekül zusammenhängen, erklären wir hier.

Was ist Fibrinogen?

Das Fibrinogen ist ein Glykoprotein mit einer länglichen, leicht geschlängelten Form. Es ist Bestandteil des Blutkreislaufs und ein sehr wichtiger Faktor für die Blutgerinnung. In der Fachsprache wird das Fibrinogen deswegen auch als Gerinnungsfaktor I bezeichnet. In Verbindung mit weiteren Gerinnungsfaktoren gewährleistet das Fibrinogen eine gesunde Hämostase. Als Hämostase werden das Zusammenspiel der einzelnen Gerinnungsfaktoren und ein hieraus resultierender gesunder Wundverschluss bezeichnet. Fibrinogen ist nur eine Komponente eines komplexen Vorgangs, der als Gerinnungskaskade beschrieben wird.

Vorkommen

Das Fibrinogen wird von den Leberzellen produziert und anschließend in den Blutkreislauf abgegeben. Dort kann das Glykoprotein seine Aufgabe als Gerinnungsfaktor erfüllen und trägt somit zu einem gesunden und gut funktionierenden Kreislaufsystem bei. Verschiedene Mediatoren stimulieren die Produktion von Fibrinogen in der Leber. Insbesondere bei akuten Entzündungsvorgängen kann auch ein erhöhter Fibrinogenspiegel gemessen werden. Eine Leberschädigung kann hingegen einen Mangel an Fibrinogen auslösen. Fehlt Fibrinogen, kommt es bei jemandem mit einer schweren Verletzung wahrscheinlich zu schweren Komplikationen.

Funktion

Fibrinogen spielt eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung. Wenn es an den Wänden der Blutgefäße zu Verletzungen kommt, so tritt eine Reaktionskaskade in Kraft. Zunächst lagern sich Blutplättchen (Thrombozyten) an der Wunde an. Zwischen den kleinen Blutplättchen fädelt sich das schlangenförmige Fibrinogen ein und gewährt dem angesammelten Blutpfropfen zusätzlichen Halt. Gleichzeitig lagern sich nun auch rote Blutkörperchen (Erythrozyten) an, da sie am Fibrinogen haften bleiben und verleihen zusätzliche Stabilität. Abschließend kommt das Hormon Thrombin ins Spiel. Es spaltet das Fibrinogen und so entsteht Fibrin, welches den Blutpfropfen verhärtet und somit die Gerinnungskaskade abschließt.

Was passiert bei einem Mangel bzw. Überschuss an Fibrinogen?

Ein Mangel oder Überschuss an Fibrinogen kann mit verschiedenen Erkrankungen zusammenhängen. Das Fibrinogen ist ein labordiagnostischer Marker für sogenannte "akute-Phase-Reaktionen". So wird der übliche Entzündungsablauf bei Infektionen bezeichnet. Liegt eine Entzündung vor, kann ein erhöhter Fibrinogenwert neben weiteren Laborparametern wie dem C-reaktiven Protein darauf hinweisen. Für eine kurzzeitige und offensichtliche grippale Erkrankung sind die Parameter überflüssig. Bei chronischen Infektionen oder einem Immundefekt ist das Fibrinogen hingegen ein nützlicher Marker. Ein niedriger Fibrinogenwert kann hingegen auf eine erworbene Leberfunktionsstörung oder eine angeborene Dysfibrinogenämie, also einen genetischen Defekt, hinweisen. Genetisch bedingte Strukturveränderungen des Fibrinogens ergeben ein Krankheitsbild, das der Bluterkrankheit (Hämophilie) ähnelt.

Wie wird Fibrinogen in der Medizin eingesetzt?

Fibrinogen kann bei einem Fibrinogenmangel verabreicht werden. Hierzu werden Injektions- beziehungsweise Infusionslösungen mit einer Konzentration von circa 20 Milligramm Fibrinogen verwendet. Häufig werden fibrinogenhaltige Medikamente auch als Pulver angeboten. Die Therapie sollte in Anwesenheit eines Facharztes für Gerinnungsstörungen vollzogen werden. Da Fibrinogen ein natürlicher Blutbestandteil ist, treten Nebenwirkungen sehr selten auf. Zu diesen zählen allergische Reaktionen und ein Anstieg der Körpertemperatur. In Einzelfällen kommt es zu schwerwiegenden Folgen wie thromboembolischen Komplikationen – einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.