Zumeist Facharzt für Unfallchirurgie

Gesundheitslexikon: Durchgangsarzt (D-Arzt)

Ein Durchgangsarzt (D-Arzt) ist zumeist als Facharzt für Unfallchirurgie niedergelassen oder als solcher in einem Krankenhaus tätig
© Franz Pfluegl

09. Juli 2019 - 9:25 Uhr

Der Durchgangsarzt (D-Arzt)

Arbeitnehmer sollten mit der Möglichkeit rechnen, während der Arbeit oder auf dem Weg dorthin einen Unfall zu erleiden. Dies gilt umso mehr, wenn sie arbeitsspezifischen Gefahren ausgesetzt sind. Im Fall eines Schadenseintritts können Sie nicht zu einem beliebigen Arzt gehen, sondern müssen einen Durchgangsarzt (kurz D-Arzt) aufsuchen. Die wichtigsten Fragen zu diesem Thema haben wir für Sie zusammengetragen.

Weshalb gibt es Durchgangsärzte?

Im Falle eines Arbeits- und Wegeunfall werden die Arzt- und weiteren Behandlungskosten nicht von den Krankenkassen, sondern von den gesetzlichen Unfallversicherungen übernommen. Dies sind die Berufsgenossenschaften oder - bei Angestellten des öffentlichen Dienstes - Unfallkassen. Da die Unfallversicherungen sämtliche Kosten des Unfalls übernehmen, beauftragen sie bestimmte von ihnen zugelassene Vertragsärzte, die sogenannten Durchgangsärzte. Sie sind die ersten Ansprechpartner des Verunfallten und koordinieren die gesamte Behandlung bis zu deren Ende. Die freie Arztwahl für den Patienten ist in diesem Fall somit erheblich eingeschränkt.

Was ist ein Durchgangsarzt?

Bei einem Durchgangsarzt handelt es sich um einen Facharzt für Chirurgie oder Orthopädie mit dem Schwerpunkt "Spezielle Unfallchirurgie" und einer besonderen Zulassung durch die gesetzlichen Unfallversicherungen, in deren Auftrag er tätig wird. Auch Selbständige wenden sich bei freiwilliger Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Unfallversicherung an einen Durchgangsarzt. Er hat eine spezialisierte Ausbildung absolviert und muss über eine besonders ausgestattete Praxis verfügen, in der beispielsweise ein Röntgenraum eingerichtet sein muss. Nicht zuständig ist der Durchgangsarzt bei Verdacht auf oder dem tatsächlichen Vorliegen einer Berufskrankheit.

Aufgaben des Durchgangsarztes

Der Durchgangsarzt ist nach einem Arbeitsunfall die erste Anlaufstelle für den Patienten. Er erstellt die Diagnose und entscheidet über den weiteren Behandlungsverlauf. Dazu zählt zum Beispiel die Überweisung an eine geeignete Einrichtung oder einen entsprechenden Facharzt. Daher rührt auch die Bezeichnung: Er ist sozusagen der "Durchgang", den man auf dem Weg zu anderen Ärzten passieren muss. Für die Unfallversicherung verfasst er einen Bericht, der unter anderem den Unfallhergang beinhaltet. Auch bei der Weiterbehandlung durch andere Ärzte verbleibt bis zu deren Abschluss die eigentliche Zuständigkeit beim Durchgangsarzt.

Wann muss ein Durchgangsarzt aufgesucht werden?

Bei einem Arbeitsunfall ist der Durchgangsarzt grundsätzlich immer aufzusuchen. Ein eventuell zuerst konsultierter anderer Arzt muss an einen Durchgangsarzt überweisen.

Doch es gibt Ausnahmen: Bei leichten Unfällen, die die Arbeitsfähigkeit nicht über den Unfalltag hinaus beeinträchtigen kann auch ein Allgemeinmediziner tätig werden, solange die Behandlung nicht länger als eine Woche betragen wird. Besonders schwere Verletzungen erfordern selbstverständlich die sofortige Verbringung in ein ausgewähltes und von den Unfallversicherungen zugelassenes Krankenhaus. Bei Verletzungen, die eine HNO- oder zahnmedizinische Behandlung notwendig machen, sollte hingegen ein Facharzt aufgesucht werden.

Wie finde ich einen Durchgangsarzt?

In Deutschland gibt es etwa 3.500 zugelassene Durchgangsärzte. Da diese im Internet ihre Qualifikation in der Regel kenntlich machen, gestaltet sich eine Online-Suche als nicht allzu schwierig. Eine präzise Suche ist in der Datenbank "Durchgangsärzte" der Landesverbände der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) möglich. Bei Vorliegen schwerer oder schwerster Verletzungen nehmen die örtlichen Rettungsleitstellen anhand eines Verletzungsartenverzeichnisses die Zuweisung an ein geeignetes Krankenhaus vor. Im Fall einer Selbsteinweisung treffen die Durchgangsärzte in der Notaufnahme des vom Patienten aufgesuchten Krankenhauses weitere Entscheidungen.