Erkrankung des zentralen Nervensystems

Gesundheitslexikon: BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie, Rinderwahn)

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8. April 2019 - 15:08 Uhr

BSE: Was steckt hinter dem Rinderwahn?

Die Gefahren von BSE werden seit den 1990er Jahren debattiert. Die Erkrankung steht seitdem immer wieder im medialen Fokus und sorgt für Ängste bei den Verbrauchern. Was genau mit Rindern passiert, die mit BSE infiziert sind, wissen allerdings die wenigsten.

Was ist BSE?

Als BSE wird eine pathologische Veränderung des Rinderhirns bezeichnet. Die Abkürzung BSE steht für "Bovine spongiforme Enzephalopathie" und lässt sich mit "krankhafte, schwammartige Veränderung des Rinderhirns" übersetzen. Als schwammartig wird die Veränderung bezeichnet, da das Hirn des kranken Tieres Löcher aufweist, die an einen Schwamm erinnern. Beim Menschen wird die Erkrankung als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) bezeichnet. Die Symptome und Ursachen von BSE und CJK sind aber gleich. Zur Diskussion steht letztendlich, ob BSE vom Rind auf den Menschen übertragen werden kann und somit die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst.

Ursachen für BSE

Die Ursachen für alle spongiformen Enzephalopathien und somit auch für die Krankheit BSE stellen sogenannte Prionen dar. Als Prion wird ein Eiweißmolekül bezeichnet, das eine ungewöhnliche Struktur aufweist. Als Eiweißmolekül kann das Prion ungehindert die Zellwände passieren und durch Anlagerung an gesunde Eiweißmoleküle diese ebenfalls in Prionen umwandeln. Es kommt in der Folge zu einer Kettenreaktion, die schlussendlich zur Zerstörung der Zelle führt. Nun können sich die entstandenen Prionen auf viele weitere Zellen ausbreiten und hier ebenfalls eine Kettenreaktion auslösen.

Symptome des Rinderwahns

Bei mit BSE infizierten Rindern zeigen sich zunächst Koordinationsstörungen. Besonders in den Bewegungsabläufen lassen sich starke Schwierigkeiten erkennen. Das Rind beginnt zu straucheln und stolpert über die eigenen Beine. Gleichzeitig äußern sich auch nervliche Beschwerden beim Tier. Schreckhafte Reaktionen auf starke Licht- und Geräuschquellen sowie ein zittriges Muskelspiel lassen sich erkennen. Beim menschlichen Äquivalent, der CJK, lassen sich ähnliche Störungen der Motorik und Koordination feststellen. Da hier aber der geistige Zustand in den Vordergrund tritt, fallen CJK-Patienten besonders durch ausgeprägte Gedächtnis- und Wahrnehmungsstörungen sowie eine starke Persönlichkeitsveränderung auf.

Diagnose

Die Diagnose auf BSE wird bei toten Rindern mittels Hirnuntersuchung gestellt. Sowohl histologische Nachweise der charakteristischen Hohlräume (Vakuolen) im Rinderhirn als auch ein immunhistochemischer Befund von Prionen können den BSE-Verdacht bestätigen. Weitere Schnelltests wie der ELISA-Test auf Prionen-Antikörper bestehen seit 1999 und sind bei Menschen und Tieren anwendbar. Seit dem Jahr 2005 sind außerdem Direktnachweise möglich. Durch die Resistenz gegenüber Proteasen (proteinspaltende Enzyme) können die schädlichen Prionen im Blut von Menschen und Tieren nachgewiesen werden.

Therapie & Vorbeugung

Eine Genesung von BSE ist für die Rinder nicht möglich. Therapeutische Maßnahmen gegen Prionen bleiben bis zum heutigen Tag unerforscht. Da es sich bei den schädlichen Eiweißmolekülen nicht um herkömmliche Krankheitserreger (Pathogene) handelt, besteht keine Immunkompetenz. Die Prionen haben einen freien Zugriff auf Körper- und Nervenzellen. Um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung zu vermeiden, unterliegen darum komplette Rinderherden bei vorliegendem BSE-Verdacht einer Keulung. Die nicht vorhandenen Heilungschancen treffen auch auf das menschliche Äquivalent von BSE, die Creutzfeld-Jakob-Krankheit, zu. Das schwere Schicksal lässt sich durch intensive Betreuung und lindernde Medikation nur geringfügig abmildern.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.