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Gesundheitslexikon: Anilin

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2. April 2019 - 9:27 Uhr

Anilin – wichtiger chemischer Grundstoff und Blutgift zugleich

Anilin gehört zu den Grundstoffen in der chemischen Industrie, die auch eine toxische Wirkung auf den Körper ausüben können. Ohne Anilin würde es viele Farbstoffe, Kunstfasern, Treibstoffe für die Raumfahrt oder Medikamente nicht geben. Allerdings gab es seit Beginn der industriellen Erzeugung dieser Verbindung im Jahre 1873 immer wieder schwere Unfälle, die manchmal zum Tod der Betroffenen geführt haben. Außerdem traten oft langfristig chronische Erkrankungen wie Blasenkrebs auf, die auf Anilin zurückgeführt werden konnten. Wir erklären, was Anilin ist, wie es auf den Organismus wirkt und was bei einer Vergiftung getan werden muss.

Was ist Anilin?

Anilin ist eine unangenehm nach Aminen riechende, hellbraune, ölige Flüssigkeit. An der Luft findet eine leicht bräunliche Verfärbung statt. Als chemischer Grundstoff stellt Anilin ein einfaches aromatisches Amin dar. Es wurde erstmalig im Jahre 1826 durch den deutschen Apotheker Otto Unverdorben durch Destillation aus dem Farbstoff Indigo gewonnen. Anilin wird seit dem Jahre 1873 aus Kohle oder Erdöl gewonnen und ist seitdem ein Ausgangsstoff für die Herstellung vieler Produkte des täglichen Bedarfs. Allerdings wirkt es akut als starkes Blutgift und führt bei chronischer Einwirkung häufig zu Blasenkrebs.

Ursachen der Beschwerden bei einer Anilinvergiftung

Bei der akuten Vergiftung wirkt Anilin als Blutgift. Es reagiert mit dem Hämoglobin des Blutes zu Methämoglobin. Methämoglobin ist nur in der Lage, dreiwertiges Eisen zu binden. Dreiwertiges Eisen kann zwar Sauerstoff aufnehmen, allerdings in den Zellen nicht mehr abgeben. Aus diesem Grunde kommt es beim Einatmen, Verschlucken oder Eindringen von Anilin über die Haut zu schweren Atemwegsproblemen oder gar zum Tod durch Ersticken. Die tödliche Dosis liegt nach Schätzungen zwischen 50 und 500 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei chronischer Einwirkung von Anilin kann die Erbsubstanz verändert werden, was in vielen Fällen zu Blasenkrebs führt.

Symptome der Anilinvergiftung

Bei der akuten Vergiftung mit Anilin kommt es zu einer Blaufärbung von Haut und Fingernägeln (Zyanose), Schwindelanfällen und Erregungszuständen, die als Euphorie erscheinen. Diese euphorisierenden Erregungszustände werden auch als Anilin-Pips bezeichnet. Wenn die einwirkenden Anilinkonzentrationen sehr hoch sind, zeigen sich zusätzlich starke Kopfschmerzen, Atemprobleme und Bewusstseinsstörungen, die tödlich enden können. Der Höhepunkt der Giftwirkung wird nach fünf bis sechs Stunden erreicht. Bei chronischen Anilinvergiftungen dominieren die Symptome Appetitlosigkeit und allgemeines Schwächegefühl. Langfristig ist in diesen Fällen die Entstehung von Blasenkrebs möglich.

Diagnose, Behandlung und Vorbeugung

Wenn Beschwerden im Zusammenhang mit der Einwirkung von Anilin auftreten, kann sehr schnell sowohl auf eine akute als auch chronische Anilinvergiftung geschlossen werden. Akute Anilinvergiftungen stellen einen Notfall dar, der schneller ärztlicher Hilfe bedarf. Als Erstmaßnahme muss der Betroffene schnell an die frische Luft gebracht, die Körperoberfläche intensiv gewaschen sowie bei Verschlucken Erbrechen ausgelöst oder Aktivkohle gegeben werden. Der Ersthelfer sollte unbedingt auf den Eigenschutz achten. Die folgenden ärztlichen Maßnahmen richten sich nach dem Grad der Vergiftung. Dazu zählen unter anderem künstliche Beatmung und Wiederbelebungsmaßnahmen. Um eine chronische Anilinvergiftung zu verhindern, sind unbedingt die strengen Arbeitsschutzmaßnahmen bei der Arbeit mit Anilin zu beachten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.