Die Neuerung zielt auf intersexuelle Menschen

Gesetzesänderung: "Divers" als drittes Geschlecht im Geburtenregister wählbar

18. Dezember 2018 - 22:17 Uhr

Dritte Option neben "männlich" und "weiblich"

Wer weder eindeutig männlich noch weiblich ist, hat künftig die Möglichkeit, beim Eintrag im Geburtenregister "divers" als dritte Geschlechtsoption zu wählen. Die entsprechende Gesetzesänderung hat der Bundestag nun beschlossen und setzt damit eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts um.

Intersexuelle Menschen sollen damit mehr Würde bekommen

Diese Änderung soll intersexuellen Menschen, deren Körper sowohl weibliche als auch männliche Merkmale aufweisen, mehr Würde und positive Identität geben: Sie können künftig "divers" als dritte Geschlechtsoption ins Geburtenregister eintragen lassen. Bisher gab es neben "männlich" und "weiblich" nur die Möglichkeit, "ohne Angaben" zu wählen. 

Schätzungsweise 100.000 Kinder in Deutschland werden mit einem uneindeutigen Geschlecht geboren. Vorher gab es für sie nur die Option, erst einmal gar kein Geschlecht eintragen zu lassen.

Dem Gesetzesentwurf zufolge kann der Eintrag im Geburtenregister nachträglich geändert werden, wenn nach der Geburt ein falsches Geschlecht gewählt wurde. Dann wird es für den Betroffenen auch möglich sein, seinen Vornamen zu ändern. Aber: Für spätere Änderungen muss eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. 

Kritik wegen Notwendigkeit eines ärztlichen Attests

Diese Vorgabe stößt auf Kritik: "Änderungen des Vornamens und des rechtlichen Geschlechts müssen auf Antrag beim Standesamt möglich sein", erklärte etwa der Lesben- und Schwulenverband. "Entwürdigende Begutachtungen und Pathologisierungen müssen abgeschafft werden", so die Organisation. Der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter kritisierte außerdem, dass diese Reform Transsexuelle weiter ausschließe.

Im Herbst 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht beschlossen, dass die bisherige Rechtslage gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot verstoße. Aus diesem Grund verlangten die Richter eine Neuregelung bis Ende dieses Jahres, die damit nun beschlossen wurde.