Geiselgangster von Gladbeck: Plötzlicher Therapiewunsch - Rösner wäre auch gerne frei

Prozess gegen Rösner (Archiv)
© picture-alliance/ dpa, Franz-Peter Tschauner

17. Oktober 2017 - 11:22 Uhr

Gladbeck, Rösner, Degowski: Deutsche Kriminalgeschichte

Vor fast 30 Jahren blickte ganz Deutschland auf die Stadt Gladbeck. Dort nahm ein 54-stündiges Geiseldrama seinen Anfang, in dessen Verlauf drei Menschen starben, bis die Verbrecher schließlich festgenommen werden konnten. Seitdem haben die beiden Geiselgangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner einen festen Platz in der deutschen Kriminalgeschichte. Entsprechend groß war die Aufregung, als die Nachricht von der bevorstehenden Freilassung Degowskis die Runde machte. Auch Rösner wird das mitbekommen haben. Möglicherweise möchte er nun deshalb auch eine Perspektive auf einen Lebensabend in Freiheit.

Bislang hielt sich Rösner nicht für "gestört"

Die Leiterin der JVA Aachen, Reina Blikslage, sagte gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger, dass Rösner sich entschieden habe, "im November mit einer Therapie zu beginnen". Der Auslöser sei der Wunsch auf ein Leben in Freiheit. In den rund 26 Jahren seit seiner Verurteilung im Jahre 1991 zu lebenslanger Haft hat Rösner eine Therapie bislang immer abgelehnt, "weil er der Meinung war, nicht gestört zu sein", so Blikslage.

Degowski und Rösner waren 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, Rösner hatte zusätzlich Sicherheitsverwahrung bekommen. Darüber hinaus wurde 2009 in seiner Zelle Heroin gefunden, was ihm eine zusätzliche Strafe von sechs Jahren einbrachte. Die Sicherheitsverwahrung könnte zur Bewährung ausgesetzt werden. Dies möchte Rösner mit seinem Schritt wohl erreichen, um seinem Komplizen folgen zu können, der nicht nur die Freiheit, sondern auch eine neu Identität erhalten soll. Außerdem hat Degowski – aufgrund seiner Arbeit im Gefängnis – Recht auf Arbeitslosengeld, wenn er das Gefängnis verlässt. Wie es bei Rösner weitergeht, bleibt allerdings noch abzuwarten