"Sie lieben Süßes und werden auch noch dick dabei"

Gegen Infektionen: Bauer gibt seinen Ferkeln Cola

Wenn Ferkel keine Muttermilch mehr erhalten, ist dies für sie eine große Umstellung. In dieser heiklen Phase steigt auch die Krankheitsgefahr. Bauer Ruedi Bigler gibt seinen Ferkeln dann Cola.
Wenn Ferkel keine Muttermilch mehr erhalten, ist dies für sie eine große Umstellung. In dieser heiklen Phase steigt auch die Krankheitsgefahr. Bauer Ruedi Bigler gibt seinen Ferkeln dann Cola.
© petergerber.com, Blick/Peter Gerber

11. August 2021 - 13:18 Uhr

Bauer Ruedi tränkt seine Ferkel mit Cola

Die Umstellung von Muttermilch auf feste Nahrung kann für Ferkel gefährlich werden: In dieser Zeit sind sie anfällig für Infektionskrankheiten und ihr Immunsystem ist enorm gefordert. Eine Durchfall-Erkrankung könnte hier schon tödlich enden. Um die Tiere zu retten, werden vielfach Medikamente eingesetzt. Der Schweizer Bauer Bigler geht einen anderen Weg: Er tränkt seit rund zwei Jahren das Futter seiner Ferkel mit Cola. Seitdem könne er komplett auf Medikamente und Antibiotika verzichten. Zuerst berichtete "blick.ch".

Cola statt Medikamenten?

Ruedi Bigler betreibt im Schweizer Kanton Bern einen Betrieb mit Mutterschweinen und Ferkelaufzucht. Zehn Tage lang dauert es, die Ernährung der Ferkel von der Muttermilch auf die feste Mastnahrumg umzustellen. In dieser Zeit sind die kleinen Schweinchen anfällig für Infektionen – besonders häufig durch Coli-Bakterien: Diese gelangen durch orale Aufnahme in den Körper eines Ferkels und docken an der Darmschleimhaut an. Dort bilden die E.coli-Bakterien Giftstoffe, die im Dünndarm eine Sekretionsstörung verursachen und Durchfall auslösen. Durch den Flüssigkeitsverlust fehlen den Ferkeln Nährstoffe. Ohne Behandlung könnten sie sterben.

Üblicherweise erhalten die Ferkel dann Medikamente. Bauer Bigler verabreicht erstmal Cola: "Wir geben die Cola über das Futter – eine Bucht von 30 Ferkel bekommt rund drei Liter Cola am Tag und die Säuli fressen es gerne, weil es sehr süß ist", sagt Landwirt Ruedi Bigler im Gespräch mit RTL. Sobald die Ernährungsumstellung abgeschlossen sei, ist auch die Tränkung mit Cola für die Ferkel vorbei – wahrscheinlich zu deren größtem Bedauern, denn Ferkel seien da nicht anders als Menschen: "Sie lieben Süßes und ein positiver Nebeneffekt, sie werden auch noch dick dabei", witzelt Bauer Bigler.

Kein Ersatz für Antibiotika

Auch wenn Landwirt Bigler, seitdem er seinen Ferkeln Cola verabreicht, keine Medikamente mehr einsetzt, und damit sehr gute Erfahrungen gemacht hat: Als Alternative zum Antibiotikum sieht die Fachabteilungsleiterin des Bayerischen Schweinegesundheitsdienstes, Dr. Anja Rostalski, die Zuckerlimonade auf keinen Fall. Helfen könne es ihrer Meinung nach – wie bei Menschen auch – wegen der im Getränk enthaltenen Säure, bei leichten Durchfallerkrankungen und Bauchweh. Auch der Energiehaushalt der kleinen Schweine nach Durchfällen könne dadurch wieder ausgeglichen werden. Produkte wie Cola senken den pH-Wert im Magen, der bei den Ferkeln, bei denen die Muttermilch abgesetzt wird, meistens etwas zu hoch ist. Ein niedriger pH-Wert fördert die Verdauung und hemmt Krankheitserreger.

Allerdings ist Cola in Deutschland futterrechtlich nicht zugelassen, darf also von hiesigen Schweinehaltern nicht eingesetzt werden. (psc)