Gefährlicher Futter-Trend "Barfen"

Wieso das Hundefutter dem Menschen den Tod bringen kann

Is(s)t der Hund gesund, freut sich der Mensch - aber ist es auch für den Menschen gesund?
Is(s)t der Hund gesund, freut sich der Mensch - aber ist es auch für den Menschen gesund?
© iStockphoto, iStock, Zontica

14. Juli 2021 - 10:43 Uhr

Forscher sehen internationales Risiko für das Gesundheitswesen

Rohes Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse und Obst - immer mehr Hundebesitzer schwören auf "Biologisch Artgerechte Rohfütterung", kurz BARF. Ob nun aus Misstrauen gegenüber der Futtermittelindustrie, oder einfach, weil das Tier natürlich, gesund und nach individuellen Zusammenstellung gefüttert werden soll. Doch schon länger warnen Forscher davor, dass auf diesem Weg für den Mensch ganz und gar Ungesundes verbreitet wird: antibiotikaresistente Bakterien. Aktuell zeigen dies wieder zwei Studien aus Portugal.

WHO warnt immer wieder vor Antibiotikaresistenzen

Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 700.000 Menschen an resistenten Infektionen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Antibiotikaresistenzen deswegen als eine der größten Bedrohungen im Gesundheitswesen ein. Diese Zahl werde bis 2050 auf 10 Millionen ansteigen, wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, so die Experten. Eine Maßnahme ist natürlich, die Keim-Quellen zu identifizieren. Als eine dieser Quellen wurde auch in der Vergangenheit schon immer wieder rohes Hundefutter-Fleisch identifiziert. Zwei neue Studien aus Portugal geben der Warnung vor den multiresistenten Keimen nun neues Futter.

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Colistin-resistente Bakterien bei Hund und Mensch

Juliana Menezes ist Doktorandin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lissabon. Zusammen mit Professorin Constança Pomba untersuchten sie in 70 Haushalten Hunde und ihre Besitzer auf diverse Bakterien. Dabei suchten sie nach einem Gen in den Bakterien, das gegen das Antibiotikum Colistin resistent ist. Tatsächlich wurde es bei drei gesunden Menschen und zwei Hunden gefunden. Das bedeutet: Sie sind gegen das Antibiotikum resistent, es wirkt bei ihnen nicht. Colistin wurde von der WHO als Antimikrobiotikum höchster Priorität für die Humanmedizin eingestuft. Das Mittel gilt als letzte Wahl zur Behandlung von Intensivpatienten.

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Enterokokken in allen Rohfutterprodukten

Die zweite Studie gibt den Hinweis, welchen Ursprung diese multiresistenten Bakterien haben könnten. Ana Raquel Freitas und ihr Team untersuchten verschiedene Hundefutter-Arten, nämlich Nass–, Trockenfutter und Rohfleisch. Im Zuge dessen konnten die Forscher insgesamt 163 Enterokokken-Arten nachweisen - allesamt gegen verschiedene Antibiotika resistent, zum Beispiel Ampicillin, Ciprofloxacin oder Erythromycin, die oft von Ärzten verschrieben werden. In neun Prozent des Nassfutters wurden Enterokokken gefunden, in 53 Prozent des Trockenfutters - und in allen Rohfutterprodukten fanden die Wissenschaftler das multi-resistente Bakterium.

Händewaschen nach Umgang mit der Tiernahrung

"Der enge Kontakt von Menschen mit Hunden und die Kommerzialisierung der untersuchten Marken in verschiedenen Ländern stellt ein internationales Risiko für die öffentliche Gesundheit dar", warnte Forscherin Ana Freitas in einer Pressemitteilung. Darin fordert sie die europäischen Behörden auf, das Bewusstsein für die Gesundheitsrisiken von rohem Fleisch für Haustiere zu schärfen. Hundebesitzern empfahl sie, sich jedesmal nach dem Umgang mit Tiernahrung oder der Entsorgung von Kot die Hände zu waschen. (ija)

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