Gas-Zoff geht weiter

Industrie fordert neue Regeln für Verteilung

Streit um Gasversorgung geht weiter Unternehmen warnen vor Gasmangellage
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Unternehmen warnen vor Gasmangellage
Streit um Gasversorgung geht weiter

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Wer bekommt Gas, wenn es nicht mehr für alle reicht? Private Haushalte haben Vorrang bei der Versorgung, zumindest vor Unternehmen – so sieht die derzeitige Lage aus. Doch das will die Wirtschaft nicht einfach so hinnehmen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangt, die Versorgung mit Erdgas für den Fall eines Mangels neu zu regeln.

BDI fordert neue Regeln für Gasverteilung

„Die aktuellen Priorisierungsregeln in einer Gasmangellage wurden für eine kurzfristige Unterbrechung einzelner Leitungen geschaffen“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm am Montag in Berlin. „Für die harte neue Energie-Realität muss die Politik in Berlin und Brüssel eine neue Regelung schaffen. Diese hat alle Teile der Gesellschaft entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit in die Pflicht zu nehmen.“

21.06.2022, Berlin: Siegfried Russwurm, Präsident des Industrieverbandes BDI, spricht zur Eröffnung beim BDI-Tag der deutschen Industrie (BDI). Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
BDI-Tag der deutschen Industrie
mkx kde, dpa, Michael Kappeler

Russwurm erwartet, dass auf Deutschland „ein langfristig andauernder Gasmangel“ zukommt. Jetzt zähle „jede eingesparte Kilowattstunde Gas und Strom“, sagte er. „Neben Unternehmen, Kommunen und Ländern müssen Privatverbraucherinnen und -verbraucher Teil der massiven Energiesparkampagne werden.“

Unter Priorisierung versteht man die Reihenfolge, in der private Haushalte und Unternehmen bei einem akuten Mangel Erdgas bekommen. Gemäß der geltenden EU-Verordnung und dem deutschen Notfallplan Gas sollen bestimmte Verbrauchergruppen möglichst bis zuletzt mit Gas versorgt werden. Zu diesen geschützten Verbrauchern gehören Privathaushalte, soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Gaskraftwerke, die zugleich Haushalte mit Wärme versorgen.

Nord Stream 1: "Nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren"

Nach Worten von Russwurm sollte Deutschland „in der Vorbereitung auf alle denkbaren Szenarien ab dem Ende der Revision von Nord Stream 1 nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren“. Die Industrie erwarte „noch im Sommer ein klares Startsignal für Auktionen“ für Unternehmen, die dabei nicht genutzte Gasmengen zur Verfügung stellen können. Außerdem sollten die Behörden den Wechsel von Gas zu anderen Brennstoffen mit schnellen und einfachen Genehmigungen für Unternehmen ermöglichen.

Seit Montag, 11. Juli, fließt kein Gas mehr durch Nord Stream 1, die wichtigste Pipeline für Erdgas aus Russland. Der Gastransport wurde für jährliche Wartungsarbeiten an der Ostsee-Leitung unterbrochen. Die Arbeiten sollen bis 21. Juli dauern. In Deutschland gibt es aber die Sorge, dass die Pipeline nicht wieder in Betrieb genommen wird.

Eine in Kanada gewartete Verdichterturbine von Nord Stream soll demnächst über Deutschland zurück zur Kompressorstation Portowaja gebracht werden. Ungeklärt war zuletzt, wo sich die Turbine befand und wann sie eingebaut wird. Der Hersteller Siemens Energy wollte am Montag keine Angaben zum Stand der Dinge machen. Es bleibe dabei, „dass es unser Ziel ist es, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren“, hieß es auf Anfrage in München. Der russische Energiekonzern Gazprom hatte am Samstag mitgeteilt, von der Turbine hänge „die verlässliche Arbeit der Gasleitung Nord Stream und die Versorgung der europäischen Verbraucher ab“. (dpa/aze)

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