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Früherer Fußball Nationalspieler spricht offen über seine Bisexualität

Und dabei hat er schon eine schmerzvolle Geschichte hinter sich

Früherer Nationalspieler spricht offen über seine Bisexualität

Richarlyson bekennt sich zu seiner Bisexualität
Auch er will, dass alles es wissen: Richarlyson ist bisexuell - und das ist auch gut so
Imago Sportfotodienst

Vor rund einem Monat wagte der erst 17-jährige Jake Daniels den Schritt an die Öffentlichkeit. Der britische Nachwuchsprofi bekannte sich zu seiner Homosexualität. Diesen Mut hat nun auch Richarlyson – zum wiederholten Male – bewiesen. Der frühere brasilianische Nationalspieler gab sein Coming-out. Er sei bisexuell, sagte der 39-Jährige bei der Premiere des Podcasts „Nos Armários dos Vestiários“ (zu deutsch etwa: In den Umkleidekabinen).

Richarlyson: "Ich bin normal, habe Bedürfnisse und Wünsche"

„Ich hatte eine Beziehung mit einem Mann und ich hatte eine Beziehung mit einer Frau. Ich bin bisexuell“, nahm Richarlyson kein Blatt vor den Mund. „Ich bin normal, habe Bedürfnisse und Wünsche. Was ist dabei?“

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Was dabei sein kann, diese unangenehme Erfahrung hat der ehemalige Profi schon einmal gemacht – unfreiwillig. Im Jahre 2007, als Profi beim FC Sao Paulo, outete ihn Funktionär José Cyrillo Júnior von Erzrivale Palmeiras Sao Paulo in einer Fernsehsendung als schwul. Was folgte, war ein Spießrutenlauf durch die Stadien Brasiliens. Anfeindungen waren an der Tagesordnung. Selbst die eigenen Fans weigerten sich, bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung Richarlysons Namen zu rufen. Ein Horrortrip für den derzeit vereinslosen Mittelfeldspieler der klagte: „Brasilien ist das Land, das die meisten Homosexuellen tötet.“

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Homophobie in Brasilien an der Tagesordnung

Seine große Hoffnung ist, dass die Aufmerksamkeit auch durch sein Bekenntnis zumindest ein Stück auf die allgegenwärtige Homophobie in seiner erzkatholisch geprägten Heimat auswirkt. „Vielleicht ändert es ja wirklich etwas in der Gesellschaft“, so der dreimalige brasilianische Meister.

Denn wie verächtlich am Zuckerhut mit Homosexuellen umgegangen wird, zeigt seine Geschichte deutlich. „Wenn Richarlyson schwul ist, dann hat er im Fußball nichts verloren, wenn er nicht schwul ist, dann kann er sich ja im Fernsehen selbst verteidigen“, sagte damals der Richter, der Richarlysons Verleumdungsklage gegen den Funktionär abwies. Die Folge: Richalryson verleugnete seine sexuelle Orientierung, einigte sich ein Jahr später außergerichtlich auf einen Vergleich. Doch damit ist jetzt Schluss: Bisher hatte er über seine Bisexualität nur mit seiner Mutter gesprochen. Nun sagt er es der ganzen Welt. (mli)