Frau von Gerd Müller "bittet" Bayern-Star

"Lieber Robert Lewandowski, 40 Tore reichen ja auch"

Robert Lewandowski hat zwei Spieltage vor Schluss schon 39 Tore auf seinem Konto
Robert Lewandowski hat zwei Spieltage vor Schluss schon 39 Tore auf seinem Konto
© MoMue / via Mladen Lackovic, Moritz Mueller, Mika Volkmann

12. Mai 2021 - 13:10 Uhr

"Gerd wäre der Erste, der gratulieren würde"

Robert Lewandowski steht kurz davor, den "ewigen" Rekord von Gerd Müller zu knacken. Der "Bomber" würde es dem Torjäger von Bayern München gönnen, ist sich dessen Frau "hundertprozentig sicher".

Ewiger Torrekord bald fällig?

Gerd Müller dämmert in einem Pflegeheim für schwer Demenzkranke im Münchner Süden friedlich vor sich hin. Der 75-Jährige bekommt nicht mit, dass sein "ewiger" Torrekord in dieser Saison ernsthaft in Gefahr ist - im Gegensatz zu seiner Frau Uschi. Sie höre "doch seit Wochen tagtäglich nichts anderes", sagt sie der Sport Bild und fügt emotionale Worte an: "Lieber Robert Lewandowski, 40 Tore reichen ja auch."

39 Treffer hat der aktuelle Torjäger von Bayern München bisher erzielt. In den Spielen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim SC Freiburg und zum Saisonabschluss gegen den FC Augsburg (22. Mai) hat der 32-Jährige noch zwei Gelegenheiten, die historische Bestmarke des "Bombers" aus der Saison 1971/72 zu brechen.

Die Chance ist groß - und Gerd Müller würde es Lewandowski wohl auch nicht übel nehmen. Da ist sich Uschi Müller "hundertprozentig sicher", betont sie. "Der Gerd kennt keine Neidgefühle. Er würde nicht jammern, wenn er den Rekord verliert. Ganz im Gegenteil: Er wäre der Erste, der gratulieren würde, der sagen würde: 'Gut gemacht, Junge. Du bist super'."

Lewandowski: "Gerd Müller wird immer unerreicht bleiben"

Davon ist auch Müllers früherer Mitspieler Paul Breitner fest überzeugt. "Wenn er könnte, dann würde Gerd heute auf der Tribüne sitzen und bei jedem Tor von Lewandowski mit der Zunge schnalzen. Er war so ein wunderbarer, fairer Mensch – er würde es einfach nur genießen", sagt Breitner im Klubmagazin 51.

Zweifel, dass die Marke nach 49 Jahren fällt, hat Uschi Müller nicht. Sie sei "fest überzeugt, dass es Lewandowski schafft. Er hat eine tolle Saison gespielt, ist ein harter Arbeiter". Allerdings wäre es ihr "als Ehefrau schon lieber, wenn der Gerd ihn behält", fügt sie lachend hinzu. "Der Gerd war halt einmalig. Und selbst wenn Lewandowski jetzt einen Rekord aufstellt, der Gerd wird immer der Gerd bleiben. Immer in Erinnerung. Immer der Bomber der Nation."

Das sieht Lewandowski genauso. Zwar würde ihn die legendäre Bestmarke "mit unglaublichem Stolz erfüllen". Aber: "Gerd Müller wird immer Gerd Müller bleiben – und unerreicht." So denkt auch dessen ehemaliger Mitspieler Bulle Roth: Einen Typen wie Müller, "den gibt's nicht mehr".

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Müller wunderte sich nach Einführung der Raumdeckung

Dennoch: Ihr Gerd habe sich schon früher gewundert, dass diese magischen 40 Tore "nicht längst schon jemand eingeholt hat", erzählt Uschi Müller. "Von dem Moment an, als die Raumdeckung eingeführt wurde, hat er darauf gewartet." Gerd habe ihr immer gesagt: "Es ist so viel Platz da, die Chancen sind da - und die machen keine Tore." So wie er, der in 427 Bundesligaspielen unglaubliche 365 Tore erzielte. Und jetzt eben Lewandowski.

Der habe, lobt Breitner, "eine gigantische Qualität und eine Gier, wie ich sie in fünf Jahrzehnten nur vom Gerd kannte, der sich auch nie zufriedengegeben hat und in jedem Spiel am liebsten zehn Tore gemacht hätte." Uschi Müller hält von den Vergleichen zwischen Gerd Müller und Lewandowski aber wenig. "Man kann die beiden gar nicht miteinander vergleichen", sagt sie: "Der Robert ist ein Athlet, der Gerd war ein Artist."

Ein Artist, der vom Leben nicht mehr viel mitbekommt. Seit November 2015 wird er in einem Heim für schwer Demenzkranke gepflegt. "Er ist ruhig und friedlich. Er schläft fast den ganzen Tag. Ruhig jedoch", sagt Uschi Müller, die ihren Ehemann jeden Tag besucht: "Er sieht nicht gestresst aus. Es geht ihm gerade gut."

SID

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