Pourchaire klopft an der Tür zur Formel 1

Schickt dieser Youngster Kimi Räikkönen in Rente?

Nicht zu schlagen in Monaco: Von der Pole weg dominierte Theo Pourchaire das Hauptrennen der Formel 2.
Nicht zu schlagen in Monaco: Von der Pole weg dominierte Theo Pourchaire das Hauptrennen der Formel 2.
© Getty Images, Bongarts, AJB / WTM

27. Mai 2021 - 11:32 Uhr

Von Ludwig Degmayr

Mit 17 Jahren schwirren einem jungen Mann vielerlei Gedanken durch den Kopf: Was schenke ich meiner Freundin zum Valentinstag, ist das Duschen heute wirklich nötig und wann sollte ich eigentlich anfangen, für die Mathe-Prüfung in zwei Tagen zu lernen. Theo Pourchaire ist was das angeht schon deutlich weiter: Der Formel-2-Pilot beförderte sich mit seinem Sieg in Monaco auf die Beobachtungsliste vieler Teamchefs in der Königsklasse. Für den Franzosen ist der Traum von einem Aufstieg in die Formel 1 zum Greifen nahe. Nicht unwahrscheinlich, dass Pourchaire im kommenden Jahr ein echtes Schwergewicht der Szene ersetzt.

Kometenhafter Aufstieg von Pourchaire

Die Karriere des Franzosen könnte kaum steiler verlaufen. Aus dem Stegreif gewinnt Pourchaire nach dem Umstieg aus dem Kart die heimische Formel 4, im Jahr darauf setzt er sich gegen die deutlich erfahrenere Konkurrenz in der deutschen Formel 4 durch. Auch die extrem umkämpfte Formel 3 bereitet dem damals 16-Jährigen keinerlei Probleme, um gerade einmal drei Punkte verpasst er als Rookie den Titel.

Nach ein paar Gastauftritten zum Saisonende in der Formel 2 im vergangenen Jahr ist er in diesem Jahr Stammpilot in der direkten Unterklasse zur Formel 1. Doch auch auf die 620 PS starken Boliden passt sich Pourchaire im Nu an. Bereits beim zweiten Grand Prix der Saison setzt es den ersten Sieg – und zwar nirgendwo anders als auf den Straßen von Monaco. Ein besseres Bewerbungsschreiben gibt es nicht. Zu weit nach vorne schauen will der Rohdiamant allerdings nicht: "Um ehrlich zu sein: Ich versuche, mich auf die F2 zu konzentrieren. Ich bin wirklich weit weg von der Formel 1."

Sauber hat ein Auge drauf

Unbemerkt blieb Pourchaires Talent natürlich nicht. Seit 2019 ist er Teil eines Nachwuchsprogrammes. Allerdings nicht etwa von Mercedes, Red Bull oder Ferrari, sondern von Sauber. Beim als Alfa Romeo gebrandeten Team aus der Schweiz ist der F2-Pilot die Speerspitze des hauseigenen Nachwuchsprogramms. In Sachen Jugendförderung ist der Rennstall aus Hinwil seit Jahren ganz vorne mit dabei. Ob Heinz-Harald-Frentzen, Kimi Räikkönen, Checo Pérez oder Charles Leclerc: Sie alle gaben ihr Debüt in der Königklasse im Sauber. Dieser Sache ist sich der Franzose bewusst: "Ich habe die Hilfe von Sauber, was unglaublich ist. Ich weiß, dass sie mich beobachten – sowohl bei guten als auch bei schlechten Resultaten."

Mit Teamchef Frédéric Vasseur hat Pourchaire nicht nur einen Landsmann als Strippenzieher, sondern auch einen exzellenten Talent-Förderer im Rücken. Vasseur ist der Gründer des Nachwuchsteams "ART", bei dem Pourchaire aktuell unter Vertrag steht. Im Laufe der Jahre holte der Rennstall viele Titel in den unteren Kategorien ebnete damit Namen wie Nico Rosberg, Lewis Hamilton oder Nico Hülkenberg den Weg in die Formel 1.

"Es gibt bestimmte Eckpunkte von Champions. Talent, Selbstbeherrschung, die Balance zwischen Attacke und Verteidigung sowie die Fähigkeit, von Beginn an in jeglicher Art von Meisterschaft konkurrenzfähig zu sein", erklärt Vasseur und fügt an: "Theo hat all diese Qualitäten in seiner Rookie-Saison in der Formel 3 gezeigt. Es ist ist unglaublich, so ein großes Talent bei seiner Entwicklung zu beobachten."

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Muss Kimi für Pourchaire Platz machen?

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Hat die Jugend im Nacken: Kimi Räikkönen (rechts).
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Der gleiche Weg wie bei seinen ART-Vorgängern scheint auch für Pourchaire vorgezeichnet. Und möglicherweise muss ein Altmeister für den Emporkömmling Platz machen: Kimi Räikkönen. Zwar bringt der Finne trotz seiner mittlerweile 41 Jahre immer noch konstant gute Leistungen, dennoch könnte der Iceman einer bestimmten Abmachung zum Opfer fallen. Als Schwesterteam von Ferrari hat Alfa Romeo nicht die komplette Kontrolle bei der Besetzung ihrer Cockpits, denn über einen der beiden Fahrer entscheidet Ferrari. Bisher genoss der Italiener Antonio Giovinazzi das Vertrauen der Scuderia, während Sauber/Alfa Romeo auf die Dienste von Räikkönen setzte.

Für 2022 drängt aber nicht nur Pourchaire auf ein Cockpit: Die Ferrari-Junioren Robert Schwarzmann und Callum Ilott stehen ebenfalls auf der Warteliste. Sofern das 17-jährige Juwel aber bis zum Ende um den Titel in der F2 kämpft, ist ein Nachgeben von Ferrari aber ebenfalls möglich. Der Aufstieg Pourchaires würde die Verjüngung der Formel 1 weiter vorantreiben. Bevor es aber soweit ist, steht noch eine lange Saison an, in der sich selbst das positivste Momentum sehr schnell drehen kann.